CH-Verlauf: Anspannung bleibt hoch – SMI weitet Verluste aus
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt bleibt am Mittwoch im Rückwärtsgang, und der Leitindex SMI hat seine Verluste noch etwas ausgeweitet. Die Anspannung unter Anlegern bleibt hoch, angesichts der weiter ungelösten Diskussion um Amerikas geplante Annexion von Grönland. Mit Spannung wird nun der Auftritt von Donald Trump am WEF in Davos am Nachmittag erwartet – zumal sich seine Ankunft durch eine kleine Flugzeugpanne wohl verzögert.
«Viele harte Makrodaten und auch Unternehmensergebnisse rücken angesichts der Gemengelage in den Hintergrund und der Markt wird nun genau auf das Auftreten und die Worte des US-Präsidenten achten – und natürlich auch auf die Reaktion der Europäer», sagte ein Händler. Insgesamt sei die zum Jahresstart positive Stimmung derzeit klar in Richtung Unsicherheit und Anspannung gekippt. Ein guter Indikator dafür sei der starke Anstieg des Goldpreises, der mittlerweile die nächste Marke von 5000 Dollar in den Blick nimmt.
Der SMI verliert gegen 11.00 Uhr 0,55 Prozent auf 13’097,07 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI verliert 0,39 Prozent auf 2123,30 und der breite SPI 0,43 Prozent auf 18’1120,59 Zähler. Im SLI halten sich Gewinner und Verlierer in etwa die Waage.
Nestlé (-1,2%) gehören mit zu den schwächsten Werten. Nach dem Rückruf von Säuglingsnahrung des Lebensmittelriesen und dem Tod eines Säuglings ist in Frankreich eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. Ein Zusammenhang sei bislang aber nicht nachgewiesen, teilte das französische Gesundheitsministerium am Dienstag der Nachrichtenagentur AWP mit. Analysten befürchten einen Imageschaden für Nestlé.
Auch die Titel von Swiss Re (-0,7%) geben nach. Mit Goldman Sachs kappte ein weiteres Analystenhaus die Einstufung für die Titel des Rückversicherers auf «Sell». Die Analysten befürchten einen verstärkten Preisdruck und sehen den Zyklus überschritten.
Unter den weiteren Verlierern befinden sich auch die Pharmaschwergewichte Novartis (-0,3%) und Roche (GS -0,7%). Erstere können damit nicht von einer Hochstufung durch Vontobel profitieren, denn Goldman hält als Gegengewicht an der Verkaufsempfehlung fest. Roche werden derweil von Vontobel weiter nur mit «Hold» bewertet.
Schwach zeigen sich auch diverse Finanztitel wie Julius Bär (-1,0%), Partners Group (-1,8%) oder die UBS (-0,6%). Mit Zurich (-0,9%) und Swiss Life (-0,7%) liegen auch Versicherer im Angebot. Händler verweisen auf die Zins-Unsicherheit durch die Zolldrohung. Darunter leide die ganze Branche.
An der Indexspitze legen indes Lonza (+1,0%) ohne Nachrichten zu. Mit Straumann (+0,4%), Sonova (+0,6%) oder Alcon (+0,2%) halten sich auch weitere Gesundheitswerte im Plus.
In der zweiten Reihe gewinnen Barry Callebaut (+3,1%) nach Zahlen und einem überraschenden CEO-Wechsel. Analysten konzentrieren sich auf die Personalveränderung, die gemischten Zahlen rückten daher in den Hintergrund. Der Führungswechsel sei überfällig gewesen, heisst es beispielsweise bei Vontobel.
Noch kräftiger nach oben geht es für die Titel von Polypeptide (+10,7%). Hier sorgen Analystenkommentare für ein Aufholen der Vortagesverluste. Sowohl die UBS als auch Berenberg erhöhen ihre Kursziel und raten unverändert zum Kauf.
Auch Komax (+5,5%) setzen ihre Aufwärtsbewegung nach den Zahlen am Vortag fort. Zusätzlichen Rückenwind zur Erleichterung nach den Eckdaten gibt eine Hochstufung auf «Outperform» von Oddo. Also (+3,1%) profitieren von einer Hochstufung auf «Kaufen» durch Research Partners.
Bei DocMorris (-6,6%) bleiben die Kurse indes auch einen Tag nach den enttäuschenden Umsatzzahlen tiefrot. Barclays hebt in einem Kommentar die Marktanteilsverluste im rezeptpflichtigen Geschäft gegenüber Konkurrent Redcare hervor. (awp/mc/pg)