EU-Schluss: EuroStoxx50 zieht um 1,2% auf 3163 Punkte an

Boerse

Paris – Hoffnungen auf einen geordneten Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union haben viele europäische Aktienmärkte am Freitag angetrieben. Börsianer verwiesen auf einen Bericht der britischen Zeitung «The Sun», demzufolge die nordirische Partei DUP mit Blick auf den bevorstehenden Brexit zu Kompromissen bereit sein könnte. Das im Vergleich zum US-Dollar wieder steigende Pfund interpretierte Analyst Michael van Dulken vom Handelshaus Accendo Markets dahingehend, dass der Markt einen ungeordneten Brexit allmählich wieder auspreise.

Zudem liessen sich die Anleger von der guten Stimmung an den US-amerikanischen und asiatischen Börsen anstecken. Ferner wirkte laut Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets nach, dass die Europäische Zentralbank mit der ersten Zinserhöhung in der Eurozone wohl bis 2020 warten werde. Niedrigere Zinsen lassen Aktien gegenüber Anleihen in einem besseren Licht erscheinen.

So zog der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 um 1,18 Prozent auf 3163,24 Punkte an. Auf Wochensicht bedeutet dies ein Plus von 0,90 Prozent. Es ist der mittlerweile vierte Wochengewinn in Folge.

Der Pariser Cac 40 legte am Freitag um 1,11 Prozent auf 4925,82 Punkte zu. Der britische FTSE 100 aber litt unter dem starken Pfund und gab um 0,14 Prozent auf 6809,22 Zähler nach. Die britische Währung befindet sich bereits seit Anfang des Jahres auf Erholungskurs, was Exporte in Länder ausserhalb Grossbritanniens erschweren kann.

Der Rohstoff- und Bergbausektor profitierte von Konjunkturhoffnungen und war angesichts überwiegend wieder steigender Metallpreise Spitzenreiter mit plus 3,29 Prozent. Zudem hatte Antofagasta mit den vom Bergbaukonzern geförderten Kupfermengen im vierten Quartal positiv überrascht. Die Aktien zogen um knapp 4 Prozent an.

Am Ende der Sektorübersicht verlor die Telekombranche 0,88 Prozent. Sowohl die schwedische Telia als auch Vodafone hatten mit ihren Quartalsberichten enttäuscht. Die Anteilscheine der beiden Unternehmen büssten jeweils rund 5 Prozent ein.

Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson war im vierten Quartal wegen hoher Umbaukosten zwar wieder in die roten Zahlen gerutscht, hatte aber mit seinen Nettoerlösen die Erwartungen übertroffen. Das verhalf den Papieren in Schweden zu einem Gewinn von gut 3 Prozent. An der EuroStoxx-Spitze profitierten die Nokia-Aktien von den Zahlen des Konkurrenten mit einem Plus von mehr als 6 Prozent.

Für Givaudan indes ging es am Ende des schweizerischen Leitindex SMI um fast 4 Prozent abwärts. Der weltgrösste Aromen- und Duftstoffhersteller war zwar im Geschäftsjahr 2018 abermals kräftig gewachsen, doch höhere Rohstoffkosten und Wechselkursverluste hatten auf die Profitabilität gedrückt. Ein Gewinnrückgang war die Folge gewesen.

In Paris schnellten die Aktien von Alstom um mehr als 6 Prozent in die Höhe. Siemens und der französische Konzern haben der EU-Kommission wohl neue Zugeständnisse für die Fusion ihrer Zugsparten angeboten. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus informierten Kreisen erfuhr, haben beide Unternehmen der Brüsseler Behörde den Verkauf von mehreren Geschäftsteilen im Bereich der Signaltechnik sowie längere Lizenzvereinbarungen offeriert. Die Siemens-Papiere zeigten sich wenig bewegt und legten um gut 1 Prozent zu.

Die Aktien des italienischen Medienkonzerns Mediaset gewannen 3,62 Prozent. Händler verwiesen auf einen Online-Artikel der italienischen Zeitung «Milano Finanza», der vage über Gedankenspiele des Konzerns über eine Zusammenarbeit mit ProSiebenSat.1 berichtet habe. Der Artikel hatte laut einem Börsianer Fusionsspekulationen hochkochen lassen, auch weil traditionelle Fernsehsender schwer unter Druck durch die Online-Konkurrenz stehen. Die Anteilscheine von ProSiebenSat.1 schlossen in Frankfurt 3,51 Prozent höher. (awp/mc/pg)

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