CH-Schluss: SMI erneut unter Druck

Boerse

Zürich – Nach der kräftigen Erholung der vergangenen Tage haben am Donnerstag die Sorgen wegen des Coronavirus die Börsen weltweit wieder eingeholt. Am Schweizer Aktienmarkt standen die Ampeln zwar zu Handelsstart noch auf Grün, jedoch kamen die Kurse in der Folge stark ins Rutschen. Gegenwind kam aus Übersee auf, wo der Handel an der Wall Street klar tiefer eröffnete. Auch in den USA ist das Coronavirus angekommen.

In Kalifornien etwa hat Gouverneur Gavin Newsom wegen der Ausbreitung des Virus den Notstand ausgerufen. Gleichzeitig sind in den stark betroffenen Ländern Südkorea und Italien die Infektionszahlen weiter gestiegen. Auch die Schweiz hat ihren ersten Coronavirus-Todesfall. Die Börse rechne nun damit, dass Firmen reihenweise Umsatz- und Gewinnwarnungen melden würden, schreibt ein Händler. Das Gespenst einer Rezession gehe um und die Bankenbranche zittere vor noch tieferen Zinsen.

Der SMI büsste am Donnerstag bis Handelsende 1,05 Prozent auf 10’143,57 Punkte ein. Am Tagestiefstpunkt lag der SMI nur noch rund 45 Zähler über der 10’000-Punktemarke. Der SLI, der die 30 wichtigsten Werte einschliesst, verlor 1,35 Prozent auf 1’536,34 Punkte und der breite SPI 1,08 Prozent auf 12’347,87 Zähler. Bei den Blue Chips lagen am Ende bis auf zwei Titel alle im Minus.

Ganz weit hinten reihten sich die Bankwerte ein: Credit Suisse verloren 3,2 Prozent und UBS 2,8 Prozent. Beide fielen im Handelsverlauf auf Jahrestiefstkurse ab. Als Mitgrund für die Verkäufe wurde die überraschende Zinssenkung der US-Notenbank vom Dienstag genannt. Die noch tieferen Zinsen erhöhen den Druck auf die Ergebnisse der Banken.

Tiefe Zinsen machen auch Versicherungen zu schaffen und so gaben Swiss Life an der Börse um 3,0 Prozent nach. Die Aktien der Zurich-Gruppe verloren mit 1,9 Prozent etwas weniger stark an Wert. Die Titel wurden von der Bank Berenberg als «Kauf» ins Anlageuniversum aufgenommen.

Überdurchschnittlich schwach schlossen unter den Blue Chips Zykliker wie AMS (-6,2%), Schindler (-4,7%) oder Adecco (-3,7%) den Handel ab. Die Adecco-Papiere wurden von JPMorgan auf «Neutral» herabgestuft. Und beim Aufzug- und Rolltreppenhersteller war von einem sehr vorsichtigen Tenor des Managements anlässlich eines Analystentreffens die Rede. Der Ausbruch des Coronavirus könne den Jahresumsatz um 200 bis 500 Millionen Franken schmälern, hiess es da.

Mit zu den grössten Verlierern zählten auch die Uhrenaktien von Swatch (-3,0%) und Richemont (-2,3%). Aber auch Titel wie Clariant (-2,4%) oder Givaudan (-2,1%) gaben stark nach.

Bei den defensiven Schwergewichten hielten sich die Verluste derweil in Grenzen. Nestlé fielen um ein halbes Prozent, Novartis verloren 0,8 Prozent und die Roche-Genussscheine nur 0,2 Prozent. Den Pharmawerten dürften die guten Resultate des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden in den Vorwahlen eine gewisse Stütze bieten. Biden fordert «Obamacare» auszuweiten, anstatt die privaten Versicherungen abzuschaffen, wie sein Widersacher Bernie Sanders vorschlägt.

Die beiden einzigen Gewinner unter den Blue Chips hiessen am Berichtstag Swisscom (+0,3%) und Sonova (+2,2%). Zu beiden Firmen lagen allerdings keine News vor.

Im breiten Markt fielen Stadler Rail um 3,4 Prozent zurück. Der Bahnbauer hatte mit seinem ersten Abschluss als kotierte Gesellschaft die Gewinnerwartungen der Analysten verfehlt. Ascom sackten um 6,5 Prozent ab und Obseva brachen gar um 19 Prozent ein. Beide Firmen hatten ebenfalls die Anleger mit Geschäftszahlen enttäuscht.

Beim Baukonzern Implenia (-0,3%) blieben die Verluste klein, nachdem ein Grossaktionär seinen Anteil deutlich aufgestockt hatte. Bei SIG Combibloc (-1,5% auf 14,58 Fr.) hatte der Grossaktionär Onex ein fast 12 Prozent grossen Aktienpaket an institutionelle Investoren verkauft. Mit 14,20 Franken wurden die Anteile mit einem Abschlag von 4 Prozent zum Schlusskurs des Vortags losgeschlagen. (awp/mc/pg)

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