CH-Schluss: SMI schliesst nach EZB-Entscheiden im Plus

CH-Schluss: SMI schliesst nach EZB-Entscheiden im Plus

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag im Plus geschlossen. Geprägt wurde der Handelstag von der Europäischen Zentralbank (EZB): Im Vorfeld des Zinsentscheides vom frühen Nachmittag hielten sich die Investoren zurück, und die Schweizer Indices tendierten seitwärts; nach der Veröffentlichung der überraschenden Beschlüsse zogen die Kurse spürbar an. Gut kamen an den Finanzmärkten ausserdem einige der neusten Konjunkturdaten aus den USA an.

Die EZB griff nach ihrer grossen Lockerungsrunde vom Sommer abermals tief in ihre Instrumentenkiste. Sie senkte zum einem ihre Leitzinsen auf neue historische Tiefstände. Zudem gab EZB-Chef Mario Draghi bekannt, sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) und Pfandbriefe aufkaufen zu wollen. Darüber hinaus liess der EZB-Chef die Tür für weitere Schritte offen: Der geldpolitische Rat sei sich nach wie vor einig, gegebenenfalls weitere unkonventionelle Instrumente zu verwenden. Dazu zählen auch breitangelegte Käufe anderer Wertpapiere wie Staatsanleihen – also sogenanntes Quantitative Easing.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss um 0,35% höher bei 8’834,75 Punkten, vorübergehend hatte er sogar ein neues Jahreshoch von 8’855,66 markiert. Der gekappte Swiss Leader Index (SLI) legte um 0,37% auf 1’325,16 Zähler zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,30% auf 8’718,80 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen 21 im Plus, sechs im Minus und drei (Adecco, Nestlé, Swatch) unverändert. Auch die wichtigsten anderen europäischen Börsen schlossen mit einem Plus, wobei in Frankfurt (Dax) und Paris (CAC 40) die Gewinne höher waren als in Zürich.

Als Tagesgewinner unter den Schweizer Blue Chips gingen Transocean (+1,9%) aus dem Handel. Die Aktie zog knapp eine Stunde vor Schluss an, nachdem Meldungen über ein positives Gerichtsurteil in den USA die Runde machten. Ein Richter in New Orleans soll demnach festgestellt haben, dass Transocean nicht im gleichen Ausmass für die Ölkatastrophe von 2010 im Golf von Mexiko verantwortlich war wie BP.

Auch Dufry (+1,4%) schlossen deutlich im Plus, nachdem die Titel am Vortag wegen Umschichtungsoperationen von institutionellen Anlegern unter die Räder gekommen waren.

Grosse Gewinne verzeichneten ausserdem Finanztitel, die nach den EZB-Entscheiden von noch billigerem Geld profitieren könnten. So legten UBS um 1,2% zu, Bâloise, Credit Suisse und Swiss Re um je 0,7%.

Gewinne verzeichneten ausserdem konjunktursensitive Titel wie Holcim (+1,1%) und ABB (+0,7%).

Unter den Index-Schwergewichten stützten Novartis (+0,7%) den SMI. Der Titel profitiere weiterhin von den starken Detaildaten zum Herzmedikament LCZ696, die am letzten Wochenende vorgestellt wurden, hiess es im Handel. Exane BNP bezifferte das Umsatzpotenzial des Produktkandidaten auf bis zu 8 Mrd USD. Die ZKB bezeichnet zudem in einer Studie einen LCZ696-Umsatz von gut 10 Mrd CHF im Jahr 2020 als „realistisch“. Die Konsensusschätzungen lauten derzeit auf einen Umsatz von vergleichsweise bescheidenen 4 Mrd CHF. Diese Woche hat der Novartis-Titel bisher um rund 5% zugelegt.

Die beiden anderen (defensiven) Schwergewichte hinkten dem Markt etwas nach: Roche schlossen 0,1% höher, Nestlé unverändert. Roche überraschte am Berichtstag mit der Ankündigung des sofortigen Rücktritts von Verwaltungsrat Arthur Levinson. Begründet wurde der Schritt mit einem möglichen Interessenskonflikt, da Levinson seit 2013 auch CEO des US-Unternehmens Calico ist, das die biologischen Mechanismen der Alterung untersucht und Therapien gegen altersbedingte Erkrankungen entwickelt.

Zu den wenigen Verlierern im Feld der Blue Chips gehörten einige der Vortagesfavoriten, insbesondere Lonza (-1,6%). Auch SGS und Syngenta (je -0,8%) verzeichneten deutliche Einbussen.

Im breiten Markt verloren die Aktien des Batterie-Herstellers Leclanché nach Angaben zum ersten Halbjahr um 26% etwas mehr als die Vortagesgewinne. Die Spekulationen auf einen „Befreiungsschlag“ seien nicht erfüllt worden, hiess es unter Marktbeobachtern. Auf der anderen Seite legten Alpha Petrovision um 8,3%, GAM um 7,0% und Repower um 5,9% zu. (awp/mc/upd/ps)

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