CH-Schluss: Wochengewinne dahin

CH-Schluss: Wochengewinne dahin

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt ist am Freitag mit sehr deutlichen Verlusten aus der Sitzung gegangen, auf die Woche gesehen konnte indes immerhin ein knappes Plus gerettet werden. Schon im Vorfeld des mit Hochspannung erwarteten Arbeitsmarktberichtes herrschte Nervosität, was zu einem bereits sehr schwachen Abschneiden der Aktien bis am Mittag führte.

Belastet war die Stimmung aber auch von wieder stärker gewordenen Sorgen um einen möglichen Zahlungsausfall Griechenlands.

Die Nervosität vor dem Arbeitsmarktbericht aus den USA erwies sich als begründet, fiel doch dieser insgesamt enttäuschend aus. Die Unternehmen hätten sich offenbar angesichts des Streits um die Schuldengrenze und der damit verbundenen Finanzmarktturbulenzen mit Neueinstellungen zurückgehalten, hiess es in Händlerkreisen. Die Beschäftigungsdaten des August-Berichts lagen klar hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück und auch die Juli-Daten wurden deutlich nach unten revidiert. Die Beschäftigung in den USA hat sich im August überraschenderweise nicht verändert, wogegen mit einem Zuwachs gerechnet wurde.

Der SMI büsste 3,11% auf 5’359,67 Punkte ein. Im Wochenvergleich ergab sich dennoch ein leichtes Plus von 0,7%. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor 3,71% auf 802,65 Punkte und der breite Gesamtmarkt (SPI) 2,99% auf 4’889,19 Punkte.

Die vorsichtige bis ängstliche Haltung der Investoren wurde vom bevorstehenden verlängerten Wochenende in den USA noch verstärkt. Am Montag bleibt die Wall Street feiertagsbedingt («Labor Day») geschlossen.

Am Devisenmarkt setzte der Franken am Freitag seinen neu aufgenommenen Höhenflug fort. Der Euro fiel im Tagesverlauf von rund 1,1350 CHF auf ein vorübergehendes Tagestief knapp unter 1,10 CHF und erholte sich bis Börsenschluss wieder auf rund 1,1150 CHF. Die Bewegung des Dollars verlief ähnlich, kostete dieser am Morgen noch 0,7950 CHF war es am Abend rund ein Rappen weniger. Das Tagestief lag knapp über 77 Rappen.

Von den Bluechips am hiesigen Aktienmarkt gaben Adecco (-6,5%), Clariant (-6,3%) und Weatherford (-6,2%) am meisten nach. Adecco waren schon im frühen Geschäft schwach, wurden aber dennoch insbesondere von den enttäuschenden Arbeitsmarktdaten belastet. Für Clariant hat Exane BNP das Kursziel deutlich auf 10 CHF von bisher 17 CHF zurückgenommen. Der Schnitt wird mit der Häufung von Risiken, wie etwa in der Refinanzierung von Schulden, begründet.

Sehr deutlich, mit Verlusten von je rund 5,5%, waren auch die Abgaben in Richemont, CS, UBS und ZFS. Für die international tätigen Versicherungen bahnt sich kurz nach «Irene» mit «Katia» bereits das nächste Sturmtief mit möglichen Schäden in den USA an. So fielen auch Swiss Re um 5,4% deutlich zurück. Christian Mumenthaler, der ab Oktober bei Swiss Re die Verantwortung im Rückversicherungsgeschäft übernimmt, sieht nach der in den vergangenen Jahren zumeist rückläufigen Entwicklung der Rückversicherungstarife derzeit eine Stabilisierung und rechnet in Zukunft mit steigenden Preisen, wie er gegenüber AWP erklärte.

Über 5% büssten zudem Swiss Life, Julius Bär und Transocean ein, um gut 4% verbilligten sich etwa Swatch, Holcim oder ABB.

Nobel Biocare gaben um 3,5% nach und landeten damit im breiten Mittelfeld. Die Analysten von Goldman Sachs haben zum Dentalimplantatemarkt eine Branchenstudie verfasst und das Kursziel für Nobel Biocare aufgrund niedrigerer Wachstumsprognosen am Markt gesenkt. Im breiten Markt verloren Straumann gar 5,6%. Hier hat Goldman Sachs das Rating auf «Sell» nach zuvor «Buy» deutlich herabgesetzt.

Die geringsten Einbussen verzeichneten die als defensiv geltenden Nestlé (-0,8%), Givaudan (-1,0%) und Geberit (-1,4%). Auch Lonza (-1,3%) reihten sich im Spitzenquartett ein. Der Lifesciencekonzern hat dem britischen Biotechnologieunternehmen Oxford BioTherapeutics eine Lizenz für die Nutzung seines firmeneigenen GS Gene Expression Systems gewährt.

Im breiten Markt zogen Schaffner (+1,1%) nach einer kleineren Akquisition und Bachem (+0,8%) nach der Ankündigung eines Managementwechsels an der Spitze leicht an, während u-blox nach Quartalszahlen unverändert aus der Sitzung gingen.

Bobst brachen nach den schwachen Zahlen vom Vortag erneut um gut 10% ein, ebenso Schmolz+Bickenbach. (awp/mc/pg)

SIX Swiss Exchange

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