CH-Schluss: SMI von Fed-Sitzung und Virus-Sorgen belastet

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag schwächer geschlossen. Der Leitindex SMI konnte nach einem schwachen Handelsauftakt die Verluste bis am Abend allerdings noch eingrenzen. Belastet wurde die Stimmung von der eher enttäuschenden Sitzung der US-Notenbank Fed vom Vorabend. Dazu kamen Warnungen der WHO wegen einem Anstieg der Corona-Fälle in Europa.

Das Fed hatte am Mittwochabend seine Nullzinspolitik bestätigt und deren Aufrechterhaltung bis ins Jahr 2023 hinein signalisiert. Allerdings seien „positive Überraschungen“ wie etwa eine Aufstockung der Anleihenkäufe ausgeblieben, meinte ein Händler. Aus den USA kamen am Nachmittag zudem schwache Daten zum Immobilienmarkt sowie zur Entwicklung der Beschäftigung.

Der SMI schloss 0,31 Prozent tiefer auf 10’519,33 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, gab um 0,36 Prozent auf 1’595,78 Punkte nach und der breite SPI verlor 0,16 Prozent auf 13’061,95 Punkte. Von den 30 SLI-Titeln schlossen 19 im Minus, zehn im Plus und einer (Swisscom) unverändert.

Unter Druck standen nach dem „Nullzinsversprechen“ der US-Notenbank Fed nicht zuletzt die Finanzwerte. Die deutlichsten Abgaben im SMI/SLI entfielen auf die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär (-3,0%). Händler verwiesen dabei allerdings auch auf eine Ratingsenkung durch die Analysten der US-Gesellschaft KBW auf „Market Perform“.

Auch die Grossbankenaktien UBS (-1,0%) und CS (-0,9%) erlitten klare Abgaben. Nach den Fusionsgerüchten um die beiden Institute der vergangenen Tage würden nun spekulativ aufgebaute Positionen vermehrt wieder geschlossen, hiess es am Markt: Rückblickend seien die Spekulationen wohl doch nur „ein Sturm im Wasserglas“ gewesen.

Die offenbar noch Jahre andauernden Nullzinspolitik der Zentralbanken dürfte auch auf die Erträge der Versicherer drücken. Entsprechend gehörten auch Swiss Re (-1,3%), Zurich (-1,1%) oder Swiss Life (-0,9%) zu den schwächsten Titeln unter den Bluechips.

Unter Druck gerieten auch die Aktien der Schmuck- und Uhrenproduzentin Richemont (-1,3%), während die Aktien des Konkurrenten Swatch (-0,2%) moderatere Abgaben verzeichneten. Insgesamt konnte beide Titel aber nicht von einer Aufhellung bei den Uhrenexporten im August profitieren: Laut den jüngsten Zahlen sind die Ausfuhren von Schweizer Uhren noch um knapp 12 Prozent geschrumpft, in den vorangegangenen Monaten hatten die Uhrenhersteller aber noch weit herbere Einbussen verbuchen müssen.

Bei den weiteren zyklischen Titeln erlitten ABB (-0,9%) oder LafargeHolcim (-0,5%) Abgaben. Auch Geberit (-0,6%) gingen mit Abschlägen aus dem Handel. Vontobel erhöhte das Kursziel für den Sanitärtechnik-Konzern unter Hinweis auf die Ausschüttungspolitik des Unternehmens, blieb aber bei seiner Hold-Empfehlung.

Bei den Index-Schwergewichten lasteten die schwachen Nestlé (-0,8%) auf dem Aktienmarkt. Dagegen schlossen die Pharma-Schwergewichte Roche (-0,1%) und Novartis (+0,04%) etwa gehalten. Händler verwiesen auf eine Branchenrotation in europäische Pharmatitel.

Zu den Tagesgewinnern zählten dagegen die zyklischen Sika (+1,1%). Die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs haben die Abdeckung der Titel des Bauchemie- und Klebstoffherstellers mit einem „Buy“-Rating aufgenommen. Deutliche Gewinne verbuchten zudem die Aktien des Personaldienstleisters Adecco (+1,4%)

Ebenfalls klar im Plus schlossen Vifor Pharma (+1,1%). Das Unternehmen habe die Wachstumsdelle, die von Covid-19 mitbegründet gewesen sei, wohl überwunden und profitiere daher von guten Käufen, hiess es am Markt. Stärkste Titel im SMI/SLI waren die Titel des Augenheilmittelspezialisten Alcon (+1,9%), für welche die Goldman Sachs-Analysten ihre Kaufempfehlung bekräftigten.

Am breiten Markt hielten die Verkäufe bei Aryzta (-4,9%) an, nachdem der Kurs am Vortag bereits um 11 Prozent eingebrochen war. Meyer Burger (+5,6%) setzten hingegen den Erholungspfad fort. Die geplante Neuausrichtung der Firma, der die Aktionäre zugestimmt hätten, locke zunehmend Käufer an, die an ein Gelingen des Turnarounds glaubten, sagte ein Händler. (awp/mc/pg)

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