Europa-Verlauf: Leichte Verluste – Märkte im «Konsolidierungsmodus»

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(Adobe Stock)

Paris / London – An Europas wichtigsten Aktienmärkten dominierte am Freitag Zurückhaltung. Vor dem US-Arbeitsmarktberichtsfür Juni gaben die Kurse nach der Erholung der Vortage nach. Der EuroStoxx50 notierte am späten Vormittag 0,45 Prozent niedriger mit 3472,66 Punkten.

Der französische Cac 40 hielt sich mit kaum veränderten 6002,17 Punkten etwas besser, während der britische FTSE 100 um 0,56 Prozent auf 7148,97 Zähler fiel.

Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect sprach von einem «Konsolidierungsmodus» der europäischen Aktienmärkte zum Wochenschluss. Zudem steht mit den US-Arbeitsdaten ein wichtiger Impulsgeber für den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank an. «Diese könnten darüber Aufschluss geben, ob das Tempo des geldpolitischen Fahrplans der US-Notenbank eingehalten werden kann oder doch vielleicht nach oben angepasst werden muss», merkte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker RoboMarkets an.

Mit den aktuellen Abgaben setzte sich die relative Schwäche der europäischen Aktienmärkte fort. Stefan Breintner, Leiter Research und Portfoliomanagement, DJE Kapital AG, attestiert dem US-Aktienmarkt derzeit «ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis». Sollte kein russisches Gas mehr geliefert werden, bestehe die Gefahr weiterer Kursverluste an den europäischen Aktienmärkten und besonders in Deutschland.

In den USA könnte sich dagegen der Gegenwind von der strikteren Geldpolitik in absehbarer Zeit drehen. «Die mittelfristigen Inflations- und Zinserwartungen nehmen weiter ab. Die US-Notenbank Fed dürfte den angekündigten Zinserhöhungs- beziehungsweise Liquiditätsabschöpfungszyklus nicht durchhalten können», prognostiziert Breintner. Die Folge: «Sollte die Fed im Lauf des ersten Halbjahres 2023 von ihrem aktuellen Kurs abrücken, könnte sich das Börsenumfeld verbessern.»

An der Spitze der Verlierer standen die Rohstoffwerte. «Eine globale Rezession wird offenbar zunehmend eingepreist», begründete Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank die Abgaben bei Industriemetallen und anderen Rohstoffen. «Dabei spielen Sorgen vor einer Gaskrise in Europa, einem Wirtschaftsabschwung in den USA sowie neuen Corona-Fällen und möglichen Lockdowns in China eine Rolle.»

Eine Ausnahme bildeten die Öl- und Gaswerte, die sich stabilisierten. Hier stützte die leichte Erholung der Ölpreise. Hinzu kommt die anstehende Wartung einer russischen Gaspipeline nach Deutschland. Sollten die Lieferungen danach nicht wieder aufgenommen werden, könnte dies die Gaspreise noch höher treiben. Die Aktie von Shell profitierte zudem von positiven Kommentaren von Credit Suisse und Goldman Sachs, was ihr zu leichten Gewinnen verhalf.

Zu den Gewinnern gehörten auch die Autowerte. Auf dem für die deutschen Hersteller extrem wichtigen chinesischen Automarkt mehren sich die Anzeichen einer Erholung, wie Daten des Branchenverbandes PCA zeigen. Das ist ein positives Signal, nachdem der Automarkt des Landes lange unter Corona-Lockdowns und den Problemen der Autobauer infolge von Chipengpässen gelitten hatte.

Unter den Einzelwerten fielen Aktien von Saipem mit einem Kurssprung von 20 Prozent auf. Der italienische Energiedienstleister hatte berichtet, dass wichtige Meilensteine bei Offshore-Windenergieprojekten in Frankreich und Taiwan erreicht worden seien. (awp/mc/pg)

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