CH-Schluss: SMI wegen Schwergewichten im Minus

Boerse

Zürich – Am Schweizer Aktienmarkt herrschte zur Wochenmitte zwar eine gute Stimmung und das Gros der Titel verzeichnete Gewinne. Weil die drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche aber deutliche Einbussen verzeichneten, schloss der SMI leicht im Minus. Der Schweizer Leitindex unterschied sich damit klar von wichtigen Indizes an anderen europäischen Handelsplätzen, die markant anzogen. Auch die New Yorker Börsen zogen im frühen Handel deutlich an.

Mut machte den Investoren auf der ganzen Welt die Meldung des US-Pharmakonzerns Gilead, eines seiner Medikamente habe bei Tests an Corona-Patienten positive Ergebnisse gezeigt. Gut für die Stimmung waren auch die Lockerungsmassnahmen in verschiedenen Ländern. Derweil rückte in den Hintergrund, dass die US-Wirtschaft ein sehr schwaches erstes Quartal hinter sich hat. Viele Investoren hätten die aufziehende US-Rezession bereits abgehakt, meinten Händler. Das böse Erwachen könnte somit noch folgen, warnten andere Stimmen.

Der SMI büsste am Ende 0,24 Prozent auf 9’865,32 Punkte ein, nachdem er sich am Vortag mit dem Tageshoch von 9’949 Zählern noch der 10’000er-Marke angenähert hatte. Am Mittwoch schaffte es der Leitindex nicht über die 9’900er-Schwelle und fiel zeitweise sogar knapp unter 9’800 Punkte. Der breite SPI schloss derweil 0,26 Prozent tiefer bei 12’162,34 Zählern. Der SLI, in dem die Gewichtung der drei Schwergewichte deutlicher begrenzt ist, zog hingegen um 0,86 Prozent auf 1’445,78 Punkte an. Gute zwei Drittel der 30 SLI-Titel verzeichneten am Schluss des Tages Gewinne.

Mit Abstand am deutlichsten ging es bei den Blue Chips mit AMS aufwärts, die sich um satte 24 Prozent verteuerten. Der Chiphersteller überzeugt einerseits mit seinen eigenen Zahlen und Aussagen zum zweiten Quartal. Laut Marktteilnehmern hat aber auch der US-Technologiekonzern Alphabet am Vorabend nach US-Börsenschluss mit seiner Quartalsbilanz ohnehin für eine insgesamt gute Stimmung in der Branche gesorgt.

Überdurchschnittlich fest präsentierten sich erneut auch Finanzwerte. So griffen die Investoren erneut bei der UBS (+6,4%) zu, nachdem die Papiere schon am Vortag nach Quartalszahlen gesucht waren. Aber auch Julius Bär (+6,3%), CS (+6,0%) und Partners Group (+3,8%) waren gefragt. Das galt auch für den Bankensoftwareanbieter Temenos (+4,3%).

Eine grosse Nachfrage gab es in diesem optimistischen Umfeld auch für Zykliker. Adecco stiegen um 4,5 Prozent, LafargeHolcim um 3,6 Prozent. Letzterer wird am Donnerstag über das erste Quartal berichten.

Ebenso steht am Donnerstag unter anderem der Quartalsbericht von Clariant (+3,3%) auf dem Programm, die sich ebenfalls bei den grössten Gewinnern einreihten.

ABB (+2,5%) setzten ihren guten Lauf vom Vortag fort, nachdem der Industriekonzern mit seinen Zahlen auf ein positives Echo gestossen war.

Um mehr als 2 Prozent verteuerten sich ausserdem Swatch, Swiss Life, Kühne+Nagel sowie Swiss Re.

Zurückgebunden wurde der Markt hingegen von den Schwergewichten. Roche büssten als Tagesverlierer 3,1 Prozent ein, Novartis 2,0 Prozent und Nestlé 1,1 Prozent. Sie drückten den SMI zusammen um weit mehr als 100 Punkte nach unten. Zum Teil war von Gewinnmitnahmen die Rede. Dies galt insbesondere für Roche, nachdem die Genussscheine zuletzt Rekordmarken gesetzt hatten.

Zu den Verlierern zählten mit Alcon (-0,6%) und vor allem Sonova (-2,0%) weitere Titel aus dem defensiven Gesundheitssektor. Letztere litten zudem unter enttäuschenden Resultaten des dänischen Konkurrenten GN.

Moderate Verluste erlitten ausserdem noch Geberit, Swisscom, Givaudan und Lonza, wobei sich die Einbussen mit weniger als 1 Prozent aber in Grenzen hielten.

Grössere Kursbewegungen waren auch im breiten Markt zu sehen. So legte EFG um 2,8 Prozent zu. Insgesamt scheine die Gesellschaft in der Coronakrise mit einem „blauen Auge“ davongekommen sein, hiess es in einem Analystenkommentar.

Gesucht waren auch Autoneum (+11%). Langsam zeichneten sich für den in der Coronakrise arg gebeutelten Automobil-Zulieferer erste Silberstreifen am Horizont ab, hiess es dazu. Konkret kündigte der wichtige Kunde Ford an, am 4. Mai die Produktion in Europa wieder aufzunehmen. (awp/mc/pg)

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