EU-Schluss: Stärkstes Auftaktquartal seit Jahren

Boerse

Paris – Die wichtigsten Aktienmärkte Europas haben mit dem abgelaufenen ersten Quartal ihren stärksten Jahresauftakt seit langem verbucht. Die Gewinne am Freitag trugen dazu bei, auch wenn eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China nach wie vor auf sich warten lässt und zudem sogar nun ein chaotischer Brexit droht. Mehrheitlich half den Börsen in den vergangenen Monaten die Aussicht auf weiter tiefe Zinsen. Zudem herrscht momentan wieder Hoffnung auf ein versöhnliches Ergebnis im Zollstreit der beiden weltgrössten Volkswirtschaften.

Der EuroStoxx50, der Leitindex der Eurozone, beendete den Handelstag 0,95 Prozent fester bei 3351,71 Punkten. Sein Wochenplus beläuft sich damit auf 1,4 Prozent und sein Quartalsgewinn auf 11,7 Prozent. Das ist das kräftigste Plus in einem Jahresviertel seit 2015. Auch der französische Cac 40 fuhr mit plus 13,1 Prozent seinen kräftigsten Jahresauftaktgewinn seit 2015 ein. Für den britischen FTSE 100 war es mit einem Plus von 8,2 Prozent sogar der deutlichste seit dem ersten Quartal 2013.

Am Freitag schloss der Cac 40 mit plus 1,02 Prozent auf 5350,53 Zähler. In London stieg der FTSE 100 um 0,62 Prozent auf 7279,19 Punkte.

Im Zollstreit der beiden weltgrössten Volkswirtschaften macht sich zurzeit wieder verstärkt Optimismus breit, denn sowohl die USA als auch China sprachen von «konstruktiven Gesprächen» beziehungsweise «neuen Fortschritten». Die Gespräche werden nun in der neuen Woche in Washington fortgesetzt. Mit Blick auf den Brexit droht Grossbritannien nun ein Austritt aus der Europäischen Union ohne Abkommen am 12. April oder eine lange Verschiebung samt Teilnahme an der Europawahl Ende Mai. Das britische Parlament hatte den von Premierministerin Theresa May mit Brüssel ausgehandelten Vertrag zum dritten Mal abgelehnt.

In der Sektorwertung waren zyklische Aktien an diesem Freitag wieder gefragt. Die Bergbaubranche war indes Favorit mit plus 1,7 Prozent. Händlern zufolge stützten anziehende Eisenerzpreise und die Hoffnung, dass die Handelsgespräche bald ein positives Ergebnis liefern werden. Auch die Autobranche , für die China ein wichtiger Wachstumstreiber ist, gehörte mit plus 1,5 Prozent zu den klaren Gewinnern. Moderate Verluste gab es dagegen unter den als recht konjunkturresistent geltenden Branchen Telekom und Versorger .

Auf Unternehmensseite standen im EuroStoxx LVMH und Kering nach optimistischen Analystenkommentaren mit Anstiegen jeweils etwas mehr als einem Prozent im Blick. Dabei erklommen die Aktien von LVMH ein Rekordhoch, während sich die von Kering ihrem Rekordhoch vom Juni 2018 weiter annäherten. RBC-Analyst Rogerio Fujimori rechnet mit einem starken ersten Quartal für beide Luxusgüterkonzerne.

Im FTSE 100 stachen die Anteile von Astrazeneca und Tui mit Verlusten von 5,6 Prozent und 4,4 Prozent hervor. Der Arzneimittelhersteller Astrazeneca will mit dem japanischen Pharmaunternehmen Daiichi Sankyo eine Krebsforschungskooperation lancieren. Der Deal an sich sei positiv, die dafür nötige Kapitalerhöhung komme bei Investoren aber wohl nicht gut an, kommentierte Analyst James Gordon von JPMorgan. Tui gerieten unter Druck, da der Reisekonzern wegen der Flugverbote für die Boeing-Maschinen des Typs 737 Max nun mit einem Gewinneinbruch rechnet. Der Konzern muss Ersatzflugzeuge anmieten.

Einmal mehr standen zudem schwedische Aktien im Fokus: Die satten Gewinne von H&M nach dem positiv aufgenommenen Quartalsbericht des Modehändlers in Höhe von 9,6 Prozent konnten dem Leitindex OMX 30 nicht ins Plus verhelfen. Erneut drückten herbe Verluste der Bankaktien in Stockholm auf die Stimmung.

Die Papiere der Nordea Bank brachen um 11 Prozent ein und die der Swedbank setzten ihre steile Talfahrt der vergangenen Tage mit einem weiteren Minus von 7,6 Prozent fort. Die SEB-Aktien gaben um 1,6 Prozent nach. Inzwischen gerieten laut der Nachrichtenagentur Bloomberg auch Nordea und SEB ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht. Sie seien beide nunmehr mindestens zum zweiten Mal von der Behörde aufgefordert worden, ihre Transaktionen mit der in einen Geldwäscheskandal verstrickten Danske Bank offenlegen. (awp/mc/pg)

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