CH-Schluss: SMI fällt mit Corona- und Handelssorgen zurück

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag an Terrain eingebüsst. Zunehmende Sorgen rund um die Corona-Pandemie sowie vor einem erneuten Ausbruch des Handelsstreits zwischen den USA und China lösten vor allem bei Zyklikern und defensiven Schwergewichten Gewinnmitnahmen aus. Demgegenüber rückten Finanzwerte vor. Sie profitierten von besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen grosser US-Banken.

Die negativen Tendenzen hatten sich bereits am Vortag an den US-Märkten abgezeichnet. Sorgen bereiten den Anlegern die steigenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen in den USA. Der US-Bundesstaat Kalifornien hatte deswegen gar gelockerte Beschränkungen wieder eingeführt. Zudem wuchs die Vorsicht der Anleger mit Blick auf die neu aufflammenden Spannungen zwischen den USA und China. Gestritten wird um Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer.

Bis Börsenschluss fiel der SMI um 0,40 Prozent auf 10’259,50 Punkte zurück. Damit konnte der Leitindex die grösseren Verluste aus dem frühen Geschäft deutlich eingrenzen. Das Tagestief wurde bei 10’118 Stellen gesetzt. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, sank bis Handelsende um 0,29 Prozent auf 1’550,71 und der breite SPI um 0,56 Prozent auf 12’686,64 Zähler. Dabei standen den 14 Gewinnern im SLI 16 Verlierer gegenüber.

Im Fokus standen bei den Schweizer Blue Chips die Aktien des Uhrenkonzerns Swatch. Trotz einem Umsatzeinbruch und tiefroten Zahlen in der ersten Jahreshälfte rückten die Titel um 0,5 Prozent vor. Die Börse hatte die schwachen Zahlen weitestgehend vorweg genommen. Zudem bekräftigte Konzernchef Nick Hayek die Erwartung auf eine starke Erholung in der zweiten Jahreshälfte.

Die Aktien des Rivalen Richemont konnten von den optimistischen Tönen Hayeks nicht profitieren und büssten 1,1 Prozent ein. Die Genfer werden am Donnerstag über den Geschäftsgang informieren. Auch hier wird mit einem einschneidenden Umsatzrückgang gerechnet. Schliesslich belasteten Corona-bedingte Reisebeschränkungen und Ladenschliessungen das Geschäft der Schmuck- und Uhrenhersteller stark.

Auf dem Vormarsch waren Finanzwerte, wobei Versicherer wie Swiss Life und Swiss Re (je +1,7%) die Banken Credit Suisse (+1,2%), UBS (+1,3%) und Julius Bär (+1,5%) bis zum Schluss überholten. Der Sektor profitierte von Zahlen der US-Konkurrenten JPMorgan und Citigroup. Diese waren im zweiten Quartal weniger schlecht als befürchtet ausgefallen.

Zu den grössten Gewinnern gehört auch die Zurich-Aktie (+1,0%). Verwaltungsratspräsident Michel Liès erklärte in einem Interview mit der „Finanz und Wirtschaft“, dass die hohen Dividendenausschüttungen durch Corona nicht in Gefahr geraten und die Finanzziele nicht infrage gestellt werden.

LafargeHolcim nahmen im Handelsverlauf an Fahrt auf und gewannen 0,6 Prozent. Konkurrent Heidelbergcement überraschte die Anleger mit über Erwarten guten Zahlen zum zweiten Quartal.

Insgesamt war der Handel jedoch von Gewinnmitnahmen geprägt. Nach den jüngsten Kursanstiegen und zu Beginn der Bilanzsaison würden die Anleger Gewinne ins Trockene bringen, sagten Händler. Das war etwa bei den Schwergewichten Roche (-1,6%), Novartis (-0,8%) und Nestlé (-0,6%) zu sehen, deren Abgaben stark auf dem SMI lasteten.

Die prozentual grössten Kursverluste verzeichneten im SLI die Titel von Logitech (-4,0%). Der Computerzubehörhersteller gehört zu den Gewinnern der Krise. Auch andere technologielastige Titel wie Temenos (-1,1%) büssten an Wert ein. Grössere Abgaben gab es überdies bei Aktien wie Vifor Pharma (-3,3%) oder Sonova (-1,9%).

Und auch Partners Group (-2,2%) verbilligten sich an der Börse. Der auf alternative Anlagen spezialisierte Asset Manager hat die verwalteten Vermögen im ersten Halbjahr trotz Coronakrise gesteigert, aber deutlich weniger stark als üblicherweise. Zudem fiel die Prognose für das Gesamtjahr wegen der Covid-19-Pandemie tiefer aus.

Am breiten Markt fielen Meyer Burger (-35%) negativ auf. Der Solarzulieferer hatte im Zusammenhang mit der geplanten Kapitalerhöhung Bezugsrechte ausgegeben, die nun bis zum 20. Juli gehandelt werden können.

Orascom gewannen dagegen 3,4 Prozent dazu. Der schwergewichtig in Ägypten tätige Immobilienentwickler sieht sich in einer guten Position, die aktuelle Covid-Krise unbeschadet zu überstehen. (awp/mc/ps)

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