EU-Schluss: Handelskonflikt lässt Kurse immer tiefer rutschen

Boerse

London – Der Handelskrieg zwischen China und den USA setzt auch die europäischen Börsen immer mehr unter Druck. Am Montag ging die Talfahrt weiter. Der EuroStoxx 50 sank um 1,93 Prozent auf 3310,93 Punkte, nachdem China am Montag die jüngste US-Eskalation im Zollkrieg erwiderte. Schon am Freitag war der Leitindex der Eurozone wegen des weiter ausufernden Streits sehr deutlich um mehr als 3 Prozent gefallen. Am Montag erreichte er zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit Anfang Juni.

Nur wenige Tage nach der Ankündigung neuer Strafzölle durch US-Präsident Donald Trump konterte China am Montag mit einer Abwertung seiner Währung, gleichwohl die Notenbank versicherte, die heimische Währung nicht als Mittel im Handelskonflikt einzusetzen. Zudem wies die Volksrepublik laut Kreisen ihre Unternehmen dazu an, keine Agrargüter mehr aus den USA zu importieren. Die Einfuhren hatte sie vor einiger Zeit als Zugeständnis zugesagt, um den Konflikt etwas zu entschärfen. Laut den Experten der HSBC steigen damit die Sorgen vor einem globalen Konjunkturabschwung.

Weltweit gingen die Aktienmärkte auf Tauchstation, so auch in Paris und London. Der französische Cac 40 büsste 2,19 Prozent auf 5241,55 Punkte ein und der britische FTSE 100 2,47 Prozent auf 7223,85 Punkte.

Wie oft zu beobachten, hinterliessen die Sorgen um den Welthandel bei den besonders stark davon abhängigen Branchen ihre Spuren. Schwer getroffen waren zum Beispiel die Aktien von Rohstoffunternehmen, unter denen ArcelorMittal in Paris mit einem Abschlag von gut viereinhalb Prozent das Schlusslicht waren.

In London verloren Minenwerte, darunter Rio Tinto mit einem Minus von 2,2 Prozent. «China ist ein grosser Käufer von Metallen und Öl. Die Furcht ist gross, Chinas Nachfrage nach Rohstoffen könnte angesichts des Handelskriegs mit den USA einbrechen», kommentierte David Madden, Analyst bei CMC Markets UK.

Anders die Situation beim Goldminenkonzern Fresnillo, dessen Aktien um 4,75 Prozent dazu gewannen und damit in London der einzige Wert mit positivem Vorzeichen waren. Der Goldpreis war am Montag auf den höchsten Stand seit Mai 2013 gestiegen. Gold gilt als vermeintlich sichere Anlage in unsicheren Zeiten.

Weiter ging auch die Flucht aus Aktien aus dem Luxusgüterbereich, für die China ein ausserordentlich wichtiger Wachstumsmarkt ist. LVMH waren im EuroStoxx mit einem Abschlag von 4,23 Prozent der zweitschwächste Wert, in Zürich büssten Swatch und Richemont 3,86 beziehungsweise 6,67 Prozent ein.

Lichtblicke im EuroStoxx waren die Aktien von Linde. Nach einem überraschend hohen Gewinnplus im zweiten Quartal hatte der Vorstand seine Jahresziele erhöht. Die Papiere des fusionierten Industriegasekonzerns gewannen an der Index-Spitze 2,54 Prozent. In Amsterdam fielen die Anteile von PostNL mit einem Kurssprung von fast 5 Prozent positiv auf. Der Post- und Logistikkonzern hatte im zweiten Quartal mit seinem Nettogewinn die Erwartungen übertroffen.

Renault stemmten sich mit einem Plus von 1,20 Prozent ebenfalls gegen das allgemein sehr schwache Börsenumfeld und die Schwäche bei Autowerten im Besonderen. Rückenwind gab hier ein Medienbericht, wonach doch wieder Bewegung in die eigentlich beendeten Fusionsgespräche mit Fiat Chrysler kommen könnte. Die Titel des italienisch-amerikanischen Herstellers gaben indes um 0,3 Prozent nach.

Bei HSBC wurden die Quartalszahlen der britischen Bank vom überraschenden Rücktritt des Konzernchefs John Flint überschattet. Zu den Gründen des Rücktritts hiess es lediglich, der Schritt sei «im Einvernehmen» erfolgt. Die Aktien verloren in London knapp 3 Prozent. (awp/mc/ps)

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