EU-Schluss: Deutliche Verluste – Pfund-Schwäche stützt London

Boerse

Paris – An Europas tonangebenden Börsen ist es am Dienstag deutlich bergab gegangen. Neben neuen Querschüssen von US-Präsident Donald Trump im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt belasteten die anhaltende Nervosität einen Tag vor dem US-Zinsentscheid sowie einige enttäuschende Unternehmenszahlen.

Am besten hielt sich noch der Londoner Markt, der bereits zu Wochenbeginn besser als die anderen Handelsplätze abgeschnitten hatte. Er profitierte vom weiter sinkenden Pfund, welches britische Waren für ausländische Käufer tendenziell verbilligt.

Der EuroStoxx 50 weitete nach einem schwachen Start seine Verluste aus und schloss 1,72 Prozent im Minus bei 3462,85 Punkten. Ähnlich sah es beim französischen Cac 40 aus, der letztlich 1,61 Prozent auf 5511,07 Punkte einbüsste. Dagegen gab der britische FTSE 100 nur um 0,52 Prozent auf 7646,77 Zähler nach.

Als Ursache der Pfund-Talfahrt gilt die Erwartung, dass mit der neuen politischen Führung um Premierminister Boris Johnson ein Brexit ohne Austrittsabkommen mit der EU wahrscheinlicher geworden ist. Ein „No-Deal-Brexit“ gilt als Konjunkturrisiko für die britische Wirtschaft.

Aus Branchensicht gab es am Dienstag in Europa nur Verlierer. Am schlimmsten erwischte es die Banken: Deren Subindex im marktbreiten Stoxx Europe 600 sackte um fast zweieinhalb Prozent ab, dicht gefolgt vom Index der Autoindustrie.

Die Bankentitel leiden schon seit einiger Zeit unter der am Mittwoch erwarteten Leitzinssenkung der US-Notenbank Fed sowie den Signalen der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik. Die dahinter stehenden, weltweiten Wirtschaftssorgen sind derweil Gift für die exportabhängige und konjunktursensible Autobranche.

Derweil verlor der Index der Nahrungsmittel- und Getränkehersteller lediglich 0,29 Prozent. Die Branche gilt als defensiv, spielt ihre relative Stärke also vor allem in einem schwachen Gesamtmarkt aus.

Unter den Berichtsunternehmen enttäuschte vor allem Siemens Gamesa, wie der fast 18-prozentige Kurssturz der Aktien zeigte. Der Windturbinenhersteller steigerte im zweiten Quartal trotz des deutlich gestiegenen Umsatzes das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) nur um knapp zwei Prozent. Damit blieb er laut JPMorgan-Analyst Malvika Gupta hinter den Erwartungen zurück.

Für Engie-Papiere ging es im EuroStoxx mit knapp zwei Prozent überdurchschnittlich bergab, nachdem der Energiekonzern mit seinem Quartalsbericht nicht überzeugt hatte.

Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser senkte nach einem etwas schwächeren Halbjahr sein Umsatzziel für 2019. Goldman-Analyst John Ennis sprach von enttäuschenden Erlöskennziffern. Die Aktien von Reckitt Benckiser waren mit einem Kursrückgang von über drei Prozent einer der schwächsten Werte in London. Schlusslicht im FTSE 100 war indes der Engie-Konkurrent Centrica, dessen Papiere nach schwachen Zahlen, der ersten Dividendenkürzung seit Jahren und dem angekündigten Rücktritt von Konzernchef Iain Conn um 19 Prozent einbrachen.

Es gab aber auch positive Unternehmensnachrichten. Der Ölkonzern BP überraschte mit einem höher als erwarteten Ergebnis im zweiten Quartal, was den Aktien ein Plus von gut drei Prozent und den Spitzenplatz in London bescherte.

Die Anteilsscheine von EuroStoxx-Favorit Air Liquide gewannen nach Halbjahreszahlen knapp 0,8 Prozent an Wert. Der französische Gasehersteller profitierte vor allem von gut laufenden Geschäften in China. (awp/mc/ps)

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