EU-Schluss: Gewinne nach US-Arbeitsmarktdaten

EU-Schluss: Gewinne nach US-Arbeitsmarktdaten

Paris – Die wichtigsten europäischen Aktienmärkte haben am Freitag mit deutlichen Kursgewinnen auf Zahlen vom US-Arbeitsmarkt reagiert. Die Märkte hätten erleichtert reagiert, dass der Jobmarkt der weltgrössten Volkswirtschaft offenbar den scharfen Winter in Teilen des Landes nun hinter sich lasse, sagten Händler. Der EuroStoxx 50 konnte sein Mehrjahreshoch weiter ausbauen und gewann 0,74 Prozent auf 3230,33 Punkte. So hoch hat er seit September 2008 nicht mehr notiert. Auf Wochensicht hat der Eurozonen-Leitindex damit um 1,83 Prozent zugelegt. Für den CAC 40  in Paris ging es am Freitag um 0,79 Prozent auf 4484,55 Punkte nach oben. Der Londoner FTSE 100  stieg nach einem schwächeren Vortag um 0,70 Prozent auf 6695,55 Punkte.

Die US-Wirtschaft hatte im März etwas weniger Stellen geschaffen als erwartet. Allerdings wurden die Werte für die beiden Vormonate nach oben korrigiert. Damit lasse der Arbeitsmarkt die wetterbedingte Schwäche in den vergangenen Monaten nun hinter sich, zog US-Chefökonom Paul Ashworth vom Analysehaus Capital Economics Bilanz. Im Resultat dürfte die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe weiter zurückfahren. Hinzu kamen am Nachmittag neuerliche Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa. Händler verwiesen auf Medienberichte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Modellrechnungen für ein Anleihekaufprogramm durchführe. Am Vortag hatte die EZB die Leitzinsen unverändert belassen. Präsident Mario Draghi hatte aber betont, gegebenenfalls auch ungewöhnliche Massnahmen einzusetzen, falls nötig.

Stärkster Sektor war europaweit die Bau- und Baustoffindustrie. Der Branchenindex legte 2,06 Prozent zu. Er war von den Fusionsgesprächen zwischen den schweizerischen und den französischen Zementkonzernen Holcim und Lafarge in die Höhe getrieben worden. Bei den Einzeltiteln im Sektor gab es ein wahres Kursfeuerwerk: Lafarge zogen an der Spitze im Cac 40 um 8,90 Prozent an, Holcim sprangen in Zürich mit plus 6,86 Prozent an die SMI-Spitze. Der irische Baustoffkonzern CRH kletterte mit 3,78 Prozent auf den Thron im EuroStoxx, im Dax war HeidelbergCement mit 4,30 Prozent Aufschlag Favorit.

Vor dem Wochenende konnten auch Aktien der Reise- und Freizeitbranche punkten. Die Papiere der Billigfluggesellschaft Easyjet verteuerten sich dank des im März anziehenden Passagierwachstums um 2,01 Prozent. Schlusslicht waren hingegen die Indizes für die Unternehmen aus dem Technologiebereich und dem Einzelhandel mit jeweils minus 0,33 Prozent.

Mit Blick auf Unternehmensnachrichten spielte die Musik ansonsten primär im Medien- und Telekomsektor. Die Aktien von Vivendi gewannen vor der anstehenden Entscheidung über den Käufer für die Mobilfunktochter SFR 0,39 Prozent. Der Bau- und Medienkonzern Bouygues unternahm kurz vor Toreschluss einen neuen Versuch, Konkurrent Altice auszustechen. Papiere von Bouygues legten um 0,64 Prozent zu, diejenigen von Altice verloren 3,86 Prozent.

Bouygues will für SFR nun 15 Milliarden Euro in bar auf den Tisch legen. Im Gegenzug soll Vivendi an dem fusionierten Mobilfunkunternehmen nur noch mit 10 Prozent statt mit 21,5 Prozent beteiligt werden. Altice bietet für SFR 11,75 Milliarden Euro sowie eine Beteiligung von 32 Prozent.

Insgesamt konnte sich der Telekomsektor nach einem schwächeren Start berappeln, der Stoxx Europe 600 Telecom drehte am Nachmittag ins Plus und gewann 0,43 Prozent. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach sich der japanische Mobilfunkanbieter Softbank nach der Mehrheitsübernahme am US-Mobilfunker Sprint auch in Europa nach Zielen umsehe.

Bei der italienischen Mediaset sorgten Berichte über die Platzierung eines 25-Prozent-Anteils am Telekommunikations-Ausrüster EI Towers für Kursgewinne von 0,93 Prozent, wogegen EI Towers 4,92 Prozent abgaben.

Die Aktien von Renault gewannen 2,95 Prozent. Sie profitierten von einem Bericht, wonach die Lohnkosten des Autobauers um vier Prozent gesunken seien, seit 2013 einer Vereinbarung mit den Angestellten über längere Arbeitszeiten getroffen wurde. Zudem stufte die schweizerische Grossbank UBS die Aktie hoch und empfiehlt sie nun zum Kauf. (awp/mc/pg)

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