CH-Schluss: Gewinnmitnahmen – EZB-Effekt schnell verpufft

Boerse

Zürich – Am Schweizer Aktienmarkt ist es am Donnerstag auf breiter Front zu Gewinnmitnahmen gekommen. Nach dem zuletzt starken Lauf, bei dem der Leitindex SMI zuletzt die „Schallmauer“ von 10’000 Punkten wieder erobert hatte, war Händlern zufolge eine Korrektur nur eine Frage der Zeit. Die neuerliche Liquiditätsschwemme der EZB gab nur sehr vorübergehend etwas Auftrieb.

Angesichts des Konjunktureinbruchs im Zuge der Coronapandemie weitet die EZB ihr Notfallprogramm kräftig aus und erhöht das Volumen ihrer dafür eingesetzten Anleihekäufe von bislang 750 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro. Doch die Reichweite der Geldpolitik auf die Finanzmärkte sei anscheinend begrenzt, erklärten Marktbeobachter. Die wirklich wichtige Arbeit werde derzeit in den Krankenhäusern und Forschungslaboren geleistet.

Der Swiss Market Index büsste am Berichtstag 1,06 Prozent auf 10’075,68 Punkte ein. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die defensiven Schwergewichte nicht mit ihrem ganzen Gewicht enthalten sind, fiel um 0,90 Prozent auf 1’515,43 Zähler und der breite SPI um 0,97 Prozent auf 12’462,10 Punkte. Im SLI kamen auf 6 Gewinner 24 Verlierer.

Abgaben gingen auf zuletzt gut gelaufene Finanzwerte wie Julius Bär (-2,8%), UBS (-1,5%) oder Credit Suisse (-1,1%). Swiss Life und Partners Group schnitten mit jeweils minus 0,8 Prozent etwas besser ab. Der Spezialist für Privatanlagen hatte angesichts der Coronavirus-Pandemie ausserfahrplanmässig einen Zwischenbericht für die ersten vier Monate publiziert.

Auf den Verkaufszetteln standen auch Zykliker wie SGS (-1,7%), Adecco (-1,5%) und Sika (-1,0%). Die sich zuspitzende politische Krise rund um den wichtigen Absatzmarkt Hongkong belastete die Papiere der Uhrenhersteller Swatch (-1,1%) und Richemont (-0,6%).

Gewinne wurden auch bei verschiedenen Gesundheitswerten wie Lonza (-2,0%), Roche (-1,9%), Alcon (-1,6%) oder Novartis (-0,9%) eingestrichen. Nestlé (-1,1%) wurden indirekt von einer Verkaufsempfehlung der Credit Suisse für die Aktien der Konkurrentin L’Oréal belastet.

Die Aktien von Vifor Pharma (-0,1%) hielten sich deutlich besser. Die Meldung, wonach die französische Grossbank BNP Paribas und der Vermögensverwalter Blackrock ihre Beteiligung aufgestockt haben, lockte Trittbrettfahrer an, hiess es in Händlerkreisen.

Technologiewerte waren vor allem im späten Handel gesucht: AMS zogen um 0,6 Prozent an und Logitech um 1,4 Prozent. Die anderen Gewinner waren quer durch alle Branchen zu finden: Swisscom stiegen um 0,8 Prozent, Swiss Re um 0,5 Prozent und Clariant und Schindler um jeweils 0,3 Prozent.

LafargeHolcim gaben „nur“ 0,2 Prozent nach. Die Papiere profitierten von ermutigenden Aussagen des Mitbewerbers HeidelbergCement zur Absatzsituation in Indien.

Im breiten Markt sprangen Obseva um 14,5 Prozent in die Höhe. Das Biotechnikunternehmen hat in einer Pilotstudie mit dem Medikament Linzagolix in einer neuen Anwendung vielversprechende Resultate erzielt. Seit Jahresbeginn resultiert damit ein Anstieg von fast 40 Prozent, trotz des Einbruchs im Februar und März. Allein seit dem Jahrestief von Mitte März hat sich der Wert des Unternehmens mehr als verdreifacht.

Noch massiver waren die Avancen von Kudelski (+15,5%). Hier sorgte Microsoft für Phantasie, nachdem das Westschweizer Unternehmen den Ausbau des Geschäfts mit dem US-Giganten angekündigt hatte. „Es reicht, dass dieser Name auftaucht, damit die Investoren zugreifen“, meinte ein Händler. Dabei sei es sehr schwierig, dieses Geschäft zu quantifizieren. (awp/mc/ps)

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