CH-Schluss: Deutliche Abgaben – Neue Sorge um Handelsstreit

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag mit deutlichen Abgaben geschlossen. Weltweit zeigten sich die Investoren besorgt über eine erneute Verschärfung im Handelsstreit USA-China. Vor den für Donnerstag geplanten neuen Gesprächen beschloss die US-Regierung Massnahmen gegen eine Reihe chinesischer Regierungs- und Handelsorganisationen. China kündigte umgehend Widerstand an.

Daneben belasteten erneut auch die Sorgen um einen ungeregelten Brexit die Märkte. Selbst die britische Regierung glaube nicht mehr an einen Erfolg der Gespräche über ein Austrittsabkommen, hiess es in der britischen Presse nach einem Telefongespräch des britischen Premierminister Boris Johnson mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Ein „harter Brexit“ werde nun immer wahrscheinlicher, meinte ein Marktanalyst.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss um 1,15 Prozent im Minus bei 9’800,24 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor ebenfalls 1,15 Prozent auf 1’491,50 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) gab 1,08 Prozent auf 11’944,72 Punkte nach. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen mit Ausnahme von Temenos alle im Minus.

Die Titel des Chipherstellers AMS (-5,3%) gehörten zu den klarsten Verlierern im SMI/SLI. Weiterhin seien Spekulationen im Umlauf, dass AMS eine höhere Offerte für den deutschen Lichtspezialisten Osram vorlegen könnte, hiess es im Handel. Vor dem Wochenende hatte das österreichische Unternehmen das Scheitern der angestrebten Osram-Übernahme bekanntgegeben, sich aber gleichzeitig alle Türen offen gehalten.

Starke Abgaben erlitten auch die Titel des Uhrenkonzerns Swatch (-2,4%), während die Aktien der Konkurrentin Richemont (-0,6%) etwas weniger stark nachgaben. Die anhaltenden Unruhen in Hongkong könnten die Resultate im Luxusgütersektor im dritten Quartal belasten, befürchteten die Experten von Merrill Lynch in einer am Dienstag publizierten neuen Studie.

Deutlich unter Druck standen zudem weitere konjunktursensitive Werte wie etwa LafargeHolcim (-2,2%) oder Sika (-1,8%). Auch Schindler (-1,9%) und ABB (-1,0%) gaben deutlich nach. Die Analysten der Royal Bank of Canada sehen zunehmend die Spuren der weltweiten Wachstumsabschwächung bei der europäischen Industrie. Für ABB und Schindler blieben sie in einer Studie allerdings bei ihrer Einschätzung „Sector Perform“.

Klar nach unten ging es bei den Grossbankenwerten vor allem für die UBS (-1,2%), Credit Suisse (-0,6%) hielten sich etwas besser. In den UBS-Titel beobachteten Marktteilnehmer „kräftige Verkäufe“ im Vorfeld der in zwei Wochen anstehenden Neunmonatszahlen der Grossbank.

Keine Stütze boten dem Markt die beiden Pharma-Schwergewichte Novartis und Roche (beide -1,4%). Die defensiven Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé (-0,7%) drehten dagegen erst im Nachmittagshandel ins Minus.

Als einzige Titel im SMI/SLI gingen Temenos (+0,3%) mit leichten Kursgewinnen aus dem Handel. Am Markt wurden von starkem Interesse von institutionellen Käufern aus den USA gesprochen, welche die Aktie erst unlängst „entdeckt“ hätten.

Am breiten Markt sacken die Titel des Autozulieferers Autoneum (-10,9%) ab. Der Autozulieferer musste seine Prognosen für das Gesamtjahr wegen operativer Probleme in den USA senken und trennte sich von seinem CEO.

Die Aktien des angeschlagenen Backwarenkonzerns Aryzta (-5,2%) gaben nach durchzogenen Zahlen für das Geschäftsjahr 2018/19 deutlich nach. Zwar konnte das Unternehmen die Profitabilität verbessern, allerdings wiesen die Analysten auf eine schwache Umsatzentwicklung hin.

Schwach entwickelten sich auch die VAT-Titel (-5,1%). Eine am Morgen bekannt gewordene Beteiligungsreduktion eine „Star-Fondsmanagers“ beim Vakuumventilhersteller habe auf den Kurs gedrückt, hiess es im Handel. Die Analysten der kanadischen RBC blieben derweil für die Titel bei ihrem Rating „Underperform“. (awp/mc/ps)

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