CH-Schluss: SMI nach Zwischenhoch wieder auf Talfahrt

Boerse
(Adobe Stock)

Zürich – Nach dem Zwischenhoch der beiden Vortage herrscht am Schweizer Aktienmarkt wieder garstiges Wetter: Im Strudel der US-Börsen hat der Leitindex SMI am Donnerstag die Talfahrt wieder aufgenommen. Aus Angst vor Inflation und Rezession ergriffen die Anleger dies- und jenseits des Atlantiks die Flucht aus den Aktien. Befeuert wurde die Angst durch die galoppierende Teuerung in Deutschland, die im September auf eine Rate von 10,0 Prozent hochschoss. Damit habe die Inflationsrate eine Schallmauer durchbrochen, kommentierte ein Ökonom. Zum ersten Mal seit 70 Jahren sei die Inflationsrate wieder zweistellig. In der alten Bundesrepublik wurden Raten von 10 Prozent und mehr zuletzt 1951 gemessen.

«Beim Anblick einer zweistelligen Inflationsrate bekommen selbst langgediente Volkswirte wackelige Knie», kommentierte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit einer raschen Inflationsberuhigung sei nicht zu rechnen. Die Inflationsrate werde vorerst im zweistelligen Bereich bleiben: «Das setzt auch der EZB zu.» Die Hiobsbotschaft versetzte der Deutschen Börse einen Schlag: Der Dax fiel unter die Marke von 12’000 Zählern. Und am US-Aktienmarkt schürten robuste Arbeitsmarktdaten einmal mehr die Sorge, dass die Leitzinsen im Kampf gegen die hohe Inflation weiter steigen dürften. Der Dow Jones verliert derzeit 1,5 Prozent, die Nasdaq sackt gar um 3 Prozent ab.

Im Gegensatz dazu hielt die Schweizer Börse ihre Verluste noch vergleichsweise im Rahmen. Der SMI tauchte um 0,92 Prozent auf 10’126,99 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fiel um 1,41 Prozent auf 1510,30 Punkte und der breite SPI um 0,95 Prozent auf 12’973,93 Stellen. Im SLI gaben 27 Titel nach, während 3 Aktien zulegten.

Als Stütze des SMI erweisen sich Swiss Re (+1,5%). Anleger reagierten erleichtert darauf, dass sich der in Florida wütende Hurrikan «Ian» auf seinem Weg durch den US-Bundesstaat abgeschwächt habe, hiess es im Handel. Meteorologen stuften ihn auf die niedrigste Stärke eins von fünf herab. Auch die Konkurrenten Munich Re und Hannover Rück zeigten kräftige Kursgewinne.

Dahinter verzeichneten die Schwergewichte Nestlé (+0,8%) und Novartis (+0,1%) ebenfalls höhere Kurse. Nestlé-Chef Mark Schneider sagte an einer Bernstein-Konferenz, dass der Nahrungsmittelkonzern die Preise weiter erhöhen müsse. Damit werde Nestlé die Inflation kompensieren und wieder vergleichbare Margen erzielen.

Das dritte Schwergewicht Roche erlitt (-1,6%) nach dem Kurssprung vom Vortag wieder deutliche Abgaben. Hinzu kam eine Kurszielsenkung durch ODDO.

An der Spitze der Verlierer waren Technologie- und Wachstumstitel, die vom Absturz der Nasdaq in die Tiefe gerissen wurden. Zuvorderst standen AMS-Osram (-6,9%), VAT (-4,9%), Temenos (-4,4%) oder Straumann (-4,3%).

Die CS-Aktien büssten nach dem Lichtblick am Vortag weitere 4,3 Prozent ein, hatten allerdings zeitweise noch grössere Verluste erlitten. Laut Händlern bleibt das Sentiment den Titeln gegenüber angeschlagen. Die Spekulationen über eine Kapitalerhöhung halte er jedoch für unsinnig, sagt ein Börsianer: «Auf diesem tiefen Niveau wäre ein solcher Schritt auch nicht im Interesse der Grossaktionäre.»

Auf der Verkaufsliste der Investoren standen auch andere Finanzaktien wie Partners Group (-4,3%), Julius Bär (-4,0%) oder UBS (-1,8%).

Im breiten Markt kamen Talenthouse zeitweise arg unter die Räder. Das Unternehmen hatte im ersten Halbjahr den Verlust auf 20 Millionen verdoppelt, womit eine Pleite droht. Die Aktie stürzte zwischenzeitlich um 60 Prozent ab, grenzte dann aber den Verlust bis Handelsschluss auf 17 Prozent ein.

LM Group (-13%) wurden ebenfalls nach unten durchgereicht. Im Rahmen der laufenden Untersuchungen gegen die frühere Geschäftsleitung des Online-Reiseanbieters wird nun auch Interim-CEO Laura Amoretti verdächtigt. Zur Rose sackten um 12 Prozent auf ein neues Allzeittief von 28,06 Franken ab. Santhera büssten nach Halbjahreszahlen 5,2 Prozent ein. (awp/mc/ps)

SIX Swiss Exchange
Aktueller Stand SMI bei Google

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.