EU-Schluss: Hongkong-Krise bremst – Keine Impulse aus den USA

Boerse

London – Der EuroStoxx 50 hat am Donnerstag in einem von Vorsicht geprägten Marktumfeld leicht nachgegeben. Anhaltende Spannungen zwischen den USA und China, die sich nun vor allem um die Hongkong-Krise drehten, kosteten den Leitindex der Eurozone einige Punkte. Er schloss 0,23 Prozent niedriger auf 3704,48 Punkte. Das Hin und Her der vergangenen Tage um die Marke von 3700 Punkten ging damit weiter.

Sorgen bereitet den Anlegern, dass US-Präsident Donald Trump die vom Kongress beschlossenen Gesetze zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong unterzeichnet hat und China abermals mit Vergeltungsmassnahmen drohte. „Die Tatsache, dass sich die USA so deutlich auf die Seite der Demokratiebewegung in Hongkong stellen, erhöht ganz klar auch das Risiko des Scheiterns eines Handelsabkommens“ zwischen den USA und China, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets.

Anleger verringerten also am Donnerstag die Risiken etwas. Auf Länderebene gab der Cac 40 in Paris um 0,24 Prozent auf 5912,72 Punkte nach, während der FTSE 100 in London ein Minus von 0,18 Prozent auf 7416,43 Zähler verbuchte. Am Nachmittag fehlten zudem die Impulse aus den USA, wo die Börsen wegen des Feiertags „Thanksgiving“ pausierten.

In der Branchenbetrachtung war – wie zuletzt an schwachen Handelstagen üblich – eine Umschichtung der Anleger von konjunkturabhängigen in defensive Aktien zu beobachten. Die Teilindizes der Einzelhandels- und Versicherungswerte verzeichneten Gewinne. Nach unten ging es dagegen für Banken und die Automobilbranche.

Nicht in dieses Schema passte der Telekomsektor, der mit seinen stabilen Dividenden und Erträgen als defensiv angesehen wird, am Donnerstag aber um 0,7 Prozent nachgab. Geprägt war er von den Vodafone-Aktien, die vor allem wegen einer ausgezahlten Sonderdividende ein grosser Verlierer waren.

Zu den Vodafone-Kursverlusten von fast vier Prozent trug aber auch die Sorge vor wachsender Konkurrenz in Europa bei. Denn der spanische Telefonica-Konzern will sich künftig auf nur noch vier Kernmärkte konzentrieren – darunter mit Spanien, Grossbritannien und Deutschland jene Länder, die auch für Vodafone zu den Kernmärkten zählen. Die Telefonica-Anleger reagierten erfreut: Mit einem Anstieg um 1,5 Prozent waren die Papiere einer der besten Werte im EuroStoxx 50.

In Paris waren Remy Cointreau nach Zahlen mit minus 2,4 Prozent ein grösserer Verlierer. Der Cognac-Spezialist habe mit dem operativen Ergebnis im ersten Halbjahr die ohnehin schon gesunkenen Markterwartungen nochmals verfehlt, zeigte sich ein Börsianer enttäuscht.

Zu den Verlierern im Londoner „Footsie“ zählten die 1,5 Prozent schwächeren Aktien von Johnson Matthey nach einem pessimistischen Analystenkommentar. JPMorgan spricht dem Spezialchemiekonzern nun mit „Underweight“ ein negatives Votum aus. Wegen des Trends zur Elektromobilität sieht Analyst Chetan Udeshi Gegenwind unter anderem im Geschäft mit Autokatalysatoren.

Ein spektakulärer Kurssprung hingegen gelang in London den Papieren von Virgin Money, die nach Zahlen um fast 20 Prozent nach oben sprangen. Freude bereitete den Anlegern eine positive Entwicklung der Zinsmarge und eine verbesserte Kapitalausstattung des Finanzdienstleisters. (awp/mc/ps)

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