CH-Verlauf: SMI konsolidiert zum Wochenstart
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt legt am Montag nach sechs positiven Handelstagen in Folge den Rückwärtsgang ein. Händler sprechen von einer Konsolidierung vor den diversen wichtigen Quartalszahlen im weiteren Wochenverlauf. Mit seinen aktuellen Abgaben hält sich das hiesige Börsenbarometer aber immer noch besser als seine wichtigsten europäischen Pendants wie Dax, Cac 40 oder FTSE 100, die um bis zu 1,3 Prozent zurückfallen.
Zins- und KI-Gewitter seien an den Aktienmärkten noch nicht vollständig abgeklungen, fasst ein Händler das Geschehen zusammen. «Auch wenn der grosse Schiffbruch bislang ausgeblieben ist, kann von einem goldenen Herbst nach wie vor nicht die Rede sein.» Solange Zinsängste und überzogene Erwartungen an die Künstliche Intelligenz durch die Märkte fegten, bleibe der Herbst eher stürmisch als golden.
Belastet wird das Bild zudem von den geopolitischen Schlagzeilen. So hat die Ukraine zuletzt wieder vermehrt russische Ölanlagen angegriffen, und auch im Persischen Golf haben die Angriffe auf Tanker Berichten zufolge wieder zugenommen. Die Folge: Rohölpreise bewegen sich nahe ihren jüngsten Höchstständen. Gleichzeitig sorgen die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China für etwas Unterstützung.
SMI tiefer nach starkem Lauf
Der SMI verliert gegen 11.00 Uhr 0,53 Prozent auf 14’313,53 Punkte. Die Verlierer (13) sind dabei klar in der Überzahl. Der Mid-Cap-Index SMIM büsst 0,36 Prozent ein auf 3121,57 und der breite SPI 0,52 Prozent auf 20’183,64 Punkte.
Den Aktienmärkten steht eine richtungsweisenden Handelswoche bevor. «Die Zweifel an der KI-Euphorie treffen auf eine Berichtssaison, in der die Unternehmen ihre hohen Bewertungen mit konkreten Ergebnissen rechtfertigen müssen», sagte ein Händler. Die Anleger wollten nicht mehr nur von den Wachstumschancen künstlicher Intelligenz hören, sondern zunehmend sehen, wann sich die gewaltigen Investitionen tatsächlich auszahlen werden. «Die Zeit der unbegrenzten Vorschusslorbeeren scheint im Technologiesektor vorerst vorbei zu sein.»
Hierzulande entwickeln sich die Vertreter der Technologiebranche zum Wochenstart recht uneinheitlich. So stehen Kursgewinnern wie Logitech (+0,2%) bei den Blue Chips und VAT (+0,1%), AMS Osram (+1,0%) und Comet (+0,6%) in den nachgelagerten Reihen Verluste bei ABB (-2,0%), Accelleron (-1,4%), Belimo (-2,6%) und Inficon (-1,0%) gegenüber.
ABB macht den Anfang
ABB ist am (morgigen) Dienstag der erste von insgesamt sechs SMI-Blue Chips, die diese Woche Zahlen vorlegen werden. Daher dürfte die Nervosität hier etwas erhöht sein.
Derweil sind die UBS (-1,8%) auch weit vorne im Verliererfeld der Blue Chips. Auch weitere Bankaktien wie Julius Bär, EFG oder Vontobel geben um bis zu 1,6 Prozent nach. Händler verweisen auf die insgesamt schwache Börsenstimmung und die Sorgen um die anhaltend hohen Renditen bei den Staatsanleihen und den höheren Refinanzierungskosten.
Grösste Gewinner sind mit Givaudan (+0,8%) im SMI und DSM Firmenich (+1,0%) sowie Swisscom (+0,5%) und Sunrise (+0,7%) im SMI wenig konjunktursensible Vertreter aus den defensiven Branchen Aromen- und Riechstoffe sowie Telekom.
Für Gesprächsstoff sorgte zum Wochenstart Lindt & Sprüngli (-1,1%) mit dem Rauswurf von Konzernchef Adalbert Lechner. Nach zwei Umsatzwarnungen innerhalb eines Jahres hat der Schokoladenhersteller damit die Reissleine gezogen. Der Verwaltungsrat hält eine neue Führung für nötig, um das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Investoren habe das verunsichert, erklären Händler die Verluste.
Dem stehen Aufschläge von 1,3 Prozent bei Avolta gegenüber. Hier hat die Citigroup die Bewertung mit einer Kaufempfehlung wieder aufgenommen. Im breiten Markt ziehen SMG (+3,0%) an, nachdem KeplerCheuvreux die Papiere mit einer Kaufempfehlung neu abdeckt. (awp/mc/pg)