EU-Schluss: Brexit- und Handelsoptimismus treibt an

Boerse

Paris – Hoffnungen auf einen geordneten Brexit und Neuigkeiten zu den Handelsgesprächen zwischen den USA und China haben am Donnerstag den europäischen Börsen Auftrieb gegeben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 gewann 0,98 Prozent auf 3484,70 Punkte. Er schwang sich auf ein Hoch seit Anfang August.

Der britische Premierminister Boris Johnson erlitt bei seinen No-Deal-Brexit-Plänen weitere Niederlagen und in Sachen Zollkonflikt wollen die USA und China im Oktober wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Die Nachrichten bei den beiden politischen Brandherden, die schon länger die Börsen im Griff haben, machten die Anleger wieder risikofreudiger.

An den Länderbörsen ging es fast überall deutlich bergauf – unter anderem in Paris, wo der Cac-40-Index um 1,11 Prozent auf 5593,37 Punkte stieg. Der Londoner FTSE 100 allerdings wurde wegen der neuen Brexit-Entwicklungen zum negativen Ausreißer. Belastet vom steigenden Pfund gab er um 0,55 Prozent auf 7271,17 Zähler nach.

Europaweit zeigte sich die Mehrheit der Branchen im grünen Bereich, wobei sich vor allem die konjunktursensitiven Sektoren vorne festsetzten, während sich die als defensiv angesehenen unter den Verlierern befanden. Um mindestens 2,5 Prozent ging es in den Auto-, Banken- und Technologiesektoren nach oben. Schlusslichter waren die Immobilien- und Lebensmittelbranchen mit Abgaben von etwa 0,8 Prozent bei ihren Teilindizes.

Unter den Einzelwerten wurden die Anteile von Safran im Eurostoxx mit einem Anstieg um 5,1 Prozent zum Spitzenreiter. Der Luftfahrtzulieferer legte trotz der anhaltenden Probleme beim wichtigen Kunden Boeing starke Halbjahreszahlen vor und hob seine Umsatz- und Gewinnprognose an.

Der Chipindustrie-Ausrüster ASML folgte auf dem zweiten Rang im Leitindex der Eurozone mit einem ähnlichen grossen Anstieg wie Safran. Am Donnerstag blieb die Stimmung im Halbleitersektor international weiter hoch, wobei ASML zusätzlich von einer optimistischen Einschätzung der Schweizer Grossbank Credit Suisse angetrieben wurde.

Die Autowerte profitierten neben ihrer Eigenschaft, dass sie in freundlichen Börsenzeiten bei Anlegern oft besonders gefragt sind, auch von überraschend guten US-Absatzzahlen für August. Der SUV-Boom und die rabattträchtige Verkaufsschlacht rund um das „Labor Day“-Feiertagswochenende hätten der Branche im abgelaufenen Monat in die Karten gespielt, sagte ein Händler. Wie schon am Vortag waren vor allem Zulieferkonzerne wie Valeo oder Faurecia mit Anstiegen von mehr als 6 Prozent gefragt.

In London gewannen die Papiere von Melrose nach überraschend starken Halbjahreszahlen der Beteiligungsgesellschaft und einem von Anlegern als erfreulich gewerteten Ausblick auf den weiteren Jahresverlauf als Spitzenwert im „Footsie“ 8,8 Prozent.

Noch besser erging es den Aktien des britischen Online-Händlers Boohoo , die nach einem erhöhten Ausblick um 15 Prozent anzogen und eine neue Bestmarke schrieben. Ein Tag zum vergessen war es dagegen für die Anleger des Finanzdienstleisters CYBG mit einem Kurseinbruch um 21,4 Prozent. Steigende Kosten für Restschuldversicherungen sorgten hier für Verunsicherung. (awp/mc/pg)

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