EU-Verlauf: Erholung setzt sich fort

EU-Verlauf: Erholung setzt sich fort

Frankfurt am Main – Dank der Hoffnung auf Fortschritte bei der Bekämpfung der Schuldenkrisen in Europa haben die wichtigsten europäischen Aktienindizes am Donnerstag an ihre zweitägige Aufwärtsbewegung angeknüpft. Nach dem deutsch-französischen Votum für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone stieg der Leitindex EuroStoxx 50 zur Mittagszeit um 1,89 Prozent auf 2.122,67 Punkte. Seit dem Tief am Dienstagvormittag hat er damit schon wieder fast 9 Prozent an Boden gutgemacht. In Paris legte der Cac 40 um 1,82 Prozent auf 3.002,84 Punkte zu. In London rückte der FTSE 100 um 1,35 Prozent auf 5.297,36 Punkte vor.

Rückenwind gab es aufgrund der wieder gestiegenen Hoffnung auf einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich am Vorabend nach einer Telefonkonferenz davon überzeugt gezeigt, dass die Zukunft Griechenlands in der Eurozone liege. Im Blickfeld steht nun ein am Freitag beginnendes Treffen der EU-Finanzminister, an dem erstmals auch Timothy Geithner aus den USA teilnehmen wird. Zuvor könnten am Nachmittag aber noch frische US-Wirtschaftsdaten für Impulse sorgen. Auch der am Freitag anstehende Grosse Verfallstag an den Terminbörsen könnte im Tagesverlauf bereits bewegen.

Negatives gab es am Morgen von der UBS zu vermelden, deren Papiere in Zürich um 7,23 Prozent auf 10,14 Franken abrutschten. Die Problemserie bei der angeschlagenen Schweizer Grossbank reisst nicht ab: Wegen einer Milliardenbelastung aus nicht autorisierten Handelsgeschäften eines Händlers halten es die Schweizer für möglich, dass sie im dritten Quartal wieder einmal rote Zahlen schreiben werden. Nach Schätzungen der UBS führten die Transaktionen zu einem Verlust von zwei Milliarden US-Dollar. Ein Börsianer sorgte sich nach der Meldung aber weniger um den möglichen Verlust, sondern eher um das sich gerade erst erholende Image der Schweizer Grossbank.

Der übrige Bankensektor konnte sich mit dem freundlichen Markt etwas erholen, wie der rund ein Prozent festere Teilindex Stoxx 600 Banks zeigte. Allerdings blieb der europäische Branchenindex damit hinter dem Gesamtmarkt zurück. Die Experten von Close Brothers Seydler Research verwiesen in einem Morgenkommentar darauf, dass dies schon am Vortag auffällig gewesen sei. «Dies deutet darauf hin, dass Anleger etwa bei Industriewerten wieder zugreifen, während die Situation im Finanzsektor undurchsichtig bleibt.»

Die Papiere der BNP Paribas konnten sich in Paris mit einem Aufschlag von 3,09 Prozent von ihrem jüngsten Kursrutsch erholen. Ein Minus von 0,46 Prozent wiesen dagegen die Aktien der Societe Generale auf, nachdem die Experten von Nomura die Papiere der französischen Bank um zwei Stufen abgestuft und das Kursziel deutlich gesenkt haben. Analyst Jon Peace hält die verstärkt eingepreisten Sorgen des Marktes zwar für übertrieben. So lange die Schuldenkrise in Europa nicht behoben sei, halte er das Erholungspotenzial der Papiere aber für begrenzt.

Die grössten Gewinne im EuroStoxx gab es im Versorgersektor. Händler verwiesen auf dessen defensive Qualität, die den Aktien nach oben verhelfe. Aber auch Vorboten des Grossen Verfalls am Freitag sowie Nachwehen einer optimistischen Branchenstudie vom Vortag wurden dafür verantwortlich gemacht. Die Aktien von Eon führten im EuroStoxx die Gewinnerliste mit einem Plus von 4,66 Prozent an vor den um 4,40 Prozent festeren Iberdrola-Titeln. Ferner legten ArcelorMittal nach einer Hochstufung durch die Citigroup um fast 4 Prozent zu.

In Stockholm rückten die Titel von Hennes & Mauritz (H&M) nach Umsatzzahlen zum dritten Quartal um 5,63 Prozent auf 195,20 schwedische Kronen vor. Die schwedische Textilkette hatte auf vergleichbarer Ladenfläche zwar rückläufige Erlöse hinnehmen müssen, mit neu eröffneten Geschäften und dem in einigen Ländern begonnenen Internet- und Katalogverkauf war der Umsatz jedoch insgesamt um fünf Prozent gestiegen. In London kletterten Aktien der Baumarktkette Kingfisher wegen eines über den Markterwartungen ausgefallenen Gewinns um rund 6 Prozent. (awp/mc/ps)

Euronext

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