CH-Schluss: Deutliche Gewinne zum Wochenstart

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat zum Wochenauftakt nur eine Richtung gekannt: nach oben. Mit anziehenden Notierungen an der Wall Street bauten auch die hiesigen Börsen ihre Gewinne im Nachmittagshandel stetig aus. Getragen wurde die gute Stimmung von der Verabschiedung des 1,9 Billionen US-Dollar schweren Konjunkturprogramms der Regierung Biden durch den US-Senat am Wochenende. Das Paket muss nun noch im Repräsentantenhaus verhandelt werden, wo die Demokraten aber die Mehrheit stellen.

Gleichzeitig dürften jedoch mit dem US-Hilfspaket auch die Inflationssorgen bei den Anlegern zunehmen, erklärten Marktteilnehmer. Da könnte zu weiter steigenden Renditen am Anleihemarkt führen. Die US-Zehnjahresrendite lag zuletzt bei 1,60 Prozent. Höhepunkt der Woche ist diesbezüglich die geldpolitische Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Experten gehen davon aus, dass die EZB alles daran setzen wird, deutliche Zinsanstiege zu verhindern.

Der SMI rückte am Montag um deutliche 2,10 Prozent auf 10’830,38 Punkte vor. Es war der kräftigste Anstieg seit gut vier Monaten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 2,22 Prozent auf 1’750,02 und der umfassende SPI um 1,96 Prozent auf 13’571,43 Punkte. Alle 30 Schweizer Bluechips schlossen höher.

An die Spitze setzten sich Industrie- und Finanzwerte, die von einem Wirtschaftsaufschwung am stärksten profitieren dürften. Bei den grössten Gewinnern fanden sich die Papiere des Industriekonzerns ABB (+4,5%) sowie der Luxusgüterhersteller Swatch (+3,8%) und Richemont (+3,3%). Aber auch baunahe Werte wie LafargeHolcim (+2,8%), Geberit (+2,6%) und Sika (+2,4%) dürften laut Händlern vom Infrastruktur-Programm in den USA profitieren.

Die Finanzwerte wurden vom Vermögensverwalter Julius Bär mit plus 4,0 Prozent angeführt. Deutliche Gewinne verbuchten auch die Versicherer Swiss Re (+3,3%), Swiss Life (+3,2%) und Zurich Insurance (+2,3%). Bei den Grossbanken stiegen Credit Suisse um 1,9 und UBS um 3,1 Prozent.

Gebremst wurde der Markt von den Schwergewichten, die vor allem in Krisenzeiten als defensive Absicherung gelten. Der Lebensmittelkonzern Nestlé und der Pharmariese Roche hinkten dem Markt mit 0,8 beziehungsweise 1,7 Prozent Kursplus hinterher. Novartis (+2,6%) zogen deutlicher an; Händler berichteten von Umschichtungen aus Roche. Nestlé hatte am Freitagabend den Kauf der Wassermarke Essentia mitgeteilt. Die Westschweizer expandieren damit im US-Premiumwassergeschäft.

Die zuletzt gebeutelten Techwerte kamen wieder etwas auf die Beine. Der Sektor reagiert wegen seines höheren Fremdkapitalanteils empfindlich auf steigende Marktzinsen. AMS zogen um 1,1 Prozent an, Temenos um 1,5 Prozent und Logitech um 2,1 Prozent.

Das Nachrichtenaufkommen wurde vornehmlich durch die hinteren Reihen bestimmt. Nach Zahlen gesucht waren Belimo (+6,2%). Der Bauzulieferer überraschte mit einem unerwartet hohen Gewinn und einer stabilen Dividende.

Das Pharmaunternehmen Vifor (+4,8%) punktete mit einer «Priority Review» durch die US-Behörde FDA. Meyer Burger (+8,8%) waren heiss begehrt nach einem Analystenkommentar. Die Experten von Mirabaud hatten die Papiere neu mit einer Kaufempfehlung in die Bewertung aufgenommen. Dies habe einige Leerverkäufer auf dem falschen Fuss erwischt, sagten Händler.

Dagegen standen Swiss Steel (-3,7%) mit dem Start des Bezugsrechteangebots unter Druck. Auch Dottikon (-2,7%) führt derzeit eine Kapitalerhöhung durch. Dufry stiegen am Vortag der Ergebnispublikation um 4,3 Prozent. (awp/mc/pg)

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