CH-Schluss: Kursfeuerwerk dank Impfstoff-Erfolg

Boerse

Zürich – Ein möglicher Durchbruch bei einem Corona-Impfstoff hat am Montag an den Aktienmärkten in der Schweiz und weltweit für ein Kursspektakel gesorgt. Positive Studiendaten von Biontech und Pfizer zu einem Corona-Impfstoff schürten bei Investoren Hoffnungen auf eine baldige Normalisierung der Corona-Lage. Demnach bietet der Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. Die Börsen preisten die Zeit vor Corona wieder ein, hiess es am Markt: Die Rückkehr ins normale Leben fern des Home Office.

Damit drehte sich die bisherige Kursentwicklung um: Die „Corona-Verlierer“ explodierten, die „Corona-Gewinner“ implodierten. Aufgrund seiner defensiven Ausrichtung konnte der Schweizer Aktienmarkt etwas weniger profitieren als andere Börsenplätze. Zwar sei die Pandemie damit noch nicht zu Ende und auch die Zulassung noch nicht da, hiess es im Handel. Doch das erste Mal seit Beginn der Pandemie sei nun Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Bereits am Morgen hatte der Sieg von Joe Biden bei den US-Präsidentschaftswahlen für Aufwind an den Börsen gesorgt, fällt doch damit ein grosser Unsicherheitsfaktor weg.

Der SMI schloss um 0,92 Prozent im Plus auf 10’417,99 Punkten. Zwischenzeitlich hatte er sogar die Marke von 10’600 Punkten überschritten, über der er zuletzt im Februar notiert hatte. Mit den Gewinnen anderer Börsenplätze in Deutschland oder an der Wall Street, die im mittleren einstelligen Bereich lagen, konnte er damit nicht mithalten. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst und bei dem die Schwergewichte gekappt sind, gewann 1,91 Prozent auf 1’629,05 Stellen und der umfassende SPI 0,78 Prozent auf 12’934,27 Zähler. 22 der 30 Blue Chips schlossen im Plus, acht im Minus.

Die grössten Gewinne heimsten die bisherigen Verlierer der Pandemie ein. Durch die Decke gingen etwa die Kurse der Luxusgütertitel Richemont (+12%) und Swatch (+8,4%). Richemont hatten zuvor bereits von Anschlusskäufen und positiven Kommentaren nach der Bilanzvorlage am Freitag profitiert.

Auch die Kurse der Finanzwerte Swiss Life (+7,8%), Swiss Re (+7,3%), CS (+7,4%) und UBS (+4,6%) vollführten Freudensprünge. Julius Bär (+7,8%) profitierte zusätzlich vom Abbau einer Altlast: Der Vermögensverwalter hat sich mit dem US-Justizministerium (DOJ) im Fall Fifa geeinigt. Gefragt waren auch Zykliker wie Adecco (+7,7%) oder Gesundheitstitel wie Straumann (+9,6%), Alcon (+8,4%) und Sonova (+8,3%).

Die Ausschläge waren allerdings auch in die andere Richtung gross: Logitech etwa geben um 13 Prozent nach. Der Hersteller von Computerzubehör hatte stark vom Home-Office-Trend profitiert.

Noch grössere Marktgewinne verhinderten aber vor allem die Abgaben bei den beiden defensiven Schwergewichten Roche (-3,1%) und Nestlé (-1,0%), während Novartis im Vergleich zu den anderen Titeln moderate Gewinne (+0,9%) verbuchten. Die Anleger schalteten auf „Risk-on“-Modus um, sagte ein Händler.

Auch im breiten Markt zeigte sich ein ähnliches Bild wie bei den Blue Chips: Die bisherigen „Corona-Verlierer“ holten stark auf, vor allem Aktien aus der Luftfahrt- und Reisebranche: Dufry (+23%), Flughafen Zürich (+15%), Titlisbahnen (+10%), Jungfraubahn (+16%), Orascom (+10%), oder Lastminute (+18%).

Die Aktien des Pharmazulieferers Siegfried, der den Impfstoff von Biontech im Falle einer Zulassung abfüllen wird, legten um 4,6 Prozent zu. Die Vifor-Papiere (+6,5%) waren indes nach einem Lizenzabkommen mit Angion und Umsatzzielen für 2025 gesucht.

Im Gegenzug verloren die Papiere der Online-Apotheke Zur Rose (-11%) und des Laborausrüsters Tecan (-13%) deutlich an Boden. Auch die Verpackungsunternehmen Aluflexpack und SIG Combibloc (je -7,8%) mussten Federn lassen. (awp/mc/pg)

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