CH-Schluss: Stillhalten vor US-Zinsentscheid

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt rührte sich am Montag in einem über weite Strecken impulslosen Handel praktisch nicht von der Stelle. Am Morgen sah es nach positiven Vorgaben aus Übersee zunächst aber so aus, als wenn der Leitindex SMI zum Weihnachtsrally ansetzen würde. Die leichten Avancen waren allerdings schon recht bald verpufft. Insgesamt blieben marktbewegende Impulse während des gesamten Tages Mangelware. Am Nachmittag liess ein Bombenanschlag in Manhattan aufhorchen, ohne jedoch Spuren am Aktienmarkt zu hinterlassen. Ein teilweises recht zähes Geschäft sei es gewesen, fasste ein Händler zusammen.

Insgesamt wurde die Stimmung im Handel allerdings als positiv beschrieben, nachdem die Haushaltssperre in den USA vermieden wurde und die US-Steuerreform näher rückt. Vor dem US-Zinsentscheid am Mittwochabend würden die Anleger allerdings die Füsse still halten. Es gilt unter Ökonomen zwar als ausgemachte Sache, dass die dritte Zinserhöhung in diesem Jahr erfolgen wird. Im Fokus steht aber vor allem der Ausblick auf die weitere Zinsentwicklung. Für die Aktienkurse werde viel davon abhängen, ob die Notenbanker im kommenden Jahr drei oder vier Zinsschritte erwarten, hiess es.

Der Swiss Market Index (SMI) stand zum Handelsschluss 0,05% tiefer bei 9’314,76 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gab um ebenfalls 0,05% nach auf 1’499,53 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,14% auf 10’675,25. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 20 im Minus, sieben im Plus und drei unverändert.

Die grössten Einbussen erlitten unter den Blue Chips Dufry mit -3,1%. Um die Mittagszeit war der Titel des Reisedetailhändlers zeitweise um fast 6% zurückgefallen, nachdem gemäss Händleraussagen die Finanzstruktur der chinesischen HNA-Gruppe, die knapp 21% der Dufry-Aktien besitzt, von den Investoren angezweifelt worden sei. Auch die Anleihen des Flughafendienstleisters Swissport, den HNA vor gut zwei Jahren übernommen hat, waren unter Verkaufsdruck geraten.

Daneben hatten auch Sonova (-1,7%) einen schweren Stand. Kursrelevante News lagen zu dem Titel des Hörgeräteherstellers allerdings keine vor. Nach dem starken Lauf der Aktie im bisherigen Jahr würden Anleger ihre Gewinne ins Trockene bringen, wie ein Händler sagte.

Zu den grossen Verlierern gehören ausserdem Swisscom (-1,2%). Auch diese Aktie entwickelte sich die vergangenen Monate relativ stark. Zudem stufte die Citigroup den Telekomvalor auf „Neutral“ zurück. Damit trage man dem Preisdruck bei der italienischen Tochter Fastweb Rechnung, hiess es.

Mit SGS, ABB, LafargeHolcim (je -0,7%) und Geberit (-0,6%) standen auch klassische Zykliker unter Abgabedruck. Schwach schnitten zudem die Technologiewerte Logitech (-0,8%) ab. Hier habe einmal mehr die geplante US-Steuerreform ihre Schatten voraus geworfen, hiess es im Handel. Technologieunternehmen würden davon am wenigsten profitieren, da deren Steuersatz bereits tief sei.

Eine grosse Belastung waren die schwerkapitalisierten Nestlé mit -0,4%, die sich in der Vorwoche noch überdurchschnittlich entwickelt und ein neues Jahreshoch erklommen hatten.

Tagessieger waren Swatch (+3,6%), die von einer Rating-Erhöhung von „Underperform“ direkt auf „Outperform“ durch die Credit Suisse Rückenwind erhalten hatten. Die Anzeichen, dass sich die Schweizer Uhrenindustrie auf dem Erholungspfad befindet, würden sich verdichten, heisst es. Gerade Swatch als Spätzykliker mit einem hohen Anteil am Grosshandel dürften dann aufholen. Mit einem Plus von mehr als 3% gehörten die Uhrenwerte bereits in der vergangenen Woche zu den grossen Gewinnern. Richemont (+0,8%) konnten ebenfalls zulegen.

Zudem avancierten auch die Grossbankenwerte UBS (+1,2%) und CS (+0,1%), bei denen zuletzt aus verschiedenen Richtungen freundliche Impulse kamen. Dabei spielte der erste Durchbruch in den Brexit-Verhandlungen eine Rolle. Zudem fielen die Regulierungen durch die Basel-III-Reform weniger streng aus als befürchtet.

Am breiten Markt standen u.a. die Industriewerte Burckhardt Compression (-3,7%), die Techvaloren Temenos (-3,3%) oder die Anteilsscheine der Versandapotheke Zur Rose (-3,4%) unter Verkaufsdruck. Zulegen konnten dagegen Starrag (+4,4%), Cosmo (+3,7%) und Arbonia (+3,6%). (awp/mc/ps)

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