CH-Schluss: Fester dank Aussicht auf lasche Geldpolitik

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat sich zur Wochenmitte wie schon am Montag fest gezeigt. Unterstützung kam für die Börsen weltweit von der amerikanischen Notenbank, welche am Vortag die Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung schürte. Etwas gebremst wurde der Optimismus am Nachmittag vom ADP-Arbeitsmarktbericht in den USA, welcher die Kurse etwas von den Tageshöchstständen zurückholte. Die Empfehlung der EU-Kommission, gegen Italien wegen der hohen Staatsverschuldung ein Strafverfahren einzuleiten, bremste allenfalls die Bankenwerte etwas.

Es hätte genügend weitere Gründe für sinkende Kurse gegeben: Die Weltbank senkte die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft, in China trübte sich die Stimmung im Dienstleistungssektor ein und in Deutschland ging der Auftragseingang der Maschinenbauer deutlich zurück. Warnsignale von der Konjunkturfront waren also vorhanden. Das Doping des billigen Geldes wirkte aber stärker. Die Anzeichen mehren sich, dass die US-Notenbank angesichts der weltweiten Handelsspannungen und der damit verbundenen konjunkturellen Risiken die Leitzinsen bald senken könnte. Fed-Chef Jerome Powell äusserte sich am Dienstag in diese Richtung und beflügelte damit weltweit die Aktienkurse.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 0,63 Prozent höher bei 9’658,62 Punkten. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) legte 0,75 Prozent auf 1’480,0 Punkte zu und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,72 Prozent auf 11’685,24 Punkte. Von den 30 SLI-Titeln kosteten bis auf Clariant und Alcon (je -0,3%) alle mehr als am Vorabend.

Die stärksten Avancen verzeichneten schliesslich mit Temenos (+2,6%) und Partners Group (+2,4%) zwei im Umfeld des Finanzwesens angesiedelte Werte. Temenos hatten am Vortag noch zu den grössten Verlieren gezählt.

Dahinter folgten mit Swatch (+1,9%) und Richemont (+1,4%) die Luxusgüteraktien. Hintergrund für diese Gewinne waren laut Händlern vor allem positiv aufgenommene Zeichen im Zusammenhang mit dem Handelsstreit. Der Boykott von US-Herstellern durch Chinesen beginne sich in schwächeren Zahlen des amerikanischen Konkurrenten Tiffany niederzuschlagen, womit sich für die hiesigen Luxusgüterkonzerne Marktanteilsgewinne abzeichneten, hiess es.

Insbesondere im Segment der teuren Uhren schneiden die beiden Unternehmen gut ab, was sich zuletzt auch in der Uhrenexportstatistik gezeigt hatte. Swatch seien zudem nach einer sechswöchigen Durststrecke klar überverkauft gewesen, hiess es weiter im Handel.

Guten Gewinn verzeichneten daneben noch Givaudan (+1,6%), Geberit (+1,6%) oder Schindler (+1,5%).

Die Bankwerte litten europaweit etwas unter der Ankündigung des Defizitverfahrens gegen Italien. Die beiden in der Schweiz kotierten Grossbanken CS (+0,6%) und UBS (+0,3%) hielten sich aber dennoch im grünen Bereich.

Von den defensiven Schwergewichten landeten Nestlé (+1,1%) relativ weit vorne, wogegen die Pharmaschwergewichte Novartis (+0,4%) und Roche (+0,3%) weniger gesucht waren.

Im breiten Markt holten Aryzta (+7,0%) einen guten Teil des 13-prozentigen Vortagesverlustes wieder auf. Der Backwarenkonzern hatte am Vortag zwar mit dem Umsatz überzeugt, dafür aber das Gewinnziel für das Gesamtjahr reduziert.

Noch deutlicher kletterten etwa Asmallworld (+7,5%) nach der Ankündigung einer Angebotserweiterung nach oben oder die Aktien des Bauzulieferers Arbonia (+9,4%).

Den Aktien der Versandapotheke Zur Rose (-3,5%) nützte eine engere Zusammenarbeit mit dem Detailhändler Migros dagegen wenig. Diese litten unter der Auflösung einer Lock-Up-Gruppe, hiess es dazu in Börsenkreisen. Mitglieder aus dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung könnten nun Kasse machen. (awp/mc/pg)

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