CH-Schluss: Ausverkauf noch nicht gestoppt

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt fand auch am Freitag keinen Boden. Die Angst vor dem Coronavirus liess die Kurse weiter in den Keller fallen. Der Ende der Vorwoche eingeleitete Ausverkauf ging damit vor dem Wochenende unvermindert weiter. In Marktkreisen wurde die zu Ende gegangene Börsenwoche als die schlechteste seit der Frühphase der Finanzkrise im Jahr 2008 bezeichnet. Auf Wochensicht resultierte ein Minus von rund 12 Prozent. Da man nicht wissen könne, wie sich die Lage um das Coronavirus über das Wochenende weiter entwickle, seien die Investoren erst recht aus Aktien geflohen, hiess es.

Das Coronavirus hat die Investoren also unverändert fest im Griff. Nicht nur in der Schweiz, wo der Bundesrat inzwischen alle Grossveranstaltungen mit über 1’000 Besuchern untersagt hat, breitet sich das Virus aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte bereits am Donnerstag, der neue Erreger habe «pandemisches Potenzial» und könnte ohne die richtigen Massnahmen «ausser Kontrolle geraten». Kaum zur Beruhigung der Lage hat nun am Freitag beigetragen, dass die WHO das Risiko einer weltweiten Verbreitung des Virus von «hoch» auf «sehr hoch» gestuft hat.

Zum Handelsschluss verlor der SMI 3,67 Prozent auf 9’831,03 Punkte. Seit dem Allzeithoch vom vorletzten Donnerstag hat der SMI knapp 13 Prozent oder über 1’400 Punkte eingebüsst. Gegenüber dem Stand von Ende 2019 resultiert mittlerweile ein Minus von über 7 Prozent.

Und auch charttechnisch sieht es nicht so gut aus. Mit dem Unterschreiten der 200-Tagedurchschnittslinie im Bereich von 10’100 Punkten sei eine wichtige Unterstützung nach unten durchbrochen worden, hiess es an der Börse. Der SMI könnte daher bis gegen 9’200/9’000 Punkte fallen, bevor er wieder auf eine stärkere Unterstützung treffe.

Der als «Angstbarometer» bekannte Volatilitätsindex VSMI hat sich innert weniger Tage auf mehr als 33 Punkte beinahe verdreifacht. Erneut waren die Ausschläge massiv: Zwischen dem Schlusskurs vom Vortag und dem Tagestief bei 9’725 lagen beinahe 500 Punkte.

Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Werte enthalten sind, fiel zum Schluss um 3,62 Prozent auf 1’500,25 Punkte und der umfassende SPI um 3,59 Prozent auf 11’897,75 Punkte.

Alle 30 Blue Chips lagen am Schluss klar im Minus. Am wenigsten unter die Räder kamen noch Richemont (-0,9%), Schindler (-1,2%) und Kühne+Nagel (-1,3%). Schindler dürfte nach Einschätzung von Händlern geholfen haben, dass der angeschlagene Konzern ThyssenKrupp die Aufzugssparte nun definitiv an ein Finanzkonsortium und nicht an einen Konkurrenten verkauft. Damit werde vermieden, dass Schindler ein übermächtiger Konkurrent entstehe, heisst es am Markt.

Besser als der Gesamtmarkt hielten sich zudem Swiss Life (-1,4%). Der Versicherer hat mit seinem am Morgen präsentierten Ergebnis positiv überrascht. Die Vorgaben der Analysten hat Swiss Life zumeist übertroffen und den Anlegern wird der Abschluss mit einer grosszügigen Dividende und einem neuen Aktienrückkaufprogramm versüsst.

Zu den grössten Verlierern gehörten einmal mehr die technologie-affinen AMS (-5,9%) und Temenos (-5,5%). Im Bereich von 5 Prozent oder leicht darüber lagen die Abgaben in CS, Vifor Pharma und Zurich, dahinter folgten in der Kohorte mit Verlusten zwischen 4 und 5 Prozent Clariant, Sika, UBS und Partners Group.

Auch die ansonsten als vergleichsweise stabil geltenden Novartis (-4,5%) entzogen sich dem Abwärtstrend nicht. Die wirtschaftlichen Folgen durch das Coronavirus seien noch nicht bezifferbar, liess das Unternehmen anlässlich der Generalversammlung verlauten. Roche (-4,0%) hielten sich nur minim besser, während Nestlé (-2,9%) das Minus immerhin unter 3 Prozent halten konnten.

Im breiten Markt hielten sich Aevis (-1,5%) und VZ Holding (-2,9%) nach Zahlen besser als der Gesamtmarkt. MCH brachen dagegen um 8,2 Prozent ein, nachdem die Messe im Anschluss an die Verfügung des Bundesrats die diesjährige Uhrenmesse Baselworld absagen musste. (awp/mc/pg)

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