CH-Schluss: Technische Erholung macht Vortagesverluste nicht wett

Boerse
(Adobe Stock)

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag deutliche Erholungstendenzen gezeigt. Doch die Verluste des Vortages konnte der Leitindex SMI dennoch nicht wettmachen. Laut Experten handelt es sich um eine rein technische Erholung, man befinde sich weiterhin in einem Bärenmarkt. «An der Stimmung hat sich nicht viel verändert, der Markt ist weiter von Zurückhaltung geprägt», sagte ein Händler. Es herrsche eine toxische Mischung: Solange der Krieg in der Ukraine weitergehe und solange es in China nach wie vor Lockdowns gebe, seien auch keine grossen Kurssprünge zu erwarten.

Weiter bleibt auch die Zinspolitik im Fokus der Anleger. «Sobald die Zinserhöhungen eingepreist sind, könnte es wieder eine Erholung geben, im Moment ist es aber schwierig», so der Händler. Dass die USA die Leitzinsen erhöht hat und damit der galoppierenden Inflation die Stirn bietet, werde zwar zu fallenden Inflationsraten führen, erklärte ein Händler. So niedrige Teuerungsraten wie in den letzten Jahren seien allerdings passé.

Der SMI schloss mit einem Plus von 0,85 Prozent bei 11’541,71 Punkten. Am Montag hatte er allerdings 2,44 Prozent verloren. Somit hat er die Vortagesverluste noch bei weitem nicht wettgemacht. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gewann 0,94 Prozent auf 1768,60 Punkte und der breite SPI 0,74 Prozent auf 14’800,04 Zähler. Nachdem Grün den ganzen Tag lang die vorherrschende Farbe im SLI war, drehten kurz vor Handelsschluss doch noch ein paar Titel in den roten Bereich. Am Ende standen sechs Verlierer 23 Gewinnern gegenüber. Adecco schlossen unverändert.

Als schlechtester Bluechip ging Alcon mit Verlusten von 1,5 Prozent aus dem Handel. Der Augenheilmittelhersteller wird nach Börsenschluss in den USA seinen Quartalsbericht veröffentlichen. Nun seien einige Anleger bereits aus Gründen der Risikominimierung ausgestiegen, sagte ein Händler. Denn es seien im ersten Quartal bereits bei verschiedenen Firmen zwar solide Zahlen, aber ein wenig erfreulicher Ausblick publiziert worden. Davor könnten manche Investoren auch bei Alcon Angst haben und sich von der ehemaligen Novartis-Tochter zurückziehen.

Verluste verzeichneten auch Temenos (-0,4%) und der Nahrungsmittelriese Nestlé (-0,4%), der damit den Gesamtmarkt negativ beeinflusste. Aber auch Finanz- und Bankenwerte wie Partners Group (-0,3%), Julius Bär (-0,2%) und Credit Suisse (-0,2%) gingen mit einem Minus aus dem Handel.

Die anderen Titel konnten allesamt Gewinne zwischen 0,2 und 3,6 Prozent einstreichen, wobei vor allem diejenigen gefragt waren, die in den vergangenen Tagen vermehrt abverkauft wurden. Dazu gehörten etwa Straumann, die mit einem Plus von 3,6 Prozent bei Handelsschluss den SLI anführten, Geberit (+3,3%), die zusätzlich von einer Kaufempfehlung durch Stifel profitierten, oder AMS (+1,4%), die kurz vor Börsenschluss auch noch den Verkauf einer Sparte bekanntgaben.

Weiter Zykliker wie Holcim (+2,2%) oder Schindler (+1,9%) waren ebenfalls gefragt. Ebenso Swiss Re (2,4%). Gleichentags hatte Konkurrentin Munich Re trotz Ukrainekrieg gute Quartalszahlen präsentiert. Mehr als 2 Prozent gewannen auch Givaudan (+2,1%).

In den hinteren Reihen profitierten Talenthouse (+4,3%) von den starken Umsatzzahlen für das erste Quartal. Swiss Steel waren nach der Vorlage Quartalsergebnisses vorerst gefragt, gingen schlussendlich aber unverändert aus dem Handel.

Auf der anderen Seite des Spektrums schlossen Zur Rose (-15,8%), die stark unter schlechten Neuigkeiten aus Deutschland litten. Gemäss dem Bericht einer Branchenzeitschrift wurde bei der geplanten Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland weiterhin kein konkreter Fahrplan beschlossen.

Verkauft wurden zudem vermehrt auch GAM (-5,3%). Gemäss Marktbeobachtern fragt man sich am Markt, ob der Grossaktionär Jörg Bantleon bei GAM nun aussteigt, nachdem seine Vermögensverwaltungsfirma Bantleon nun auf die Bankenlizenz verzichtet. Ebenso verkauft wurden Polypeptide (-5,3%), die neue Tiefstkurse erreichten. Die Anleger haben offenbar Angst vor einer Platzierung weiterer Aktien durch den Ankeraktionär. (awp/mc/ps)

SIX Swiss Exchange
Aktueller Stand SMI bei Google

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.