Euro drei Jahre nach Mindestkurs-Aus fast wieder bei 1,20 Franken

Devisen Franken
(Foto: SNB)

Zürich – In den letzten Tagen hat der Euro-Franken-Kurs die Schwelle von 1,19 überschritten. Der Franken hat sich also soweit abgeschwächt, dass die Marke von 1,20 Franken pro Euro wieder in Griffnähe scheint. Seit Januar 2015, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro aufhob, hat die Schweizer Währung diese nie mehr erreicht. Eine Kombination verschiedener Ursachen sorgt nun dafür, dass sich dies wohl schon bald wieder ändert.

Am Mittwoch um 13.10 Uhr lag der Kurs mit 1,1989 Franken bereits nur noch minim darunter. Und betrachtet man die Entwicklung seit Anfang 2017, so beträgt der Rückgang des Frankens gegenüber dem Euro inzwischen mehr als 11 Prozent.

An sich läuft die Entwicklung jedoch den klassischen Mustern zuwider, wie Währungsstrategen von Mirabaud in einem Kommentar schreiben. So steht die Abwertung des Frankens in deutlichem Widerspruch zu den derzeitigen wirtschaftlichen und geopolitischen Spannungen. In der Vergangenheit hätten solche Ereignisse die Investoren jeweils regelrecht in den Franken getrieben, da dieser als klassischer „sicherer Hafen“ gilt.

Ursache in der Geldpolitik
Für Analystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank liegt die Ursache für die Abwertung des Frankens daher primär anderswo – nämlich in der Geldpolitik. „Im Moment ist die SNB eine der taubenhaftesten Notenbanken überhaupt“, erklärt die Währungsstrategin im Gespräch mit AWP. Während die US-Notenbank Fed in kleinen Schritten die Zinsen erhöhe und auch die Bank of England den Boden für eine baldige Erhöhung vorbereite, sei ein solcher Schritt bei der SNB nicht abzusehen.

In ihrer Rhetorik sei die SNB in der letzten geldpolitischen Lagebeurteilung vielmehr erneut zahm geblieben und habe ihre Aussagen nicht verändert. „Sogar die Bank of Japan scheint Zinserhöhungen weniger abgeneigt zu sein als die SNB“, so Nguyen in ihrer Begründung, weshalb die Geldpolitik ein klarer Grund für die aktuelle Schwäche des Frankens ist.

SNB muss auf EZB warten
Allerdings bleibe der SNB vorerst auch gar nichts anderes übrig, als die Normalisierung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) abzuwarten. Erst wenn diese ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe abschliesst, wird die SNB ihr folgen können. Dasselbe gelte für die schrittweise Abkehr von den negativen Einlagezinsen, die die EZB frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahres beginnen könnte.

Ausserdem gilt zumeist: Wenn eine Abwertung erst einmal beginnt, setzt sich diese in der Regel relativ schnell weiter fort. Die Bewegung nimmt an Schwung auf, da ausländische Investoren eine weitere Abwertung der Währung fürchten und ihre Gelder abziehen, um Kursverlusten zuvorzukommen. Dadurch schwächen sie im vorliegenden Fall den Franken weiter.

Wenn es dann soweit ist und der Kurs die 1,20er-Schwelle überschreitet, dann könnte der Franken laut Mirabaud kurzzeitig auch bis 1,23 oder sogar 1,25 fallen. Aufwerten dürfte der Franken umgekehrt dann wieder, wenn die SNB entscheidet, ihre Geldpolitik zu normalisieren, so das Fazit. „Ich glaube, die SNB wird das sehr behutsam und mit viel Umsicht tun“, so die Einschätzung von ZKB-Mann Zehnder im Gespräch mit AWP. (awp/mc/pg)

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