CH-Schluss: Verunsicherte Anleger nehmen Gewinne mit

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat nach dem jüngsten Rekordhoch am Montag den Rückwärtsgang eingelegt und schwächer geschlossen. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen auf hohem Niveau, weil die Anleger fürchteten, dass die Konjunktur ihren Zenit bereits überschritten haben könnte. Verstärkt wurden die die Ängste noch von dem unerwartet gesunkenen deutschen Ifo-Index und dem Rückschlag im Geschäft mit US-Einfamilienhäusern sowie den steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus. Da im Laufe der Woche eine Reihe weiterer Konjunkturzahlen und am Mittwoch die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed veröffentlicht werden, hätten sich Anleger sehr vorsichtig verhalten, hiess es am Markt. Fed-Chef Jerome Powell dürfte seine jüngsten Aussagen bekräftigen, gleichzeitig aber klarmachen, dass ein allmählicher Kurswechsel auf dem Plan steht.

Zudem sorgten sich die Marktteilnehmer auch über die jüngste Entwicklung in China. Gemäss einer vom chinesischen Staatsrat am Samstag veröffentlichten Mitteilung könnte das Land massive Einschränkungen für den privaten Bildungssektor verhängen. Darauf brachen Aktien an der Schanghaier Börse deutlich ein. Dabei dürfte auch der China-Besuch der stellvertretenden US-Aussenministerin Wendy Sherman noch Aufmerksamkeit auf sich ziehen, zumal das Verhältnis der beiden Staaten angespannt ist.

Der SMI schloss um 0,67 Prozent tiefer auf 12’049,63 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, büsste 0,52 Prozent auf 1959,82 und der umfassende SPI 0,59 Prozent auf 15’505,38 Zähler ein. Gewinner und Verlierer hielten sich in etwa die Waage.

Die grössten Abgaben verbuchten die Partizipationsscheine von Schindler (-3,6%) und Titel von Lonza (-2,8%). Dabei hatten beide Unternehmen in der Vorwoche gute Ergebnisse vermeldet, was deren Aktien am Freitag auf neue Höchststände gehoben hatte. Angesichts der Unsicherheiten und der hohen Kurse seien Gewinnmitnahmen wenig erstaunlich, hiess es am Markt.

Dahinter folgte eine Reihe von Aktien aus dem defensiven Lager. Dazu zählten Medizintechnikwerte wie Alcon (-1,9%), Straumann (-1,4%) und Sonova (-1,3%). Aber auch die Pharmaschwergewichte Roche (-0,8%) und Novartis (-1,3%) sowie der Aromenhersteller Givaudan (-1,4%) mussten Boden preisgeben.

Belastet wurde der Gesamtmarkt ausserdem vom Schwergewicht Nestlé (-1,2%). Der Nahrungsmittelmulti wird am Donnerstag seine Zahlen vorlegen.

Auf der anderen Seite führte der Bank-Softwarehersteller Temenos (+2,8% auf 143,30 Fr.) die Gewinner an. Das Genfer Unternehmen habe sich auf einer Investorenkonferenz von Stifel erfolgreich präsentiert, so ein Händler. Der Broker bestätigte zudem die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 180 Franken.

Gefragt waren zudem die Banken CS (+1,8%) und UBS (+1,6%), die den Positivtrend vom Freitag fortsetzten. Die Versicherer Swiss Re (+0,6%), Zurich (+0,5%) und Swiss Life (+0,8%) zogen ebenfalls an. Bei den zyklischen Firmen erfreuten sich Adecco (+1,0%), Swatch (+0,8%) und Richemont (+0,9%) reger Nachfrage.

ABB gewannen 0,1 Prozent. Der Technologiekonzern verkauft die Sparte Mechanical Power Transmission «Dodge» für 2,9 Milliarden US-Dollar in bar an die amerikanische RBC Bearings. Der Verkauf war sei vor längerer Zeit in Aussicht gestellt worden und damit wohl auch schon eingepreist gewesen, sagte ein Händler.

Am breiten Markt brachen Meyer Burger (-7,0%) nach dem Ende der Kooperation mit Oxford PV ein. Abwärts ging es auch für Cassiopea (-4,6%), nachdem das Biotechunternehmen für seine Akne-Creme einen Vertriebspartner in den USA gefunden hat.

Der Maschinenbauer Bobst büsste ebenfalls Terrain ein (-2,0%). Das Halbjahresergebnis sei zum Teil schlechter als erwartet ausgefallen, hiess es. Daher gingen die in der Vorwoche gewährten Vorschusslorbeeren wieder verloren.

Dem standen Gewinne von 5,3 Prozent bei Lalique und von 1,3 Prozent bei Tecan gegenüber. (awp/mc/pg)

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