EU-Schluss: Erholung dank neuer Hoffnung im Zollkonflikt

Boerse

London – Europas Aktienmärkte haben sich am Freitag deutlich von ihren jüngsten Verlusten erholt. Vage Entspannungssignale im US-chinesischen Handelsstreit, die US-Präsident Donald Trump aussendete, liessen die Anleger auf dem gedrückten Niveau wieder zugreifen. Neuerdings erhöht ausserdem die Hoffnung auf eine lockerere Geldpolitik in der Eurozone wieder die Zuversicht.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone schloss unweit seines Tageshochs. Am Ende stieg er um 1,41 Prozent auf 3329,08 Punkte. Auf Wochensicht fuhr er damit aber nach den tiefroten Tagen am Montag und Mittwoch immer noch einen knappen Verlust von 0,1 Prozent ein.

In Paris gewann der französische Cac 40 am Freitag 1,22 Prozent auf 5300,79 Punkte. Für den britischen FTSE 100 ging es in London um 0,71 Prozent auf 7117,15 Punkte nach oben.

Trump deutete an, dass der Handelskonflikt mit China nicht mehr von allzu langer Dauer sein wird. Es gebe gute Diskussionen mit dem unbedingten Willen für ein Abkommen. Er rechne auch nicht damit, dass Peking Vergeltung für die zuletzt von den USA angekündigten Zölle üben werde. Es liefen Gespräche zwischen beiden Seiten, und China biete hier gute Dinge an.

Zunehmend erwartungsvoller blicken die Anleger auch auf die EZB. «Die Möglichkeit einer Lockerung der Geldpolitik im nächsten Monat hat heute zu einer optimistischen Stimmung beigetragen», sagte Marktbeobachter David Madden von CMC Markets UK. Dabei legten sie jüngste Äusserungen des finnischen Notenbankchefs Olli Rehn auf die Waagschale, der sich am Vortag für eine deutliche Lockerung ausgesprochen hatte.

In dem freundlichen Umfeld gab es im Branchenvergleich nur Gewinner. Mit am besten schlugen sich die zuletzt eher von Konjunkturängsten geplagten Teilindizes der Technologie- und Bankensektoren mit Anstiegen von 1,7 und 2,4 Prozent. Sie regieren in der Regel besonders sensibel auf konjunkturelle Nachrichten.

Im Technologiebereich ging es unter anderem für Chipwerte aufwärts im Sog besser als befürchteter Quartalszahlen des US-Konkurrenten Nvidia. Aktien von STMicroelectronics rückten in Paris um 1,8 Prozent vor und jene des Branchenausrüsters ASML gehörten im EuroStoxx mit einem ähnlich grossen Anstieg zum vorderen Drittel.

Unter den Einzelwerten standen vor allem Aktien aus der Schweiz im Blick. Dort zogen die Anteilsscheine des Telekomunternehmens Sunrise um 3,5 Prozent an, weil die Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC Schweiz auf der Kippe zu stehen droht. Als Grund dafür galt, dass der deutsche Sunrise-Grossaktionär Freenet diese in seiner aktuellen Form ablehnt – unter anderem wegen einer milliardenschweren Kapitalerhöhung.

Die Anteilscheine von Roche stiegen um 1,6 Prozent. Der Pharmakonzern erhielt in den USA für sein Krebsmittel Rozlytrek die Zulassung zur Behandlung von nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Analyst Stefan Schneider vom Vermögensverwalter Vontobel geht davon aus, dass auch in Europa die Zulassung noch in diesem Jahr erfolgen wird. (awp/mc/ps)

Euronext
Aktuelle EuroStoxx50-Entwicklung bei Google

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.