Europa-Schluss: Hohe Verluste – Jahrestief rückt näher

Boerse
(Adobe Stock)

Paris / London – Mit zunehmenden Rezessionsängsten sind am Donnerstag die Jahrestiefstände wichtiger europäischer Börsenindizes bedrohlich nahe gerückt. So fehlte dem Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 im Tagestief von 3415 Punkten nicht mehr viel bis zum Jahrestief aus dem März bei 3387 Zählern. Am Ende ging es für das Börsenbarometer mit 50 Aktienschwergewichten um 1,69 Prozent auf 3454,86 Punkte abwärts. Das erste Halbjahr 2022 können die Investoren mit einem Verlust von fast 20 Prozent getrost abhaken.

Der französische Cac 40 war mit minus 1,80 Prozent auf 5922,86 Punkte am Donnerstag ebenfalls sehr schwach. Der britische FTSE 100 büsste 1,96 Prozent auf 7169,28 Zähler ein./bek/men

Der Börsenmonat Juni war besonders schwach, der Verlust des EuroStoxx 50 betrug knapp neun Prozent. Für den 600 Aktien umfassenden Stoxx Europe 600 war das erste Halbjahr das schlechteste seit 2008. An den Märkten komme man «an der Realität nicht vorbei», schrieb Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda und meinte damit die vielerorts steigenden Zinsen, die das Wirtschaftswachstum abzuwürgen drohen. Schwedens Notenbank erhöhte an diesem Donnerstag die Leitzinsen. In Frankreich stiegen derweil die Verbraucherpreise im Juni auf Jahressicht um 6,5 Prozent.

«Kein Anleger will derzeit in das berühmte fallende Messer greifen und vor dem Sommer noch grössere Positionen aufbauen», beschrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarktes das Marktgeschehen. «Andere wiederum werfen das Handtuch und sichern sich die letzten Gewinne, die aus der Corona-Rally noch übrig sind.»

Automobilaktien verzeichneten erneut deutliche Verluste. Bereits am Vortag war der Sektor unter Druck gekommen. Neben Konjunktursorgen hatte dem Sektor am Vortag die Nachricht zugesetzt, wonach in der Europäischen Union ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen verkauft werden sollen. Renault büssten nach den Abgaben am Vortag weitere 2,6 Prozent ein und Stellantis in Paris 3,3 Prozent.

Auch Banken standen unter Druck. Unter den grössten Verlierern waren die Aktien der UBS , die um knapp zwei Prozent fielen. Die Bank hatte in den USA im Fall der Betrugsvorwürfe im Zusammenhang mit einer komplexen Anlagestrategie einem Vergleich zugestimmt und muss 25 Millionen Dollar zahlen.

Besser hielten sich defensive Sektoren wie Telekommunikation und Gesundheit. Eine Ausnahme bildeten hier Sanofi mit minus 4,5 Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs wertete die Nachricht negativ, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA die Studien von Sanofi mit dem Medikament Tolebrutinib wegen Leberschäden teilweise ausgesetzt hat. Das Mittel sei weithin als eines der wichtigsten in der Entwicklungs-Pipeline von Sanofi angesehen worden, so Goldman Sachs. (awp/mc/pg)

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