CH-Schluss: Nach volatilem Verlauf tiefer – CS unter Druck

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag nach einem volatilen Verlauf nachgegeben. Vorübergehend sorgten das stärker als erwartet gestiegene US-Wirtschaftswachstum und Aussagen der Europäischen Zentralbank (EZB), die für Dezember weitere geldpolitische Massnahmen in Aussicht gestellt hatte, für ein deutliches Kursplus. Doch im späten Handel übernahmen vorsichtige Marktteilnehmer wieder das Szepter und die Anschlusskäufe ebbten ab. Die erhoffte Erholung sei trotz der überverkauften Märkte nicht mehr als ein Zucken gewesen, sagte ein Händler.

Die weiterhin rasant steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus halten die Börsen weiterhin im Griff. Denn immer mehr Länder verhängen weitere Corona-Beschränkungen, womit die Aussichten für die globale Wirtschaft immer unsicherer werden. Zudem sorgen die bevorstehenden US-Wahlen weiterhin für Unsicherheit. Daher hielt sich die Freude über das Weihnachtsgeschenk der EZB auch in Grenzen. „Wenn die EZB im Dezember nochmals zu einem Rundumschlag ausholt, muss es richtig brennen“, sagte Thomas Gitzel von der VP Bank.

Der SMI, der sich zwischen 9’496,22 und 9’670,65 Punkten bewegte, schloss um 0,65 Prozent tiefer bei 9’556,14 Zählern. Der SLI, der die 30 wichtigsten Werte umfasst, sank um 0,64 Prozent auf 1’472,47 und der umfassende SPI um 0,43 Prozent auf 11’950,93 Zähler. 22 der 30 SLI-Werte gaben nach und acht zogen an. Der Volatilitätsindex VSMI schloss mit knapp 30 Punkten so hoch wie seit Mitte Juni nicht mehr, was zeigt, wie gross die Nervosität der Anleger ist.

An der Spitze der Verlierer standen Credit Suisse (-5,6%). Die Grossbank verfehlte im dritten Quartal selbst die pessimistischsten Analystenschätzungen. Gerade die Kombination aus rückläufigen Erträgen und höheren Kosten sorgt in Expertenkreisen für Gesprächsstoff. Händler berichteten zudem über Umschichtungen in die Titel des Rivalen UBS (-0,2%).

Auch bei Clariant (-2,4%) kam der Zwischenbericht bei den Anlegern nicht gut an. Der Hersteller von Spezialchemie hat zwar in einem schwierigen Umfeld seine Marge verteidigt – aber bei einem schrumpfenden Geschäft. Zudem sei der Ausblick zurückhaltend, was negativ gewertet wurde. Mitbewerber hätten ein ermutigenderes Bild gezeichnet, heisst es.

Die Aktien von Richemont büssten 1,4 Prozent ein. Weil sich die US-Juwelierkette Tiffany und die französische LVMH-Gruppe nun doch noch auf eine Übernahme geeinigt hätten, erwachse dem Genfer Konzern ein starker Konkurrent im Schmuckgeschäft, so ein Händler. Zudem habe Richemont wegen Corona ohnehin einen schweren Stand. Besser schlugen sich die Titel der auf die Herstellung von Uhren fokussierten Swatch Group (-0,6%).

Deutliche Abschläge verzeichneten ausserdem die Anteile der Augenheilkundefirma Alcon (-3,3%), des Personalvermittlers Adecco (-2,1%) und des Hörgeräteherstellers Sonova (-1,4%).

Auch Geberit (-0,8%) schlossen nach Bilanzvorlage tiefer. Die Neunmonatszahlen seien zwar besser als erwartet, hiess es in Analystenkreisen, aber die Prognosen seien eben vorsichtig.

An der Spitze der Gewinner standen die volatilen AMS (+3,6%), die am Vortag 5,9 Prozent gefallen waren.

Fester notierten zudem Swisscom (+1,8%). Die Telekom-Gesellschaft spürte im dritten Quartal zwar auch gewisse Coronaeffekte im Heimmarkt, die Markterwartungen hat sie aber übertroffen. Gelobt wird von den Analysten insbesondere das strikte Kostenmanagement.

Keine Stütze waren die Schwergewichte. Während sich Nestlé (-0,4%) und Roche (-0,2%) noch gut hielten, büssten Novartis 1,0 Prozent ein. Roche will nach den Worten von Konzernchef Severin Schwan die Zahl der Antigen-Schnelltests zur Erkennung von Coronavirus-Infektionen hochfahren und monatlich Stückzahlen im dreistelligen Millionenbereich erreichen.

Am breiten Markt stachen Phoenix Mecano (+9,5%) nach Zahlen positiv hervor, während die Aktien von Implenia nach dem Absturz vom Dienstag weitere zehn Prozent einbüssten. (awp/mc/ps)

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