CH-Schluss: SMI schliesst 1,9% tiefer bei 8450 Punkten

CH-Schluss: SMI schliesst 1,9% tiefer bei 8450 Punkten

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat – nach den erneuten Turbulenzen in China – am Donnerstag stark an Terrain eingebüsst. Die wichtigsten Indizes hatten bereits tiefrot eröffnet und zu Handelsbeginn noch weiter kräftig nachgegeben. Erst nach einer Stunde war eine gewisse Stabilisierung zu sehen, und der SMI konnte sich etwas vom Tagestief lösen. Mit einer nicht ganz so drastisch negativen Eröffnung der US-Börsen am Nachmittag konnten die europäischen Märkte die Verluste weiter eindämmen. Am Schluss blieb dennoch das dritte klare SMI-Minus innerhalb der ersten vier Handelstagen im neuen Jahr.

Das Volatilitätsbarometer VSMI, das am Donnerstag beinahe 12% zulegte, belegte eine extrem hohe Nervosität. Hintergrund der anhaltenden Turbulenzen in Fernost sind die Sorgen vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft. Nach einem erneuten Kurssturz an den Börsen wurde der Aktienhandel in China am Donnerstag bereits nach knapp 30 Minuten für den Rest des Tages ausgesetzt. Viele Marktteilnehmer befürchten, dass es um die Konjunktur im Reich der Mitte noch schlechter bestellt ist, als es jüngste Zahlen signalisierten. Die ersten Handelstage würden zudem bereits einen Vorgeschmack darauf geben, dass Ereignisse in China auch 2016 wiederholt zu erhöhter Volatilität an den globalen Finanzmärkten führen werden, so ein Marktbeobachter.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 1,90% tiefer auf 8’449,86 Punkte, das Tagestief lag gar gut 120 Punkte tiefer. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsste mit -2,04% auf 1’266,98 noch mehr ein, beim breiten Swiss Performance Index (SPI) waren es -1,90% auf 8’710,45 Punkte. Von den 30 SMI/SLI-Titeln gingen alle klar im Minus aus dem Handel.

Händler sprachen von einem veritablen Fehlstart der Aktienbörsen im neuen Jahr. Auf dem aktuellen Niveau verliert der SMI seit Jahresbeginn gut 4% bzw. beinahe 370 Punkte.

Die mit Abstand grössten Verlierer unter den Blue Chips waren am Donnerstag Galenica (-5,1%). Die Papiere des Berner Gesundheitskonzerns, der gegen Ende Jahr in zwei Teile aufgespalten werden soll, sind im Vorjahr einer der Börsen-Highflyer mit beinahe einer Verdoppelung ihres Wertes gewesen. Nun würden vermutlich einige Marktteilnehmer zu Gewinnmitnahmen schreiten, hiess es am Markt.

Ebenfalls stark unter Druck waren die Aktien des Backwaren-Herstellers Aryzta (-3,7%), die im Gegensatz zu Galenica im Vorjahr zu den schwächsten Papieren gehört hatten. Sie hatten sich allerdings nach einem Tief Ende September stark erholt.

Am Schluss der Tabelle präsentierten sich zudem die Finanzwerte UBS, CS (je -2,9%) und Julius Bär (-2,8%). Hier gibt es neben den allgemeinen Verkaufsargumenten auch Ängste und Spekulationen um grössere Kreditausfälle in China. Grosskunden würden sich bis zur Klärung der Lage zurückhalten, hiess es, da sich der Umfang der Kredit-Malaise in China noch verschlimmern könnte.

Daneben folgten Zykliker oder chinalastige Titel mit grösseren Abgaben wie etwa Adecco (-3,5%), Clariant (-3,2%), Kühne+Nagel (-2,6%) und Schindler (je -3,2%). Die Titel des Ölbohrkonzerns Transocean (-2,0%) standen anfangs vor allem wegen der Ölpreise, die auf neue langjährige Tiefstände fielen, stark unter Druck, konnten die Verluste jedoch ab dem Nachmittag noch stark eingrenzen. Die an der New Yorker Börse gehandelten Titel gaben nämlich deutlich weniger nach.

Zu den stabilsten Werten im aktuellen Umfeld gehörten die defensiven Roche (-0,7%). Die anderen beiden SMI-Schwergewichte Nestlé (-2,3%) und Novartis (-1,9%) hielten sich dagegen nicht besser als der Gesamtmarkt. Neben Roche ging es ausserdem noch einigermassen «gesittet» bei Sika und Swisscom (-0,7%) zu.

Im breiten Markt gehörten Temenos (-5,6%) mit zu den schwächsten Werten. Hier wirkte sich offenbar eine Analysteneinstufung der UBS, die ihr Anlagerating für den Titel auf «Verkaufen» gesenkt hat, negativ aus. Die Risiken würden sich zu wenig im Kurs widerspiegeln, so der zuständige Analyst.

Weiter unter Druck waren auch Leonteq (-4,7%). Die Aktien des früheren Börsen-Highflyers sind bei den Anlegern seit einiger Zeit nicht mehr hoch im Kurs, so dass sich deren Wert seit dem Sommer schon fast halbiert hat.

Im schwierigen Umfeld gab es dagegen nur wenige Gewinner: Deutlich zulegen konnten etwa Intersport (+3,1%), Peach Property (+2,6%) oder Emmi (+2,6%). (awp/mc/upd/pg)

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