EU-Schluss: Erholungsrally dank Hoffnung auf Notenbanken

EU-Schluss: Erholungsrally dank Hoffnung auf Notenbanken

Paris/London – Die Hoffnung auf stärkere Konjunkturhilfen der grossen Notenbanken hat Europas Börsen am Freitag eine Erholungsrally beschert. Der EuroStoxx 50 baute nach einem freundlichen Start seine Gewinne aus und schloss 3,05 Prozent höher bei 2962,24 Punkten. Das war der grösste Tagesgewinn seit knapp einem halben Jahr. Der Leitindex der Eurozone, der zuletzt deutlich unter Druck gestanden hatte, konnte seinen Wochenverlust dadurch auf knapp ein Prozent eindämmen.

Für die anderen Indizes ging es am Freitag ebenfalls rasant bergauf. Der Cac 40 in Paris stieg um 2,92 Prozent auf 4033,18 Punkte, während der Londoner FTSE 100 um 1,85 Prozent auf 6310,29 Punkte zulegte. Noch mehr Euphorie gab es an den Aktienmärkten der südeuropäischen Länder, die zuletzt besonders stark unter Ängsten vor einem Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise gelitten hatten: Die Leitindizes in Madrid und Mailand stiegen um fast drei beziehungsweise mehr als drei Prozent, und in Athen ging es sogar um über sieben Prozent hoch.

Börsianer verwiesen auf Aussagen von EZB-Direktor Benoit Coeure, denen zufolge die Europäische Zentralbank in den nächsten Tagen mit dem Ankauf von Wertpapieren beginnen könnte. Eine freundliche Wall Street, die derzeit ebenfalls von Erwartungen an die US-Notenbank Fed profitiert, sorgte für zusätzliche Unterstützung. Bereits am Donnerstag hatte Fed-Mitglied James Bullard dem amerikanischen Aktienmarkt mit seinen Aussagen auf die Sprünge geholfen, das Anleihekaufprogramm der Fed müsse nicht zwingend im Oktober enden. Zudem gab es nach den guten Daten vom Vortag vor dem Wochenende weitere positive Konjunkturnachrichten aus den USA.

Im breit gefassten europäischen Index Stoxx Europe 600 lagen alle Branchenindizes deutlich im Plus. Am wenigsten profitierte der Index für die Immobilienunternehmen vom Marktschwung – er schaffte lediglich ein Plus von 1,57 Prozent. Spitzenreiter war der Index für die Öl- und Gasfirmen , der um 3,91 Prozent anzog.

Auch der zuletzt gebeutelte Bankenindex zeigte sich mit plus 3,64 Prozent stark. Gute Zahlen der US-Investmentbank Morgan Stanley hellten die Stimmung im Sektor zusätzlich auf. Der Index der Autobauer und -zulieferer gewann nach ermutigenden Absatzzahlen vom europäischen Markt 3,48 Prozent.

Unter die Räder kamen indes die Aktien von Gemalto, einem Anbieter für Sicherheitssoftware und -technik unter anderem in Kreditkarten. Händler führten den Einbruch um 10,97 Prozent auf einen Kommentar der Analysten von Exane zurück – sie sehen die Einführung des neuen Bezahlssystems des US-Elektronikkonzerns Apple in dessen Smartphones als Gefahr für die US-Geschäfte von Gemalto.

Wegen einer gekappten Umsatzprognose straften die Anleger den Triebwerksbauer Rolls Royce in London ab – um 11,54 Prozent ging es am FTSE-100-Ende nach unten. Das Unternehmen rechnet nun mit sinkenden Erlösen im laufenden Jahr, weil die Wirtschaftssanktionen gegen Russland nach Darstellung des Managements für zögerliche Kunden sorgen. (awp/upd/mc/ps/cs)

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