EU-Schluss: Erholung vorerst beendet

Boerse

Paris – Nach zwei freundlich verlaufenen Handelstagen haben die Börsen Europas am Mittwoch überwiegend geschwächelt. Kurstreibende Impulse fehlten. Im Handelskrieg zwischen den USA und China gab es nichts Neues. Zudem könnte am Abend eine Entscheidung über die künftige Regierung in Italien fallen. Dann will Staatspräsident Sergio Mattarella entscheiden, ob eine neue Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und den Sozialdemokraten (PD) möglich ist – oder ob es Neuwahlen gibt.

Der EuroStoxx50 gab um 0,15 Prozent auf 3365,38 Punkte nach, nachdem er sich in den vergangenen zwei Handelstagen wieder etwas von den jüngsten Verlusten erholt hatte. In Paris verlor der Cac-40-Index 0,34 Prozent auf 5368,80 Punkte. In London stieg der FTSE 100 dagegen um 0,35 Prozent auf 7114,71 Zähler. Das britische Pfund gab spürbar nach, womit sich die Exportchancen britischer Unternehmen verbessern könnten.

Marktanalyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK begründete die Zurückhaltung der Anleger mit Rezessionssorgen angesichts der Zinsentwicklung am US-Anleihemarkt. Dort waren am Vorabend nicht nur die Zinsen der richtungweisenden zehnjährigen Staatsanleihen wieder unter die kürzer laufender gefallen. Noch signifikanter ist laut Hewson, dass die Zinsen 30-jähriger Bonds unter den Leitzins der Fed fielen. «Was es bisher noch nie gab». Die niedrigen Zinsen bei langen Laufzeiten sind Ausdruck sehr pessimistischer Konjunkturerwartungen.

Auf Unternehmensseite stachen vor allem die Aktien von Thomas Cook in London negativ hervor. Sie brachen um fast 17 Prozent ein. Der chinesische Grossaktionär, der den Reisekonzern übernehmen will, schiesst weiteres Geld zu sowie auch Banken und andere Gläubiger. Zugleich wollen diese die bestehenden Schulden des Unternehmens als Teil der Rettungsmassnahme in Aktien wandeln. Das würde den Wert der bisherigen Papiere stark verwässern.

Die Anteile des Ölkonzerns BP legten dagegen um 2,2 Prozent zu. Steigende Ölpreise gaben Auftrieb. Zudem veräussert BP das Geschäft im US-Bundesstaat Alaska für 5,6 Milliarden Dollar an den dortigen Wettbewerber Hilcorp. Auch die Aktien der Ölkonzerne Total, Eni und Shell legten zu.

Im EuroStoxx verloren AB Inbev 1 Prozent. Die britische Investmentbank Barclays senkte die Aktien des weltgrössten Bierbrauers auf «Untergewichten». Der gute Lauf der Aktie in den vergangenen Monaten dürfte zu Ende gehen, lautete die Begründung. In einigen Kernmärkten werde es künftig nicht mehr so rund laufen wie bisher. (awp/mc/pg)

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