CH-Verlauf: SMI deutlich im Minus – ABB belasten
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt ist im Verlauf des Donnerstagvormittags noch etwas tiefer ins Minus gerutscht. Der Leitindex SMI fiel dabei zeitweise unter die Marke von 14’200 Punkten. Auch an anderen europäischen Börsen geht es leicht bergab. Ein Grund dafür dürfte sein, dass auch die vorbörslichen Indikatoren für die Wall Street einen verhaltenen Start anzeigen. «Derzeit fehlt es an Treibern für eine positive Entwicklung», meint ein Marktteilnehmer.
Dies gilt umso mehr, weil sich die Lage im Nahen Osten weiter zugespitzt hat. US-Medien berichteten unter Berufung auf US-Beamte, dass US-Präsident Donald Trump zu einer Ausweitung des militärischen Vorgehens gegen den Iran tendiere, aber noch keine endgültige Entscheidung über die nächsten Schritte getroffen habe. Optionen sind demnach, die Luftangriffe auszuweiten, Bodentruppen zur Eroberung iranischer Inseln nahe der Strasse von Hormus einzusetzen sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als «Pickaxe Mountain» bekannt ist. Beim Ölpreis hält sich der Effekt bislang in Grenzen, er notiert weiter um die 85 Dollar pro Fass.
Zudem ist das Zollthema zurück. Die US-Regierung will diverse Importgüter aus Brasilien mit einem Zollsatz in Höhe von 25 Prozent belegen. Vorangegangen sei eine Untersuchung, die eine Vielzahl von unfairen Handelspraktiken offenbart habe, hiess es zur Begründung. Fällig werden die Zölle bereits ab Mittwoch nächster Woche.
Am Nachmittag werden in den USA ausserdem noch ein Reihe zweitrangiger Konjunkturdaten veröffentlicht.
Der Leitindex SMI sinkt um 11.05 Uhr um 0,72 Prozent auf 14’204,78 Punkte, das Tagestief liegt bei 12’181 Stellen. Der SMIM notiert derweil 0,32 Prozent tiefer bei 3105,43 und der breite SPI 0,66 Prozent tiefer bei 19’977,19 Punkten. Der deutsche Dax gibt gleichzeitig 0,29 Prozent nach, der französische CAC 40 0,39 Prozent.
Ein Belastungsfaktor für den SMI ist, dass die beiden Firmen mit Zahlen und Neuigkeiten die Investoren enttäuscht haben. Partners Group (-4,4%) und ABB (-3,1%) führen die Verliererliste bei den Blue Chips an.
Bei ABB haben die am Morgen vorgelegten Zahlen zum zweiten Quartal zwar insbesondere beim Auftragseingang die Erwartungen klar übertroffen. Allerdings wird die gleichzeitig angekündigte Milliardenübernahme in Grossbritannien von einigen Analysten als teuer bewertet. Der Preis sei «stolz».
Bei der Partners Group wurden die ersten Angaben zum Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr zwar grundsätzlich als zufriedenstellend gewertet. Einige Analysten betonen aber, dass der Vertrauensverlust nach wie vor tief sitze. «Partners Group hätte viel bessere Zahlen präsentieren müssen, um aus dem Tal der Tränen zu kommen», so ein Börsianer.
Dahinter erleiden noch UBS (-1,3%) und Lonza (-1,2%) Verluste von mehr als 1 Prozent.
Die drei Schwergewichte haben sich mit Einbussen von 0,2 Prozent (Novartis) bis 0,8 Prozent (Nestlé) im Mittelfeld eingereiht.
Die wenigen Gewinner sind Amrize (+1,0%), Richemont (+0,7%), Alcon (+0,4%) und Geberit (+0,1%). Richemont setzen damit den Höhenflug vom Vortag fort, als das Unternehmen mit sehr guten Zahlen überrascht hatte. Nun folgen diverse positive Analystenkommentare.
Autoneum geben nach
Am breiten Markt fallen Autoneum mit Abgaben von 5,4 Prozent negativ auf. Der zuständige Analyst der UBS hat das Kursziel markant reduziert und begründet dies mit der schwachen Nachfrage im Automobilsektor. Auch Aryzta (-3,3%) bekommen einen negativen Kommentar aus dem Hause UBS zu spüren.
Auf der anderen Seite ziehen Mobilezone (+5,3%) markant an. Der Grund dürfte sein, dass der zuständige ZKB-Analyst den Scheinwerfer auf das wenig beachtete Papier gerichtet hat. Die Bewertung sei moderat und die Dividendenrendite mit gut 6 Prozent sehr hoch, meint er. (awp/mc/ps)