Devisen: Euro zum Dollar profitiert von EZB-Rekordzinserhöhung – Franken stärker

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Frankfurt – Der Euro hat am Freitag gegenüber dem Dollar von der Rekordleitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) profitiert. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,0048 US-Dollar. Sie notierte so über der Parität zum Dollar. In der Nacht zum Freitag hatte der Euro noch etwa einen Dollar gekostet. Der Euro notierte zuletzt aber unter seinem Tageshoch.

Zum Franken fiel der Euro allerdings wieder deutlich unter die Marke von 0,97, die er bereits am Vortag nach der Leizinserhöhung durch die SNB unterschritten hatte. Er kostete zuletzt 0,9645 Franken und damit rund 2 Rappen weniger als noch vor dem Entscheid – dabei sollten die Aussichten auf steigende Zinsen eigentlich die Attraktivität des Euro stärken. Dass sich der Franken dennoch gegenüber dem Euro behaupten kann, führen Ökonomen einerseits auf die tiefere Inflationsrate in der Schweiz zurück. Andererseits verweisen sie auf die Aussicht einer bald folgenden Zinserhöhung durch die Schweizer Notenbank SNB.

Auch der Dollar hat gegenüber dem Franken an Terrain eingebüsst und wurde zuletzt zu 0,9607 gehandelt. Am Vortag lag der Kurs noch über der Marke von 0,97.

Die EZB hatte am Donnerstag mit 0,75 Prozentpunkten die stärkste Zinsanhebung seit ihrem Bestehen durchgeführt. Zudem stellte sie weitere kräftige Erhöhungen in Aussicht. Der Euro geriet dennoch zunächst unter Druck, legte im Nachgang aber zu.

Leitzins von 2,5 Prozent im kommenden Jahr erwartet
«Die begleitenden Aussagen lauteten, dass auch das Ende der Zinstreppe höher ausfallen könnte, als die Marktteilnehmer bislang erwartet hatten», sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Ein Leitzins von 2,5 Prozent im kommenden Jahr werde nun von vielen Analysten für wahrscheinlich gehalten. «Für die Preisstabilität im Euroraum sind dies gute Nachrichten, denn sie zeigen eine eindeutig auf die Inflationsbekämpfung ausgerichtete Geldpolitik.»

Am Freitag wurden nur wenige Konjunkturdaten veröffentlicht. Schwache Daten zur Industrieproduktion aus Frankreich und Spanien belasteten den Euro nicht. Stärker im Blick steht die Energiepolitik der Europäischen Union. Neben einer Abschöpfung übermässiger Gewinne sprachen sich die EU-Energieminister bei einem Krisentreffen für weitere Interventionen aus, unter anderem könnte dies ein Preisdeckel für Gas sein. Die USA sind im Gegensatz zur Eurozone unabhängig von russischem Erdgas. Der Euro wurde daher zuletzt immer wieder durch die steigenden Energiepreise belastet.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,86860 (0,86656) britische Pfund und 143,30 (143,65) japanische Yen fest.

Eine Feinunze Gold wurde am Nachmittag in London zum Preis von 1717 Dollar gehandelt. Das waren knapp 8 Dollar mehr als am Vortag. (awp/mc/ps)

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