CH-Schluss: SMI dämmt Verlust auf 3,75% ein

CH-Schluss: SMI dämmt Verlust auf 3,75% ein

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat einen rabenschwarzen Start in die neue Woche erwischt. Die Börsenplätze litten weltweit unter den Sorgen um die chinesische Konjunktur; man fürchte eine harte Landung der ehemaligen Konjunkturlokomotive, hiess es im Handel. Die Anlegerstimmung hat sich innerhalb weniger Tage von positiv auf negativ gedreht, resümierten Marktbeobachter. Teilweise war im Handel von «Panik» die Rede.

Die Nervosität im Handel wurde am Nachmittag mit dem Handelsauftakt an der Wall Street greifbar: Nachdem der Dow Jones zum Handelsauftakt um zeitweise mehr als 6% nach unten rauschte, brachen auch in der Schweiz die Dämme. Der ohnehin schon sehr schwache Schweizer Leitindex brach innert kürzester Zeit um weitere 300 Punkte ein. Erst als in den USA die Abgaben eingedämmt wurden, griffen auch hier die ersten Investoren wieder zu. Die Volatilität dürfte noch einige Tage hoch bleiben, meinen Experten. Der entsprechende VSMI-Index sprang allein am Montag um über 40% an.

Der Swiss Market Index (SMI) gab am Montag 3,75% auf 8’468,89 Punkte nach; in der Spitze verlor der Leitindex mehr als 7%. Der 30 Titel umfassende, in der Titelgewichtung gekappte Swiss Leader Index (SLI) gab 3,79% auf 1’257,15 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 3,69% auf 8’622,81 Punkte nach. Alle Blue Chips schlossen im Minus.

Nach den jüngsten Ereignissen rechnen nun immer weniger Investoren noch mit einer US-Leitzinserhöhung vor dem Dezember, entsprechend büsste auch der US-Dollar Terrain ein. Der Dollar rutschte zwischenzeitlich unter 92 Rappen ab; vor gerade mal zwei Wochen hatte der «Greenback» an der Parität zum Schweizer Franken angeklopft. Der Euro stieg derweil auf 1,16 US-Dollar und etablierte sich über 1,08 Franken.

Ein klares Branchenmuster war am Berichtstag nicht erkennbar – die Abgaben erstreckten sich querbeet über sämtliche Aktien. Die höchsten Verluste erlitten die Titel von Transocean, die um 8,7% absackten. Der Vermieter von Bohrplattformen leidet unter dem anhaltend rückläufigen Ölpreis: Der Preis für US-Öl etwa erreichte bei 39 USD den tiefsten Stand seit Februar 2009.

Clariant und Richemont verloren jeweils 5,2%. Die Valoren des Luxusgüterkonzerns litten insbesondere unter den Sorgen um den wichtigen Absatzmarkt China. Die Konkurrenzpapiere von Swatch (-2,8%) hielten sich derweil etwas besser. Swatch-Chef Nick Hayek hatte in einem Interview mit der Wochenendpresse die Konkurrenz für die Smartwatch durch andere multifunktionalen Uhren relativiert.

Bei den Finanzaktien ging es mit den beiden grossen Versicherern Swiss Re und Zurich Insurance um je 4,5% nach unten. Letztere braucht einem Zeitungsbericht zufolge mehr Zeit für die Verhandlungen zur allfälligen Übernahme der britischen Konkurrentin RSA. Die Aussicht auf hartnäckig tiefe Zinsen, die jüngsten Verwerfungen machen einen Zinsschritt der US-Notenbank im September weniger wahrscheinlich, drückten Swiss Life um 4,1% und Bâloise um 3,8%.

Bei den Banken gingen Credit Suisse mit minus 4,4% und Julius Bär mit minus 4,3% aus dem Tag. Auch UBS (-3,8%) erhielten von einer Kurszielerhöhung durch LBBW nur wenig Support.

Die defensiven Aktien blieben nicht ebenfalls nicht vor grösseren Abgaben gefeit. Allen voran Swisscom büssten 5,2% ein. Der Telekommunikationskonzern hatte vergangene Woche Quartalszahlen vorgelegt, die wenig goutiert wurden. Aber auch die «grossen drei» waren dem Gesamtmarkt keine grosse Hilfe: Novartis verloren 4,2%, Roche 2,6% und Nestlé 3,8%.

Unterdurchschnittlich fielen die Abgaben in den Aktien von Kühne+Nagel (-2,0%) aus, in Geberit (-2,5%) und in Sika (-2,7%). Auch Syngenta und LafargeHolcim schlossen «lediglich» 2,8%, resp. 2,9% tiefer. Für Syngenta hat der US-Mitbewerber Monsanto offenbar die Übernahmeofferte auf 470 CHF von bislang 449 CHF erhöht, wie Bloomberg gegen Handelsende mitgeteilt hatte.

Im breiten Markt fielen jeweils nach Halbjahresergebnissen Metall Zug um 2,0% und Vetropack um 1,2%. Gurit zogen nach Halbjahreszahlen gar um 0,2% an.

Sehr grosse Abgaben verzeichneten bei den Small- und Midcaps unter anderem Orell Füssli (-9,5%), Kuoni (-9,0%) und Valartis (-8,8%). Die Bankengruppe wird am morgigen Dienstag Halbjahreszahlen zeigen. (awp/mc/upd/ps)

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