CH-Schluss: SMI verliert 1,5% auf 8414 Punkte

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag erneut deutlich im Minus geschlossen. Die Zinspolitik der US-Notenbank Fed hat den Anlegern gründlich die Kauflaune verdorben. Der etwas straffere Kurs der Fed könnte die Weltwirtschaft deutlicher abkühlen als befürchtet, sagten Börsianer. Dies riss die Kurse der konjunktursensitiven Unternehmen und der Banken in die Tiefe. Damit geht der Salamicrash der letzten Tage weiter.

„Die wichtigste Notenbank bietet nicht nur den Twitter-Gedanken aus dem Weissen Haus, sondern auch vielen Marktteilnehmern, die auf eine Zinspause spekuliert hatten, die Stirn“, kommentierten Marktteilnehmer die Haltung der Fed, die sich auch dem Druck von US-Präsident Donald Trump nicht beugt. Die Suche nach einem tragfähigen Boden an den Aktienmärkten gehe damit weiter. Eine Reihe von Investoren dürften sich wegen der Hoffnung auf eine Zinspause mit Aktien eingedeckt haben, um von einer Jahresendrally zu profitieren. Diese würden nun ihre Titel auf den Markt werfen, hiess es weiter.

Der Swiss Market Index (SMI) sackte um 1,47 Prozent auf 8’414,48 Punkte ab. Am Morgen war das Börsenbarometer bis auf 10 Punkte an das Jahrestief von Ende Juni gefallen. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) büsste um 2,1 Prozent auf 1’285,16 Punkte ein. Das grössere Minus erklärt sich dadurch, dass im SLI das Gewicht der Schwergewichte begrenzt ist, von denen Roche und Novartis die Talfahrt des SMI bremsten. Der breite Swiss Performance Index (SPI) sank um 1,56 Prozent auf 9’798,58 Zähler ein. Die Top-30-Titel schlossen alle im Minus.

Auch Zufälligkeiten prägten das Handelsgeschehen, sagten Marktbeobachter. Denn viele professionelle Investoren hätten ihre Bücher für das Jahr bereits geschlossen. Ausserdem gelte der Blick dem grossen Eurex-Verfall, der am (morgigen) Freitag wieder über die Bühne gehe.

Bei den Verlierern standen Techtitel und Bankaktien ganz weit vorne. So erlitten Temenos (-4,9%) und Logitech (-4,5%) herbe Einbussen. Technologiewerte gelten als zinssensitiv, weil sie stark von den Investitionen der Unternehmen abhängen. Müssen die mehr Geld für Kreditzinsen zahlen, bleibt weniger für Investitionen übrig.

Für weiteren Druck sorgte die nachgebende Apple-Aktie in New York. Apple-Zulieferer AMS knickte um 1,8 Prozent ein. Die Aktie des an der Schweizer Börse kotierten Halbleiterhersteller zeigte eine steile Berg- und Talfahrt mit zeitweiligen Kurseinbrüchen von über 6 Prozent und Kursgewinnen von über 2 Prozent.

Auch die Banken wurden heftig gerupft. Julius Bär sackten um 4,4 Prozent ab, UBS um 3,9 Prozent und Credit Suisse um 3,8 Prozent. EFG verloren gar 5,3 Prozent. Damit befanden sich die Institute in bester Gesellschaft. Europaweit gingen Bankaktien deutlich in die Knie. Eine Abkühlung der Weltwirtschaft würde das konjunktursensible Geschäft der Banken insgesamt belasten, sagten Marktteilnehmer.

An der Spitze bei den Verlierern standen Lonza (-6,2%). Die Papiere des Life-Science-Konzerns hatten bislang im Jahresverlauf zu den wenigen und grössten Gewinnern im SMI gezählt. In der aktuellen Lage würden wohl Gewinne mitgenommen, hiess es am Markt. Laut Händlern sollen Hedgefonds auf dem Rückzug sein.

Auch Zykliker wie Dufry (-4,2%), SGS (-3,3%) oder LafargeHolcim (-3,2%) gaben nach. Keine Stütze war ein Grossauftrag über 100 Millionen kanadische Dollar, den LafargeHolcim aus Kanada erhalten hat.

Klare Verluste erlitten auch die beiden Luxusgüterpapiere von Richemont und Swatch (je -2,4%). Hier belasteten die neusten Konjunkturprognosen für den Schlüsselmarkt China. Neutral waren für die beiden Konzerne der Anstieg der Schweizer Uhrenexporte, der im Rahmen der Erwartungen ausgefallen war.

Am besten hielten sich bei den Bluechips die Schwergewichte Roche (-0,2%) und Novartis (-0,6%), die den Fall des SMI bremsten.

Im breiten Markt widersetzten sich GAM (+3,4%) und Leonteq (+2,0%) dem Fall der Bankaktien. Leonteq stellte überraschend einen hohen Gewinn fürs Gesamtjahr in Aussicht.

Der Börsenneuling Igea Pharma erwischte kein gutes Debüt: Die Aktien gingen bei 2,50 Fr. aus dem Handel, nachdem sie am Morgen zum Ausgabepreis von 3,75 Fr. an der SIX gestartet waren. (awp/mc/pg)

SIX Swiss Exchange

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