CH-Schluss: SMI verliert 0,9% auf 8682 Punkte

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat nach einem weiteren turbulenten Handelstag mit deutlichen Verlusten geschlossen. Nach einem bereits volatilen Start in die Sitzung, mit allerdings mehrheitlich positiven Notierungen, rutschte der SMI kurz nach Mittag um über 100 Punkte ab. Parallel zu den ebenfalls ohne klare Richtung eröffnenden US-Börsen machte der Leitindex dann am Nachmittag innert kurzer Zeit weitere Sprünge in ähnlicher Grössenordnung.

Die derzeitige Hektik an den Märkten wurde damit zum Wochenschluss noch einmal gut wiedergegeben. Entsprechend notierte auch der als Angstbarometer bekannte Volatilitätsindex VSMI zuletzt bei über 26 Punkten, was gegenüber Ende Januar in etwa einer Verdoppelung entspricht.

Derzeit streiten sich die Experten in Bezug auf die Einschätzung der Lage: Der Einbruch der Aktien sei nur eine längst überfällige Korrektur auf hohem Niveau und die Situation werde sich bald wieder stabilisieren, heisst es auf der einen Seite. Die anziehende Inflation und die steigenden Zinsen dürften die Dividendenpapiere noch länger und heftiger unter Druck setzen, meinen die pessimistischeren Akteure. Einigkeit scheint bis zu einem gewissen Grad immerhin darüber zu herrschen, dass die Volatilität kurzfristig hoch bleiben wird.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,93% tiefer bei 8’682,0 Punkten. Im Wochenvergleich ergab sich damit ein Minus von 5,8%, dies nach einem Verlust von 3,1% in der Vorwoche. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) fiel um 1,0% auf 1’422,07 Punkte zurück und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,96% auf 10’007,05 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln haben 27 nachgegeben und 3 zugelegt.

Die Banken, welche mit dem Kauf und Verkauf von Wertpapieren Geld verdienen, tendierten wenig überraschend mehrheitlich zu einer positiveren Sicht. Die gute Nachricht sei, dass die Aussichten für die Wirtschaft grundsätzlich weiterhin positiv seien, hiess es etwa in einem Kommentar der UBS. Die Bank geht davon aus, dass langfristig orientierte Investoren die Schwäche der Aktien für einen Einstieg nutzen. Auch die Bank Lombard Odier nimmt an, dass die aktuelle Episode nur von kurzer Dauer sein wird und Raiffeisen Schweiz sieht die Korrektur als willkommene Verschnaufpause und nicht als Beginn eines Bärenmarktes.

Die grössten Verluste erlitten bis zum Schluss Aryzta (-4,4%). Diese wurden nebst der allgemeinen Ausverkaufsstimmung von Spekulationen um eine mögliche Kapitalerhöhung belastet, hiess es in Börsenkreisen.

Dahinter büssten auch Swatch (-2,1%), Logitech (-2,2%) und Lonza (-2,6%) deutlicher an Terrain ein. Bei Lonza hätten sich Momentum-Investoren nach der Margenenttäuschung bei Capsugel zurückgezogen, lauteten Marktspekulationen.

Ebenfalls klar unter Druck standen Titel wie Schindler (-1,9%) oder UBS (-1,6%). Von den übrigen Finanzwerten verloren Julius Bär (-1,3%), Swiss Life (-1,2%) und Partners Group (-1,5%) mehr als etwa CS (-0,7%) oder Swiss Re (+0,2%), welche gar wie am Vortag zu den wenigen Aktien mit positivem Vorzeichen gehörten. Der Rückversicherer führt derzeit Gespräche über einen möglichen Eintritt des japanischen Technologiekonzerns Softbank als Grossaktionär.

ABB, welche am Vortag nach Zahlen noch um knapp 7% eingebrochen waren, fielen um weitere 1,6% zurück. Während einige Banken ihre Kursziele für den Titel etwas zurückgenommen haben, hat S&P Global das Rating für den Titel auf «Buy» erhöht.

Während sich Novartis (-1,0%) in etwa mit dem Markt bewegten, hielten sich Roche (-0,7%) und vor allem Nestlé (-0,5%) etwas besser. Bei Nestlé sorgen Aussagen des L’Oréal-Chefs Jean-Paul Agon für Aufmerksamkeit. Agon hat erklärt, für einen allfälligen Kauf eigener Aktien bereit zu stehen, sollte Nestlé das 23%-schwere Aktienpaket verkaufen. Nestlé selber hatte allerdings stets beteuert, an den L’Oréal-Aktien festzuhalten.

Die einzigen Gewinner waren Sonova (+0,8%), Dufry (+0,3%) und die bereits erwähnten Swiss Re.

Im breiten Markt profitierten Ems-Chemie (+1,9%) und die PS der Graubündner KB (+1,7%) jeweils von starken Zahlen, Mobimo (-1,8%) konnten dagegen diesbezüglich nicht überzeugen und fielen zurück.  (awp/mc/pg)

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