CH-Schluss: Leichte Gewinne dank Nestlé

CH-Schluss: Leichte Gewinne dank Nestlé

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag mit einem leichten Plus geschlossen, während die anderen europäischen Märkte klar tiefer aus dem Handel gingen. Händlern zufolge nehmen die Sorgen um eine Eskalation im Ukraine-Konflikt zu. Dies belaste die Aktienmärkte beiderseits des Atlantiks, hiess es am Markt. Auch Aussagen der EZB, an der lockeren Geldpolitik festhalten zu wollen, vermochten etwa den deutschen Leitindex DAX nicht zu stützen.

Die Hoffnung auf neue Unterstützungsmassnahmen der Notenbanker ebbe ab, so ein Händler. EZB-Chef Mario Draghi zeige sich von den geringen Preissteigerungsraten unbeeindruckt und das nehme dem Markt Fantasie. Hohe Unsicherheit bremse die Risikofreude der Anleger und halte die Märkte tendenziell unter Druck, sagten Marktbeobachter zudem. Das kleine Plus hierzulande begründete sich hauptsächlich in den Aufschlägen der schwergewichtigen Nestlé-Aktien nach einer positiven Zahlenvorlage und der Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms.

Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt zum Handelsende 0,20% auf 8’306,75 Punkten. Während der gekappte Swiss Leader Index (SLI), hier ist die Gewichtung von Nestlé beschränkt, um 0,28% auf 1’248,86 Punkte nachgibt, zieht der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,15% auf 8’214,73 Zähler an. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen 24 im Minus und sechs im Plus.

Mit einem Aufschlag von 3,4% gingen die Aktien des Nahrungsmittelmultis Nestlé als grösste Gewinner unter den Blue Chips aus dem Handel. Die Westschweizer haben zwar unter der Frankenstärke gelitten; bereinigt um diese Effekte und um Unternehmensverkäufe lag das wichtige organische Wachstum jedoch bei knapp 5%, was sich im Konkurrenzvergleich sehen lassen kann. Analysten hatten jedenfalls etwas weniger erwartet. Wie erwartet, hat Nestlé auch ein neues Aktienrückkaufprogramm bekannt gegeben: Das Unternehmen plant den Rückkauf von Aktien im Wert von 8 Mrd CHF.

Die beiden anderen Schwergewichte, die Pharmawerte Novartis (-0,6%) und Roche (-0,9%), verbuchen hingegen Verluste.

Wie bei Nestlé wurden auch bei Zurich (+2,4%) als solide eingeschätzte Halbjahreszahlen des Erstversicherers positiv aufgenommen. Die Ergebnisse erfüllten die Erwartungen der Finanzgemeinde in etwa. Der Konzern profitierte von einer geringeren Schadenslast und kam auch mit der Verschlankung der Organisationsstruktur gut voran.

Gewinne verbuchen ausserdem Swisscom (+1,0%), Baloise (+0,5%) sowie Givaudan und SGS (je +0,1%).

Transocean (-0,6%) drehten am späten Nachmittag ins Minus, als die Börse in New York eröffnete, nachdem die Titel teils sogar 2% im Plus gestanden hatten. Der Vermieter von Ölbohrplattformen hat mit den Gewinnzahlen die Schätzungen der Analysten deutlich übertroffen. Diese lobten die strikte Kostenkontrolle. Das Umfeld werde jedoch herausfordernd bleiben, wie das Management an einer Telefonkonferenz am späten Nachmittag hiesiger Zeit sagte.

Grösster Verlierer der SMI/SLI-Titel waren die Aktien von Adecco und Swiss Re (je -2,5%). Bei letzteren ging der Ausverkauf weiter. Der Rückversicherer hatte am Vortag enttäuschende Zahlen geliefert; nun trafen Kurszielsenkungen der Analysten ein.

Der Stellenvermittler Adecco lag mit seinen Zahlen auf praktisch allen Ebenen unter den Erwartungen der Analysten. Insbesondere in den Schlüsselmärkten Frankreich und Deutschland seien die Konsensschätzungen teilweise klar verfehlt worden. Die Aussagen zum Geschäftsverlauf im Juli seien hingegen «ermutigend», hiess es. Das ausgerufene EBITA-Margenziel werde aber im Lichte der jüngsten Entwicklung immer unwahrscheinlicher.

Deutlich tiefer schlossen zudem Actelion (-1,8%), Credit Suisse (-1,5%) und Holcim (-1,3%). Bei Actelion sprachen Händler von schwindenden Übernahmephantasien.

Auch im breiten Markt gab es eine Reihe von Ergebnissen. Inficon (+4,4%) gehörten zu den grossen Profiteuren. Nach dem verhaltenen ersten Quartal habe das Messtechnikunternehmen im zweiten die Erwartungen mit Blick auf das Umsatzwachstum und die Entwicklung der Bruttomarge übertroffen, so etwa die Einschätzung der ZKB.

Auch ADB (-3,0%), AFG (-0,1%), Coltene (+0,2%) und Mobimo (unverändert) haben sich in die Bücher schauen lassen. Ausserdem hat der Halbleiter-Hersteller U-Blox (+0,8%) das griechische Unternehmen Antcor für 6,3 Mio CHF gekauft. (awp/mc/upd/ps)

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