EU-Schluss: Powell treibt Kurse nur kurz an

Boerse

Paris – Der mit Spannung erwartete Auftritt des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat am Mittwoch an Europas Börsen nur ein Strohfeuer entfacht. Der oberste Notenbanker ließ die Tür für niedrigere Leitzinsen weit offen. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg daraufhin am Nachmittag in der Spitze um 0,4 Prozent. Anschliessend aber gab der Index die Gewinne wieder ab und schloss 0,23 Prozent niedriger bei 3501,52 Punkten.

„Die Unsicherheit um Handelskonflikte und Sorgen um die Weltwirtschaft lasteten zuletzt auf dem Ausblick für die US-Wirtschaft“, sagte Powell. „Der Inflationsdruck bleibt verhalten.“ Mit diesen und weiteren Aussagen habe der Fed-Chef quasi den roten Teppich für eine Zinssenkung Ende Juli ausgerollt, sagte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Den Anlegern reichte dies am Mittwoch aber nicht aus, um die Aktienkurse weiter nach oben zu treiben. Auch an den US-Börsen gaben die Leitindizes ihre anfänglichen Gewinne im weiteren Handelsverlauf größtenteils wieder ab.

Paris und London meldeten moderate Verluste. In Paris schloss der Leitindex Cac 40 0,08 Prozent niedriger bei 5567,59 Punkten. Der britische Leitindex FTSE 100 gab ebenfalls um 0,8 Prozent auf 7530,69 Zähler nach.

Schwächster Sektor waren am Mittwoch die Immobilienwerte, die im Schnitt um 1 Prozent nachgaben. Hier dürfte der Anstieg der Kapitalmarktzinsen belastet haben. Bei steigenden Zinsen kann sich die Refinanzierung von Immobilien verteuern. Stärkste Sektoren waren Rohstoff- sowie Öl- und Gaskonzerne mit einem Gewinn von jeweils etwa 0,6 Prozent. Sie profitierten vom starken Anstieg der Preise für Edel- und Industriemetalle sowie für Öl und Gas.

Bei den Einzelwerten rutschten die Papiere von Swiss Re in Zürich um knapp drei Prozent ab und fanden sich am Ende des Leitindex SMI wieder. Auslöser der Verluste war die Meldung, dass Kreisen zufolge der Rückversicherer den geplanten Börsengang der Tochter Reassure verschieben könnte. Am Markt habe man den Börsengang überwiegend positiv betrachtet, sagte ein Händler.

In London verschreckte die Textilhandelskette Superdry die Anleger mit einem Ergebniseinbruch um mehr als die Hälfte: Die Aktie verlor in der Spitze mehr als zehn Prozent, konnte das Minus aber am Ende auf knapp 2 Prozent eindämmen. Die Aktie habe nach mehreren Gewinnwarnungen und Umwälzungen im Management bereits einen schweren Ritt hinter sich, kommentierte David Madden von CMC Markets. Auch dass das Unternehmen die weitere Entwicklung als unsicher einstufe und Umsatzrückgänge prognostiziere, diene nicht gerade der Stärkung des Anlegervertrauens. (awp/mc/pg)

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