Devisen: Euro fällt zum Franken und sinkt zum Dollar auf Dreijahrestief

Devisen: Euro fällt zum Franken und sinkt zum Dollar auf Dreijahrestief
(Bild: © Eyetronic / AdobeStock)

Zürich – Der Euro bleibt am Donnerstagmittag im Anschluss an die neuesten Beschlüsse der SNB zum Franken unter Druck. Kurzfristig liess die neueste Einschätzung der Lage durch die SNB den Euro zwar wieder etwas Richtung 1,06 steigen, rasch bröckelten die Gewinne aber wieder ab und der Kurs sank wieder in Richtung Jahrestief. Aktuell kostet die Gemeinschaftswährung 1,0539 Franken. Gegenüber dem Dollar markiert der Euro gar ein Dreijahrestief und liegt aktuell bei 1,0713 Dollar.

Anders sieht die Situation beim US-Dollar zum Franken aus. Dieser befand sich schon seit dem frühen Morgen – von einem Niveau im Bereich von 0,9650 aus – auf Erholungskurs und hat im Verlauf des Tages weiter Boden gutgemacht. Zuletzt kostete ein Greenback 0,9842 Franken.

Die SNB führt ihre expansive Geldpolitik fort und will verstärkt am Devisenmarkt eingreifen. Auch hat sie den Negativzins-Freibetrag der Banken erhöht und prüft im Zusammenhang mit der Coronakrise zusätzliche Massnahmen wie etwa eine Lockerung des antizyklischen Kapitalpuffers. Ausserdem liess die Nationalbank wissen, dass sie „eng mit dem Bundesrat zusammenarbeitet um die Wirtschaft bestmöglich zu unterstützen“.

In Marktkreisen wurden die Nachrichten von der SNB tendenziell freundlich aufgenommen. Gleichzeitig wurde da und dort die Erwartung geäussert, dass von der SNB wohl noch mehr kommen werde. „Ein vernünftiges Paket der SNB, das zumindest kurzfristig ausreichen sollte, um den Anstieg des Frankens zu begrenzen“, hiess es beispielsweise in einem Kommentar von EFG.

EZB-Programm stärkt Dollar zusätzlich
Das Geschehen an den Finanzmärkten bleibt trotz hoher Unterstützung vieler Regierungen und Notenbanken fragil. Ein neues Programm der EZB zum Kauf von Wertpapieren über 750 Milliarden Euro, das in der Nacht angekündigt wurde, hat zwar zu einer Entspannung an den Anleihemärkten von Italien und Griechenland beigetragen. Angesichts der aussergewöhnlichen Schwere der drohenden Wirtschaftskrise in der Eurozone und weltweit bleibt die Lage am Devisenmarkt aber angespannt.

Der Einbruch beim Ifo Geschäftsklima im März für Deutschland gab einen aktuellen Hinweis auf bevorstehende schwere Konjunkturkrise. Der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft fiel auf den tiefsten Stand seit August 2009. „Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Daten. Das Institut hält einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukt um sechs Prozent in diesem Jahr für möglich.

Pfund auf Erholungskurs
Nach zuletzt deutlichen Verlusten legte das britische Pfund zum Euro und Dollar nun zu. Die britische Zentralbank hatte zur Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise unter anderem ihre Geldpolitik erneut gelockert. Der Leitzins wurde in einer ausserordentlichen Sitzung um 0,15 Prozentpunkte auf 0,1 Prozent reduziert. Bereits in der vergangenen Woche hatte sie den Leitzins deutlich gesenkt. Zudem steigt die Notenbank wieder in den Kauf von Staatsanleihen an. Zum Franken legte das Pfund gegenüber dem Vortag um rund 3 Rappen auf 1,1495 Franken zu.

Einen historischen Einbruch erlebte dagegen die norwegische Krone, die zu US-Dollar und Euro heftig abstürzte und Rekordtiefstände erreichte. Die Notenbank des Landes liess daraufhin ihre Bereitschaft zu Stützungskäufen erkennen. Die Krone stabilisierte sich in der Folge, blieb aber sehr schwach. Stützungskäufe mindern den Devisenbestand einer Notenbank, derartigen Eingriffen sind daher Grenzen gesetzt.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,92985 (0,92190) britische Pfund und 118,63 (117,78) japanische Yen fest.

Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1483 Dollar gehandelt. Das waren 3 Dollar weniger als am Vortag. (awp/mc/ps)

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