CH-Schluss: Kleines Plus – Kursrutsch am Nachmittag

CH-Schluss: Kleines Plus – Kursrutsch am Nachmittag

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag gut gehalten geschlossen. Dabei sind die Indizes trotz drei geldpolitischer Lockerungsrunden in der Eurozone, China und Grossbritannien am Nachmittag deutlich abgerutscht. EZB-Präsident Mario Draghi hatte jedoch den Hoffnungen auf eine weitere langfristige Geldspritze für die Banken vorerst eine Absage erteilt, erklärten Marktteilnehmer den Kursdreher in der zweiten Sitzungshälfte. Da die Zinssenkung in der Eurozone ohnehin schon eingepreist gewesen sei, sei es zu Gewinnmitnahmen gekommen. Ein skeptischer Konjunkturausblick von Draghi habe diese Bewegung verstärkt.

Ferner sorgten enttäuschende US-Daten für zusätzlichen Verkaufsdruck. In den USA hatte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor im Juni deutlich abgekühlt. Einzig vom US-Arbeitsmarkt sind positive Signale eingetroffen: So sind die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stärker als erwartet gesunken und gemäss ADP-Bericht hat die Beschäftigtenzahl des US-Privatsektors im Juni, entgegen den Erwartungen, stark zugenommen.

Das wichtigste Schweizer Börsenbarometer Swiss Market Index (SMI) schloss am Berichtstag 0,02% höher auf 6’202,32 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) sank um 0,11% auf 922,65, während der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,02% auf 5’758,66 Zähler zulegte.

Der Euro ist derweil massiv unter Druck geraten und zum US-Dollar auf den tiefsten Stand seit Anfang Juni abgerutscht. Parallel dazu sprang die US-Währung bis auf 0,9716 CHF hoch.

Die Bankaktien standen mit den Notenbankaktionen im Fokus der Anleger. Dabei gaben Credit Suisse (+0,1%) wie UBS (-0,3%) ihre Gewinne aus dem frühen Handel preis. Die Massnahmen der EZB hätten die Gemüter mit Blick auf die Eurokrise nicht zu beruhigen vermocht, hiess es im Handel. Die Notenbank könne aber auch nicht die erforderlichen Strukturreformen in den Euro-Staaten ersetzen.

Die Versicherer standen geschlossen im Minus. So büssten Zurich 0,2% und Swiss Re 1,0% ein. Die Papiere des Rückversicherers hätten sich zuletzt auf den höchsten Stand seit dem Spätherbst 2008 aufgeschwungen, sagten Händler. Zudem seien in der Branche die ersten Rückmeldungen von der Juli-Erneuerungsrunde enttäuschend ausgefallen.

Bei den konjunktursensitiven Aktien vermochten einzig Schindler (+2,0%), ABB (+0,6), SGS (+0,6%) und Clariant (+0,4%) ein Plus über den Tag zu retten. Die Titel haben gemäss Händlerkommentaren in den letzten Wochen stark gelitten und nun suchen Anleger vermehrt wieder den Einstieg.

Deutlich nach unten ging es mit Nobel Biocare (-2,9%). Die Titel des Dentalimplantat-Herstellers sind für die Analysten der Deutschen Bank derzeit noch immer zu teuer. Sie empfehlen die Papiere zum Verkauf. Unter Abgabedruck standen auch Logitech (-1,3%) und Adecco (-2,2%). Der Agrochemiekonzern Syngenta (-0,6%) wird in den nächsten zwölf Monaten in Argentinien nahezu 100 Mio USD in die Saatgutproduktion und -entwicklung stecken.

Die defensiven Nestlé (+0,3%), Novartis (+0,3%) und Roche (-0,2%) waren dem hiesigen Börsenplatz in der Summe eine kleine Stütze.

Positiv stachen im Pharmasektor Actelion mit einem Plus von 3,3% heraus. Beobachter verwiesen auf einen von Exane BNP Paribas organisierten Kongress. Dort habe Actelions Hoffnungsträger Macitentan positiv herausgeragt. Die wichtigsten Meinungsführer im Bereich pulmonale arterielle Hypertonie (PAH) hätten sich von den bisher publizierten Studienresultaten sehr überzeugt gezeigt – sie hätten die Erwartungen aller Experten übertroffen, hiess in einer Studie.

Am breiten Markt hat der weltgrösste Schokolade-Produzent Barry Callebaut (Aktie -2,0%) mit den Umsatz- und Volumenzahlen für die ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/12 zwar enttäuscht. Die starken Abschläge seien aber auch dadurch zu erklären, dass die Titel von der Bewertung her nicht unbedingt die Billigsten seien, so ein Händler.

Huber+Suhner avancierten um 4,5%. Das Unternehmen rechnet durch den Umbau der Mobilfunk-Netzwerke in Nordamerika mit zusätzlichem Geschäftspotenzial. Gategroup (-02.%) ist an zwei Flugküchen der Qantas Catering Group interessiert. Für die zu erwerbenden Beteiligungen sei mit einen Jahresumsatz von rund 50 Mio CHF zu rechnen.

Die Titel des Batterieherstellers Leclanché stiegen im Vorfeld des morgigen Investoren-Tags um 8,9%. (awp/mc/upd/ps)

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