EU-Schluss: Gewinne – Anleger verarbeiten EZB und Zahlenflut

Boerse

Paris – Die Anleger an Europas Börsen haben die Enttäuschung über die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi am Freitag halbwegs verdaut. Der EuroStoxx50 beendete den letzten Handelstag der Woche 0,41 Prozent höher bei 3524,47 Punkten. Dank seiner Stärke in der ersten Wochenhälfte hat der Leitindex der Eurozone im Vergleich zur Vorwoche 1,3 Prozent zugelegt.

Die Zahlenflut europäischer Unternehmen enthielt am Freitag neben viel Licht auch viel Schatten. Nachdem die Anleger am Vortag bei der EZB die konkreten Massnahmen vermissten, blicken sie nun gespannt und durchaus risikofreudig auf die in der kommenden Woche anstehende Sitzung der US-Notenbank Fed. Eine Zinssenkung durch die Amerikaner am Markt als ausgemachte Sache.

Gemeinsam mit dem EuroStoxx ging es am Freitag auch für die wichtigsten Länderbörsen hoch. Der französische Cac 40 rückte um 0,57 Prozent auf 5610,05 Punkte vor. Der britische FTSE 100 gewann sogar 0,80 Prozent auf 7549,06 Zähler.

Im europäischen Sektorvergleich führten am Freitag Medien- und Telekommunikationsaktien die Gewinnerliste an. Die Subindizes im marktbreiten Stoxx Europe 600 legten angetrieben von starken Zahlen von Branchenkonzernen um 2,7 beziehungsweise 2,3 Prozent zu.

Im Mediensektor gaben Pearson und Vivendi die Richtung vor mit Anstiegen um jeweils etwa 6 Prozent. Aktien des britischen Pearson-Konzerns wurden von einem angehobenen Gewinnziel beflügelt. Bei den Franzosen von Vivendi sorgte vor allem die Musiktochter Universal Music für übertroffene Markterwartungen.

Im Telekombereich erwies sich Vodafone mit einem Kurssprung um 10,6 Prozent als Zugpferd. Bei den Briten sei der Serviceumsatz – also ohne Geräteverkäufe – besser als erwartet ausgefallen, lobte Jerry Dellis vom Analysehaus Jefferies. Ausserdem bestätigte Vodafone Überlegungen, die Funkturmsparte an die Börse zu bringen.

Am Ende der Sektorübersicht lagen hingegen die Indizes der Rohstoff- und Einzelhandelskonzerne mit Kursrückgängen von jeweils mehr als einem Prozent. Anglo American fielen im Rohstoffbereich mit einem Abschlag von 4 Prozent in London negativ auf, nachdem der indische Milliardär Anil Agarwal bekanntgab, bei dem Minenkonzern auszusteigen.

Unter den weiteren Berichtsunternehmen gab es aber auch viele negative Schlagzeilen. Die Aktien des Luxusgüterkonzerns Kering sackten nach ihrem Quartalsbericht am EuroStoxx-Ende um 7 Prozent ab. Enttäuscht hatte vor allem die Nobelmarke Gucci – bisher das Zugpferd des Unternehmens. Die Deutsche Bank strich daraufhin ihre Kaufempfehlung.

In Amsterdam brachen die Papiere des Lichtspezialisten Signify nach dessen Zahlen sogar um fast 13 Prozent ein. Der Umsatzrückgang aus eigener Kraft sei deutlicher als erwartet ausgefallen und habe unternehmensspezifische Gründe, schrieb JPMorgan-Analyst Andreas Willi über den Osram-Konkurrenten .

Auch Michelin machte mit der jüngsten Geschäftsentwicklung nicht gerade positiv von sich reden. Die Aktie fiel in Paris um 2,7 Prozent, nachdem der Umsatz im ersten Halbjahr nur dank Übernahmen gesteigert werden konnte.

Bessere Nachrichten kamen hingegen es aus der Schweiz: Dass der Lebensmittelkonzern Nestle trotz der knapp verfehlten Erwartungen im ersten Halbjahr die Jahresziele bestätigte, liess die Aktien um 1,8 Prozent auf ein Rekordhoch klettern. Klassenbester im Züricher Leitindex SMI waren aber Roche mit fast 2 Prozent Plus. Die UBS hatte die Papiere zum Kauf empfohlen. (awp/mc/pg)

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