CH-Schluss: SMI bleibt mit Corona-Sorgen unter Druck

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat zur Wochenmitte etwas an Boden verloren und damit die jüngste Konsolidierung fortgesetzt. Mit Blick auf die in zahlreichen Ländern steigenden Zahlen zu den Corona-Neuinfektionen wurden vor allem konjunkturabhängige Papiere und Finanzaktien abgestossen. Die Anleger hätten aus Sorge vor einer zweiten Infektionswelle zuletzt erzielte Kursgewinne ins Trockene gebracht, hiess es im Markt.

Mit den steigenden Corona-Fallzahlen rückten an der Börse verstärkt wieder Konjunktursorgen in den Vordergrund. Besonders die Entwicklung in den USA verunsichert die Anleger: Da bewegen sich die Corona-Neuansteckungen mit rund 60’000 Neuansteckungen pro Tag auf Rekordniveau. Das hat bereits die US-Notenbank Fed auf den Plan gerufen: Die Präsidentin der Fed in Cleveland stellte weitere Hilfsmassnahmen zur Stützung der US-Wirtschaft in Aussicht.

Zum Börsenschluss fiel der SMI um 0,29 Prozent auf 10’178,41 Punkte zurück. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor 0,38 Prozent auf 1’533,40 Punkte und der breite SPI 0,19 Prozent auf 12’601,98 Zähler. Dabei standen zwanzig Verlierer zehn Gewinnern gegenüber.

Die deutlichsten Abgaben unter den Blue Chips verbuchten am Mittwoch die Titel des Sensorenherstellers AMS (-3,4%), gefolgt von Vifor Pharma (-2,4%). Der neue Vifor-Chef Stefan Schulze sieht das Unternehmen vor Corona-bedingten Umsatzausfällen nicht gefeit. Dem werde man mit Kostensenkungen entgegentreten, sagte Schulze im AWP-Interview.

Auf der Verkaufsliste standen auch zyklische Papiere wie jene des Personaldienstleisters Adecco (-2,3%) oder der Luxusgütergruppen Swatch (-1,6%) und Richemont (-1,5%). Richemont wird kommende Woche Umsatzangaben zum verheerenden „Corona-Quartal“, also für die Monate April bis Juni, vorlegen. Bei Swatch bleibt es wie immer ein Geheimnis, an welchem Tag der Halbjahresbericht publiziert wird.

Kursverluste mussten am Berichtstag auch einige Finanztitel hinnehmen: Swiss Life gaben um 1,4 Prozent nach, Swiss Re um 1,1 Prozent, und die Grossbanken UBS und Credit Suisse fanden sich mit Einbussen von 0,8 und 0,7 Prozent im Mittelfeld des SLI. Demgegenüber rückten Julius Bär gegen den Trend um 0,9 Prozent vor, und das Bankensoftwareunternehmen Temenos gewann mit einem neuen Auftrag aus Vietnam ebenso viel dazu.

Zuoberst in der Blue-Chips-Tabelle standen am Ende aber erneut die Partizipationsscheine von Schindler mit +1,5 Prozent. Sie knüpften an den starken Vortag an, als sich mehrere Analysten positiv zum Rolltreppen- und Lift-Hersteller geäussert hatten. Kursgewinne verbuchten auch ABB (+0,6%) oder Lonza (+0,4%).

Die Schwergewichte gingen derweil uneinheitlich aus dem Handel. Nestlé rückten um 0,7 Prozent vor und boten dem Gesamtmarkt eine willkommene Stütze. Nicht so die Papiere der Pharmakonzerne Novartis und Roche, die 0,7 beziehungsweise 0,2 tiefer schlossen.

Im breiten Markt rutschten Kardex nach einer Gewinnwarnung um 5,4 Prozent ab, zeitweise hatte die Aktie gar mehr als 10 Prozent verloren. Im ersten Halbjahr brachen Auftragseingang und Umsatz ein. Unsicher bleibt, ab wann mit einer nachhaltigen Erholung zu rechnen ist.

Dufry verbilligten sich um 5,4 Prozent. Damit geht die Achterbahn an der Börse für den gebeutelten Reisedetailhändler weiter. Auf die starke Kurserholung im Juni folgen nun wieder Abgaben.

Das Gegenstück bildeten am Mittwoch die Papiere von Molecular Partners (+25%), die sich vom Kurseinbruch von Ende Juni erholten. Damals hatte die Biotechfirma bekanntgemacht, dass es in den USA im Zulassungsprozedere um den Hoffnungsträger Abicipar einen Rückschlag gegeben hat.

Die Aktien der finanziell angeschlagenen MCH Group rückten um 2,9 Prozent vor. Die Bestätigung am Mittwochnachtmittag, dass mit der Familie Murdoch Verhandlungen zu einem möglichen finanziellen Engagement geführt würden, gab der Aktie Auftrieb. (awp/mc/pg)

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