EU-Schluss: Starke Verluste

EU-Schluss: Starke Verluste

London – Der überraschende Rücktritt des Chefvolkswirtes der EZB, Jürgen Stark, hat die europäischen Börsen am Freitag kräftig belastet. Für zusätzliche Verunsicherung sorgte auch Kreise-Meldung, wonach die Bundesregierung eine Abschirmung für deutsche Banken im Fall einer Staatspleite Griechenlands plant. Beide Nachrichten hätten erneut Sorgen um eine wirtschaftliche Abschwächung in Folge der europäischen Staatsschuldenkrise geschürt, meinten Händler.

Bereits am Vormittag war der erhoffte Schub durch das Jobprogramm von US-Präsident Barack Obama ausgeblieben. Nun werde befürchtet, dass der Plan im US-Kongress scheitern könnte.

Der EuroStoxx 50 sackte um 4,15 Prozent auf 2.073,67 Punkte ab, nachdem er sich seit dem am Dienstag markierten Tief seit März 2009 bis zum Vortag bereits wieder um fast 6 Prozent erholt hatte.

Auf Wochensicht bedeutete dies einen satten Abschlag von 6,62 Prozent. In Paris verlor der CAC 40 am Freitag 3,60 Prozent auf 2.974,59 Punkte, und der Londoner FTSE 100 setzte um 2,35 Prozent zurück auf 5.214,65 Punkte.

Jürgen Stark geht aus «persönlichen Gründen» noch vor Ablauf der Amtsperiode am 31. Mai 2014, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit. Der Experte galt – wie auch Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber – als Kritiker der milliardenschweren Anleihekäufe, mit der die EZB kriselnde Euro-Staaten stützt. Weber hatte im Februar wegen des Krisenmanagements in der Eurozone sein Amt niedergelegt. Den Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts nannte ein Börsianer denn auch einen «weiteren Schlag für die Glaubwürdigkeit der Europäische Zentralbank, der den Graben zwischen Deutschland und den übrigen Mitgliedern wahrscheinlich vertiefen wird».

Französische und italienische Banken mussten angesichts der wieder gestiegenen Unsicherheit am Markt besonders herbe Verluste hinnehmen. Die Titel der Societe Generale etwa brachen am Ende des EuroStoxx 50 um 10,58 Prozent auf 17,445 Euro ein. Für die Aktien der Unicredit und die Papiere von Intesa SanPaolo ging es um über 8 Prozent nach unten. Im «Footsie» sackten Barclays um 9,43 Prozent ab und in der Schweiz verbilligten sich die Papiere der Credit Suisse um 5,85 Prozent. Auch europaweit versammelten sich die Banken- und Versicherungswerte am Ende der Branchenübersicht.

Zudem machten die Anleger einen grossen Bogen um die Autowerte. Der entsprechende Branchenindex wurde aber besonders vom Rutsch der Porsche-Aktien um fast 14 Prozent nach unten gezogen, nachdem sich die noch für dieses Jahr geplante Fusion mit Volkswagen (VW) nun verschiebt. Die VW-Anteilsscheine verloren 3,89 Prozent.

Gute Nachrichten aber kamen aus der Rohstoffbranche: Techniker hatten ein Erdöllager vor dem an Brasilien grenzenden französischen Übersee-Departement Französisch-Guyana gefunden. Der französische Konzern Total hält seit Anfang 2010 eine 25-prozentige Beteiligung an dem Ölfeld, das es sich mit dem britischen Tullow-Konzern (27,5 Prozent) sowie Shell (45) und Northpet (2,5) teilt. Allerdings profitierten nur die Tullow-Papiere mit einem Kursprung von mehr als 15 Prozent positiv auf die Meldung, wohingegen die Aktien von Total und Shell in dem trüben Marktumfeld nachgaben. (awp/mc/upd/ps)

Euronext

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