Devisen: Euro klettert deutlich über 1,07 US-Dollar und 1,04 Franken

Euro
(Photo by Robert Anasch on Unsplash)

Frankfurt – Der Euro ist am Mittwoch deutlich über 1,07 US-Dollar gestiegen. Die Gemeinschaftswährung war im frühen Handel noch etwas unter Druck geraten, zog aber bereits am späten Vormittag an und kostete zuletzt 1,0737 Dollar.

Auch zum Schweizer Franken machte der EuroBoden gut und kostete zuletzt 1,0459 Franken nach 1,0411 am Morgen. Der US-Dollar ging wenig verändert mit 0,9742 Franken um.

Zur Wochenmitte erwiesen sich robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone als Stütze für den Euro. Die Region wuchs zu Jahresbeginn deutlich stärker als bisher bekannt. Im ersten Quartal betrug das Wirtschaftswachstum der 19 Euroländer zum Vorquartal 0,6 Prozent. Eine vorherige Schätzung hatte ein Wachstum von lediglich 0,3 Prozent ergeben.

Volkswirtin Melanie Debono von Pantheon Macroeconomics begründete die deutliche Abweichung mit einem starken Anstieg des irischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die Wirtschaft des Landes war um 10,8 Prozent gewachsen. Diese Daten lagen der Expertin zufolge bei der vorherigen Schätzung noch nicht vor. Die irischen BIP-Daten seien tendenziell sehr schwankungsanfällig, da ausländische Grosskonzerne durch interne Transferpreise ihre Erträge teilweise in das Niedrigsteuerland Irland verschöben und so das Wirtschaftswachstum künstlich erhöhten. Denn die Gewinne würden später in die Heimatländer der Konzerne zurückverlagert.

Die deutsche Industrie steigerte derweil ihre Produktion im April leicht. «Nach dem starken Rücksetzer vom März in unmittelbarer Reaktion auf den Kriegsausbruch in der Ukraine ist die folgende Erholung ein verhalten positives Zeichen», schrieb Anleiheanalyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Zumindest gebe es vorerst kein Abgleiten in eine steile Abwärtsspirale. Das Umfeld für die Industrie bleibe jedoch schwierig, wie der am Dienstag gemeldete neuerliche Sturz bei den Auftragseingängen gezeigt habe.

Indes rückt am Devisenmarkt verstärkt die Zinssitzung der EZB am Donnerstag in den Fokus. Die Notenbank dürfte wegen der hohen Inflation die geldpolitische Wende einleiten. Der Markt rechne im Wesentlichen mit Zinserhöhungen von 0,25 Prozentpunkten bei jeder Sitzung im zweiten Halbjahr, schrieb Konstantin Veit, Portfoliomanager und Leiter für Euro-Staatsanleihen beim Vermögensverwalter Pimco. Jedoch bestehe die Möglichkeit, dass die Europäische Zentralbank angesichts der grossen Unsicherheit in Bezug auf die Inflation stärkere Zinserhöhungen vornehme.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,85575 (0,85365) britische Pfund und 143,92 (141,66) japanische Yen fest. Die Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London mit 1856 US-Dollar gehandelt. Das waren vier Dollar mehr als am Vortag. (awp/mc/pg)

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