CH-Schluss: Sorgen um Coronavirus drücken SMI tief ins Minus

Boerse

Zürich – Die Furcht vor dem Coronavirus hat die Investoren in der Schweiz fest im Griff. Der Aktienmarkt ist zum Wochenschluss tief in die roten Zahlen abgerutscht, wobei der Leitindex SMI gar ein neues Jahrestief markierte. Ein Händler sprach von einer breit angelegten Flucht der Investoren in Sicherheit: «Was derzeit nach oben läuft, sind Staatsanleihen und Gold.»

Wenig zur Beruhigung trugen auch die am Nachmittag veröffentlichten positiv ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht bei. Der US-Arbeitsmarkt sei im Februar zwar rund gelaufen, kommentierte etwa die VP Bank: «Jetzt wütet aber das Coronavirus und schmeisst die positiven Entwicklungen über den Haufen.» Am Markt wurde allerdings auch diskutiert, wann der richtige Punkt zum Wiedereinstieg sei: Einstiegschancen gebe es ja oft dann, wenn niemand mehr Aktien haben wolle.

Der SMI büsste am Freitag 4,01 Prozent auf 9’736,82 Punkte ein, nachdem er am Nachmittag noch bei 9’653 Punkten ein neues Jahrestief erreicht hatte. Letztmals hatte der Leitindex im vergangenen August so tief geschlossen. Auf Wochensicht resultiert für den SMI nun ein Minus von 1,0 Prozent.

Der SLI, der die 30 wichtigsten Werte einschliesst, verlor zum Wochenschluss 3,87 Prozent auf 1’476,91 Punkte und der breite SPI 3,79 Prozent auf 11’880,22 Zähler. Alle Bluechip-Werte beschlossen den Handelstag mit Kursverlusten.

Stark belastet wurden die hiesigen Indizes von den heftigen Abgaben der defensiven SMI-Schwergewichte. So gaben die grosskapitalisierten Nestlé-Aktien 4,1 Prozent nach, während bei den Pharma-Schwergewichten die Roche Genusscheine gar um 4,6 Prozent und die Novartis-Aktien um 3,4 Prozent nachgaben.

Die stärksten Abgaben bei den Bluechips entfielen allerdings auf die Titel des Bauzulieferers Sika (-6,5%) und des Augenheilmittelspezialisten Alcon (-6,3%). Daneben gab es auch heftige Kursverluste für die zyklischen Titel des Chipherstellers AMS (-4,7%) und des Elektrotechnikkonzerns ABB (-4,3%) ebenso wie für die Aktien des Pharmazulieferers Lonza (-4,6%).

Die Titel der Finanzunternehmen wurden nicht zuletzt von den stark gesunkenen Renditen an den internationalen Kapitalmärkten belastet, die am Freitag neue Rekordtiefstände erreichten. Schwach schlossen etwa die Versicherungswerte Zurich (-4,0%), Swiss Re (-3,7%) oder Swiss Life (-3,0%).

Bei den Grossbankenwerten ging es vor allem mit den CS-Titeln (-4,1%) stark abwärts, aber auch UBS (-3,1%) schlossen deutlich im Minus. Beide Bankenaktien sind mittlerweile für weniger als eine «Zehnernote» zu haben. Etwas besser hielten sich die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär (-2,0%).

Die Titel des Uhrenherstellers Swatch (-2,5%) konnten sich im Tagesverlauf von den heftigsten Abgaben etwas erholen. Die Titel stehen seit längerer Zeit unter Druck und gehören im Jahresverlauf zu den schwächsten SMI-Werten. Richemont (-2,4%) verloren etwa im gleichen Ausmass.

Zu den Titeln mit etwas moderateren Abgaben gehörten zudem die Swisscom-Aktien (-2,4%). Der «blaue Riese» vermeldete dank Viruskrise eine stark steigende Nachfrage nach Live-Videostreaming. Moderater verloren auch Schindler (-0,6%), die allerdings wie viele weitere Titel auf Jahrestiefstwerten notierten.

Im breiten Markt legten SFS (+1,3%) gegen den Trend zu. Der Komponentenhersteller hat einen Anstieg von Gewinn und Dividende vermeldet. Auch Zug Estates (+1,7%) konnten nach Jahreszahlen des Immobilienunternehmens im Plus schliessen.

Einen starken Anstieg verzeichneten Obseva (+14,9%), nachdem die Titel des Westschweizer Biotech-Unternehmens am Vortag noch nach unerwartet schlechten Jahreszahlen um 19 Prozent eingebrochen waren. Die Analysten von JPMorgan empfahlen, die Aktien bei der derzeitigen Kursschwäche zum Kauf.

Tiefer schlossen dagegen Calida (-3,3%) nach einer positiven Ergebnisüberraschung der Bekleidungsherstellerin. Die Aktien des Stromzähler-Spezialisten Landis+Gyr (-6,9%) wurden von einer unerwarteten Auswechslung des CEO belastet. (awp/mc/pg)

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