Euro gibt stark nach

Frankfurt am Main – Der Euro hat am Freitag kräftig nachgegeben. Meldungen über einen unmittelbar bevorstehenden Rundumschlag der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) gegen zahlreiche Länder der Eurozone lasteten schwer auf der Gemeinschaftswährung. Am späten Nachmittag kostete der Euro 1,2650 Dollar, nachdem er zuvor auf ein Tief bei 1,2625 Dollar gefallen war. Weniger hatte der Euro zuletzt Ende August 2010 gekostet. Am Morgen hatte der Euro noch gut zwei Cent höher notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,2771 (Donnerstag: 1,2736) Dollar festgesetzt.

Am Freitagnachmittag sackte der Euro schlagartig um rund eineinhalb Cent ab, nachdem Meldungen über bevorstehende Herabstufungen durch S&P die Runde machten. Demnach droht mit Frankreich und Österreich zwei der sechs verbleibenden Euro-Länder mit Top-Bonität der Verlust ihres «AAA»-Ratings. Das wäre ein schwerer Schlag in der nach wie vor lodernden Schuldenkrise. Darüber hinaus wurde in Finanzkreisen die beiden Euro-Schwergerichte Italien und Spanien sowie Belgien und Portugal als mögliche Abstufungskandidaten genannt.

Nachfrage nach Italien-Anleihen hinter Erwartungen

S&P hatte bereits Anfang Dezember für Furore gesorgt. Seinerzeit hatte die Agentur alle Euro-Länder wegen der Schuldenmisere unter verschärfte Beobachtung gestellt. Eine Entscheidung von S&P wird noch im Laufe des Freitagabends erwartet. Für Missstimmung an den Märkten hatte am Freitagvormittag auch eine eher ungünstige Auktion italienischer Staatsanleihen gesorgt. Zwar hatte der italienische Staat so viel Geld wie angepeilt einsammeln können. Die Nachfrage nach den Papieren war aber hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Noch am Donnerstag hatten überraschend gut verlaufene Anleiheauktionen in Italien und Spanien für deutliche Entspannung an den Märkten gesorgt.

Euro gibt auch gegenüber Franken nach
Seit das Gerücht kursiert, dass die Rating-Agentur Standard&Poor’s (S&P) die Abstufung der Bonität Frankreichs erwägt, hat der Euro auch gegenüber dem Schweizer Franken zwischenzeitlich stark nachgegeben. Der Markt scheint erneut, den von der Schweizerischen Nationalbank festgesetzten Mindestkurs von 1,20 CHF gegenüber dem Euro zu testen, sagten Marktbeobachter. Bis zum Berichtszeitpunkt hat sich das Währungspaar nach einem Tagestief bei 1,20795 wieder auf 1,2098 erholt. Der Euro kostet damit wieder gleich viel wie am Mittag, notiert aber weiterhin unter der Marke von 1,21. Seit dem Rücktritt des SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand befindet sich das Währungspaar aber insgesamt auf dem Rückzug.

Dollar legt zum Franken zu
Der US-Dollar hat indes gegenüber dem Schweizer Franken stark zugelegt und wird aktuell zu 0,9550 CHF (0,9460 CHF) gehandelt. Zu anderen wichtigen Währungen hatte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83320 (0,83055) britische Pfund , 98,06 (97,92) japanische Yen und 1,2100 (1,2112) Schweizer Franken festgesetzt. In London wurde der Preis für die Feinunze Gold am Nachmittag mit 1.635,50 (Vortag: 1.661,00) Dollar fixiert. Ein Kilogramm Gold kostete 43.490,00 Euro (43.570,00 Euro). (awp/mc/upd/ps)

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