EU-Schluss: Anleger zögern vor wichtigen Notenbankentscheiden

Boerse

Paris – An Europas Börsen haben sich die Anleger auch am Dienstag zurückgehalten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kam wie schon am Vortag nicht gross vom Fleck. Nach schwächerem Start schaffte er es aber immerhin knapp über die Gewinnschwelle, indem er 0,11 Prozent auf 3498,99 Punkte zulegte. Laut Marktanalyst David Madden von CMC Markets verhalf ihm die Hoffnung auf geldpolitische Lockerungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) dazu.

Vor dem am Donnerstag anstehenden Zinsentscheid haben die Währungshüter der Eurozone den Markt bereits auf umfangreiche Massnahmen vorbereitet und so die Erwartungen recht hoch werden lassen. Einige Anleger fürchten deshalb aber nun auch die Gefahr von Enttäuschungen. Dazu passt die einsetzende Spekulation, dass neue Anleihekäufe durch die europäischen Währungshüter noch nicht ausgemachte Sache sind.

An den Länderbörsen standen wie beim Eurostoxx meist knappe Gewinne auf der Kurstafel. In Paris brachte es der Cac-40-Index auf ein Plus von 0,08 Prozent auf 5593,21 Punkte. Der Londoner FTSE 100 rückte sogar um 0,44 Prozent auf 7267,95 Punkte vor. Negative Ausreisser waren die schwächeren Länderbörsen in Italien und der Schweiz.

Im Schatten der Notenbanken rücken die politischen Risiken rund um den Brexit oder den internationalen Handelskonflikt, bei dem Anleger derzeit hoffnungsvoll auf eine im Oktober erwartete neue Gesprächsrunde blicken, neuerdings etwas in den Hintergrund. Davon profitierten insbesondere die als konjunktursensibel geltenden Banken- und Ölbranchen, deren Teilindizes mit etwa 2 Prozent Plus die Sektor-Spitzenreiter waren. Der Ölpreis hatte am Dienstag ein neues Sechswochenhoch markiert.

Im Bankensektor waren einige Einzelwerte individuell bewegt. In Zürich zogen die Papiere der UBS an der SMI -Spitze um 3 Prozent an. Hier half eine Kaufempfehlung des Analysehauses Kepler Cheuvreux. Ungeachtet der Sorgen am Markt um das Aktienrückkaufprogramm halte er die Dividende der Bank für sicher, schrieb Experte Nicolas Payen. Nach Veränderungen im Management könnten nun vor allem in der Vermögensverwaltung neue Massnahmen getroffen werden, die den auf ein Mehrjahrestief gesunkenen Aktienkurs antreiben könnten.

In London stiegen die Anteilsscheine von Barclays trotz auf den ersten Blick negativer Unternehmensnachrichten um fast 5 Prozent. Nach Lloyds muss nun auch Barclays viel Geld für weitere Schadenersatzzahlungen an Kreditnehmer zurücklegen. Der Gewinn dürfte aber immer noch ausreichen, die Dividende für 2019 zu decken, schürte Analyst Martin Leitgeb von der US-Investmentbank Goldman Sachs neuen Optimismus.

In Kopenhagen gerieten Novo Nordisk mit 2,6 Prozent unter Druck. Als Belastung galt hier die Aussicht auf einen Gesetzentwurf in den USA, der sich aggressiv gegen Pharmakonzerne und ihre Medikamentenpreise wenden soll. Laut Analyst Michael Newshel von Evercore ISI steht dabei unter anderem das Novo-Kernprodukt Insulin im Rampenlicht.

Viel Aufsehen erregten in London erneute Gespräche von Bovis Homes mit Galliford Try über einen Kauf von Geschäftsteilen des Immobilienentwicklers. Während die Bovis-Aktien daraufhin um 3,4 Prozent absackten, schossen jene von Galliford um 8 Prozent nach oben. Laut Marktbeobachter David Madden von CMC Markets wird die im Mai schon einmal ausgeschlagene Offerte nun versüsst mit einem Barmittelanteil. (awp/mc/ps)

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